Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 43 (24.10.1907)
- Date
- 1907-10-24
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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' Der ASroütt. 24. Oktober WWWWWWW WWWWWWWWWW Seite 13. 9fr. 43. " „Gegenwärtig wäre es vielleicht einerlei, ob auch später? — wer kann das wissen? — Wenn ich ein mich bindendes Versprechen geben soll, so muß ich alle möglichen Fälle in Betracht ziehen. Indessen kannst Du eben aus meinem Zögern sehen, daß Du Dich auf mein Wort verlassen kannst." „Daran habe ich nie gezweifelt." * * * Die Zeit schritt vor. Malwine verbrachte auch nach der Trauerwoche den größten Teil ihrer Zeit im Hause ihrer Schwiegereltern. Sie hatte die sanfte milde Frau, die seit dem Tode ihres Sohnes beständig kränkelte und doch nie klagte, die keinerlei Aufmerksamkeit beanspruchte und doch für jede so herzlich dankte, in Wirklichkeit in ihr Herz geschloffen und war unablässig bemüht ihr Annehmlichkeit und Behaglichkeit zu bereiten. „Ach, Du wirst sehen, Mamachen," sagte eines Tages Malwine, „wie schön alles werden wird. Mein Papa hat ja eigentlich haben wollen, daß wir bei ihm wohnen und einen gemeinsamen Haushalt führen sollen. Aber das geht doch nicht, weil wir selbstverständlich einen rituellen Haushalt führen werden und Papa ißt gern Wildpret, Austern u. dergl. Ich habe aber gesagt, das geht nicht, weil wir in Eurer Nähe wohnen müssen, damit ich soviel als möglich bei meinem süßen Mamachen sein kann. Die Herren sind doch den größten Teil des Tages im Geschäft, da müssen wir Frauen zusammen halten. Mein Papa hat das auch eingesehen und ich glaube, er hat Theo darauf aufmerksam gemacht, daß das Eckhaus dort gegenüber, das dort mit dem schönem Balkon, ein prächtiges Wohnhaus für uns sein würde. Theo hat zuerst nur die erste Etage für uns mieten wollen, aber Papa kann, die Mietswohnungen nicht leiden und hat ihm zugeredet, das Haus zu kaufen. Heute wird der Kauf vermutlich perfekt werden und dann sollte unser liebes Mamachen mit der ganzen Geschichte überrascht werden. Und nun habe ichs doch ausaeplaudert, weil ich mich gar so sehr damit freue." „Darüber freue ich mich auch sehr" sagte Frau Gotthold „und darum danke ich Dir, daß Du es mir schon jetzt mitgeteilt hast, da kann ich mich doch um so länger freuen." „Aber liebe'Mama, wie steht es denn mit einer frommen Haushälterin? Ohne eine solche wüßte ich doch kaum, was ich anfangen sollte. Ich bin das Wirtschaften überhaupt nicht gewöhnt, aber einen rituellen Hanshalt leiten, wenn man das nicht von Kindheit an vor sich gesehen hat —" „Sorge nicht, liebes Kind; die sich mir bisher vorgestellt haben, haben mir zwar sämtlich nicht gefallen, aber —" „Aber morgen über sechs Wochen ist doch unser Hochzeitstag." „Sei unbesorgt, bis dahin hast Du eine tüchtige Haushälterin. Und sage mir doch, liebes Kind, gestern Abend sprachen wir auch von Euerer Hochzeit, da äußerte mein Mann die Absicht, heute noch bevor er ins Kontor gehen würde, mit Deinem Papa Rücksprache darüber zu nehmen. Weißt Du vielleicht —" „Gewiß weiß ich's," fiel Malwine lachend ein, „und ich fteue mich, Dir mittellen zu können, daß auch diese Angelegenheit bereits geordnet ist." „Wirklich? So glatt ist es gegangen?" Malwine lachte abermals hell auf. „Verzeihe, Mamachen, daß es glatt gegangen ist, habe ich keineswegs gesagt, das habe ich auch nicht sagen können", fügte sie noch herzlicher lachend hinzu. „Aber