Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1907-11-14 · Heft 46 (14.11.1907) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 46 (14.11.1907)
Date
1907-11-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2446951-2449244-2449291--63933-2506501
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

i. Uirükt na Br. Ltfcnu li fein 48. Jahrgang. SSI Frankfurt S. M.. den 14. nopember_1907. 8. Ktslero 5668. M*e. Der JSrarlit rrscheim jedm Donnerstag. «ldonnememsr Gewöhnliche Ausgabe Mi. 1.50 vrerteljLhrlich. HestauSgabe auf Kwrftdruckpapier Mk. 3.— vierteljährlich^ (Auslandspreise für die MsWWch^MWisabv: O«stMwich»UngaM S Lr., RuNandlLud.» England2 sd.» Amerika öv-ets.. Mederlaude 1,20 fl.) Abonnements bei allen Postanstalten, Puchhandlungen,sowie direkt bei der .M«^dW^.OG«»tezr WMftnMe für d^ftchSMpaZemMtznelSM; WM €*#t# bei der ft. ft. Postfparkaffe Wien -io. 78608. Frankfurt a. M. und derm PoNiko bei dom ft. Postsparkaffenamt Budapest No. 18484. ufc Tarif. Jnieratenarmahme nur dur^ malen. tzkoMo bei ver.S Haaseustri» u-BMler «aer E»ft»eerSa«r u NhW^ M- und deren Filialen in Dwinsk, Libau» Bialhstok, Reval mch W Nachdruck sämtlicher Artikel und Korrespondenzen ohne vorherige Verständigung mit der Redaktion untersagt. Lin Zendscbrerven Dr. David fioffmanns. . II.; Indessen legt unser Verfasser das Hauptgewicht auf das in seiner Schrift wiederholt erwähnte „Zeitbedürsnis", und auch der Gr. Oberrat schreibt in den Vorbemerkungen zu seinem -Gebetbuche: „Niemand kann sich der Einftch verschließen, daß der alte hehräische Gebetbuch immer mehr an Wertschätzung verliert und bei den nachwachsenden Geschlechtern völlig außer Gebrauch zu kommen, in Gefahr ist. Dieser Gefahr soll das neuebegegnen. — Nun, wir Gesetzestreuen sreye»» wahrlich nicht kalt dieser Gefahr gegenüber, in der unsere Brüder schweben, wir wollen daher gern und ruckhaltslos die „wohlgemeinten Intentionen" des Gr. -Oberrats anerkennen: allein wir fühlen uns verpflichtet, mit dem Kusari ihm zuzurufen: □'•w or« -jntryo t „Deine Wstcht,ist wohlgefällig, aber deine Hand- -ÜMffAhftkw" ist Myt wohlgefällig!" Weit entfernt^ die 'Men AEhM Geftchr zw beschwören, wird dieselbe durch Einführung des neuen Gebetbuches nur weiter um sich greifen und die Wertschätzung des hebräischen Gebetbuches auch aus den Kreisen verbannen, die bisher mit der größten Hochachtung ihm gegenüberstanden. Wie kann es denn anders kommen? Ein altes talmudisches Gedicht lautet: » ronSp nSwiDTtto dm ■vpn '2wrr wp no rftyin nana fmn om •ppm wr no „Wenn in die Zedern einschlägt die Flamme, Was soll tun der Mop an der Wand, Und wird Liwjathan mit der Angel gefangen, Was.sollen tun die Fischlein im Sumpf?!" Wahrlich, wer die Hochschätzung versagt den alten, mehr als tausenjährigen, von großen, heiligen Männern verfaßten, von göttlichem Geist durchwehten Gebeten, der wird modernen Erzeugnissen, die ohne jede Selbständigkeit aus bibuschen und nachüiblischen Phrasen zusammenstoppelt, kaum noch als guter Schüler-Aufsatz gelten dürften, gewiß keinerlei Achtung entgegenbringen, eher noch sie mit Verachtung zurückweisen. Doch'fragen wir die GefchikPs! Wieder will vvr Mtzür' GM zftierenr Ep schreM (XI „Die Unternehmer und Führer hegten die anfairgs berechtigte Täuschung, daß der (Hamburger) Tempel die dem Judentume entfremdeten Söhne durch die neue, zusagende, gefällige und wenig "Entsagung fordernde Gestalt mit ihm versöhnen und sie ihm wieder zuführen würde. Sie vermeinten, durch Verabreichung verdünnter religiöser Speisen den Ekel überwinden zu können, welchen die verweltlichten Juden gegen alles, was jüdisch hieß, empfanden. Hin und wieder gelang es allerdings, einige mit dem Judentume Zerfallene von dem Ueberschreiten der Schwelle zur Kirche zurückzuhalten (ein problematischer Gewinn fürwahr!). Mer für die Dauer schlug das Mittel nicht an." So Grätz*). — Hören wir aber auch einen zeitgenössischen Zeugen! Der Chacham von Hamburg Isaak Bernays schrieb im Jahre 1842 (s. Orient S. 103): „Es liegt klar vor, wie der Verein (der Hamburger Tempelverein), weit entfernt, dem Jndifserenttsmus der Juden mittels jener neuen Einrichtung entgegeiHuwirken, vielmehr die ewige Bedeutung des Gesetzes resp. der Vergangenheit geschwächt, wo nicht aufgelöst, die Erwartungen der Zukunft ausgestrichen und die ästhetisch aufgeputzte Gegenwart so hoch emporgehöben, daß der Prediger seiner Herde zurufen möchte: „Hier ist dein Zion!", und dieses neue Zion hat dem Jndifferentismus einen heuchlerischen Erbauungsmantel umgehangen, auf daß er sich nicht mehr als abtrünnig vor dem alten, ehrwürdigen Gesetz schüchtern zu verstecken brauche, sondern dem Judentum höhnisch und frech entgegenzurufen vermag: „Deine Vergangenheit ist veraltet, deine Zukunft kindisch, ich aber als gereifter, klarer Geist erbaue mich in der fortgeschrittenen Gegenwart in einem neuen Tempel, in dessen Adhtis der gesunde Menschenwille " zeitgemäß^Orakel erteilt." Mrd diese aus dem Wesen des Vereins deduzierte Einwirkung auf den seinen Jndisferentismus abgelegt hätte, wohl aber manchen, der durch diesen.Besuch seine Hochachtung gegen das Gesetz verloren oder gar prattisch indifferent wurdet" Soweit Bernays. — Diese Zeugnisse von zwei auf ganz verschiedeneu Standpunkten stehenden Männern genügen, um zu zeigen, daß es ein leerer Wahn ist, zu glauben, man würde durch Abschaffung der alten Gebete die Religiosität fördern. Wir glauben vielmehr umgekehrt, je treuer und fester wir an unserer alten Ueberlieferutig hangen, desto eher dürfen wir uns der. Hoffnung hingeben, auch unsere Brüder, die diesen Weg verlassen haben, aufzurichten und zum Glauben zurückzuführen. Nur ein unerschütter- *) Um unparteiisch zu sein, sei bemerkt, daß Grätz daselbst allerdings dem Tempel das große Verdienst »indiziert, alten Wust aus dem Gotteshause entfernt und Sinn für geregeltes Wesen, für anständige Haltung beim Gottesdienste und für Geschmack und Einfachheit? geweckt zu haben! Mußten aber oiese Errungenschaften . durch einen Bruch mit der alten relrgiösen Tra-: iritiqn erkauft werden?! Daß auch bei.-' treuem Fest-. au dieser jene Borzüge zu erreiche« sind, haben lich Feststehender vermag einen Ertrinkenden aus den Fluten zu retten, während derjenige, der selbst wankt und schwankt, mit in den Abgrund gezogen wird. Aber die „Denkschrift" sucht durch Belege zu beweisen, daß zu allen Zeiten die Bedürfnisse der Zeit auf die Gestaltung der Gebete eingewirkt haben. Diese Belege sind jedoch sehr unglücklich gewählt, denn sie beweisen gerade, wie verfehlt und verkehrt das Mittel ist, düs man zur Heilung der Schäden unserer Zeit ersonnen hat. S. 7 wird angeführt, wie R. Gamliel „die alte Gebetformel gegen die Sadduzäer zeitgemäß, d. h. als gegen die Mjnäer gerichtet, aüsgestalten ließ.**) S. 18 wird gezeigt, wie „mit Rücksicht auf das Zeitbedürfnis, gegen die eine künftige Welt leugnenden Sadduzäer Stellung zu nehmen, die alte Art^ die Benediktionen des Achtzehnergebetes zu schließen, abgeändert worden war," wie man ferner später „aus einem analogen Zeitbedürfnis heraus, nämlich um einer möglicherweise mißverständlichen Deutung der Minäer zü begegnen, den alten Brauch, vor dem Schema das Zehnwort zu sprechen, aufgehoben hat." — In einer Note daselbst wird noch ans Landshut (S. 54) hingewiesen, wonach „die von der Wiederbelebung der Toten in der zwetten Benediktion der Schemone Esre handelnden Stellen als eine spätere Einschaltung gegen die Sad-7 duzäer anzsHch«^ wären. Diese BemerkrytZ muß dahin berichtigt werden, daß hier nicht em<? spätere Einschaltung, sondern ein bereits von den Männern der großen Synagoge herrührender Einsatz gegen di.e Samaritaner vorliegt, welche nicht nur die Lehre von der Auferstehung leugneten, sondern sogar'zur Aufrechthaltung dieser Negation eine Textfälschüng in ihrem Pentateuch Vornahmen, wie dies in der wissenschaftl. Beilage zur „Jüdischen Pr." 1899, Nr. 9 überzeugend nachgewiesen ist. Allerdings haben die späteren Sadduzäer, welche die Begüterten und Mächtigen und sogar Könige und Hohepriester in ihren Reihen zählten, ebenfalls nicht bloß die Auferstehung geleugnet, sondern sogar der Lehre gehuldigt, daß Glück und Unglück nicht von Gott, sondern nur als Folgen der Klugheit resp. Unvorsichtigkeit der Menschen selbst zu betrachten seien. — Endlich wird (Denk- *) Zu der daselbst gegebenen Hinweisung auf meine Abhandlung in der wissenschaftl. Beilage zur „Jüdischen Pr." 1899 sei hier noch auf ibid. Jahrgang. 1900, Beilage zu Nr. 28 hingewiesen, wo bemerkt wvKr „Durch die Einführung des täglichen Gebetes gegttr die Minim sollte allen zum Bewußtsein gebracht den, wie gefährlich das Treiben dieser angeblichen Juden fei und wie man sich vor ihnen noch mehr .hüte« müsse, als 1m de» Heiden/ ....

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.