Du hast doch gesagt, daß die Angelegenheit bereits geordnet ist." „Das ist sitz auch, und selbstverständlich in Eurem Sinne." ' „Dann bin ich schon zufrieden." „Ja, aber glatt ist die Geschichte darum doch nicht gegangen. Ach, es war zu interessant, wie die beiden alten Herren wie ein paar Streithähne einander gegenüber gestanden sind und gegeneinander geschrieen haben. Theo und ich waren im Nebenzimmer, aber die Tür war sperrweit offen, wir haben alles sehen nnd hören können. Ich habe mich halbtot gelacht, Theo aber hat zuweilen ein ganz ängstliches Gesicht gemacht." „Ich kann mir denken, daß Theodor dieser Streit sehr unangenehm war." „Ach was, ein bißcherr Streit schadet nichts, es wäre doch zu langweilig, wenn immer alle derselben Meinung wären." „Aber es kommt doch darauf an, um was es sich handelt, und gerade hierbei —" „Nun ja, ich sehe wohl ein, Mamachen hat Recht wie immer. Aber amüsiert habe ich mich doch köstlich. — Zuerst war ja alles im besten Geleise, lauter Liebe und Freundschaft. . Mein Papa hat sich mit Papachens Besuch sehr gefreut uno daß Papachen sich so gut erholt hat und so gut aussieht usw. usw. Nun es ist ja auch wahr, Papachen hat sich in jüngster Zeit wieder ganz merkwürdig herausgemacht. Papachen hat darauf . etwas sehr Schönes über mich gesagt, ich weiß nicht mehr genau was, aber als ob.es mein Verdienst wäre, daß er sich wieder so erholt habe." „Das ist auch so, liebes Kind", sagte Frau Gotthold, die Hand des jungen Mädchens leise drückend. „Ach Unsinn", entgegnete Malwine lachend, „aber es ist mir ganz recht, wenn Ihr Euch das einredet. — Und dann haben sie von den Einladungen zur Hochzeit gesprochen. Mein Papa hat sich gleich hingesetzt und das Konzept dazu entworfen und dann endlich ist Papachen mit der Hauptsache herausgerückt, er halte sich überzeugt, mein Papa werde einverstanden sein, daß das Diner dem Restaueateur Levi Bund rat übergeben werde. — Na, da ist die' Geschichte los gegangen. Mein Papa ist kirschrot im Gesicht geworden und hat mit der Faust aus den Tisch geschlagen und geschrieen, ob Papachen glaube, es mit einem Verrückten zu tun zu haben, der zugeben würde, daß auch nur ein Lot Koscherfleisch in sein Haus komme. Und zuerst ist Papachen sogar sehr ruhig geblieben und hat gesagt, er halte denjenigen zwar nicht für verrückt, der Koscherfleisch in sein Haus kommen lasse, aber er habe doch nicht geglaubt, daß mein Papa das zugeben werde. Wohl aber habe er geglaubt und hoffe noch, daß mein Papa darauf eingehen werde, daß das Diner im Saalbau stattfinbe. Mein Papa hat aber nur noch mehr geschrieen und geschimpft, Papachen wäre ein Heuchler, der der Welt Sand in die Augen streuen und sie glauben machen wolle, daß er auf das dumme Zeug etwas gäbe. Er bestehe darauf, daß alles so werde, wie bei unserer Verlobung. Was denn für ein Unterschied wäre zwischen eiuem Berlobungsmahl und einem Hochzeitsmahl. Darauf hat Papachen gesagt, dazwischen wäre ein großer Unterschied. Das Verlobungsmahl habe mein Papa allein veranstaltet, da hätte Papachen sich nicht berechtigt gehalten, ihm dreinzureden. Aber sowohl er, als Du und Theo, Ihr hättet damals keine unerlaubten Speisen gegessen, Ihr hättet Euch ausschließlich an Vegetabilien und Konditorwaren gehalten. Won mir hat das gute Papchen nichts gesagt, darüber habe ich mich sehr gefreut, werde ihm dafür noch extra einen Kuß geben. Aber mit dem Hochzeitsmahl, hat Papachen gesagt, habe es eine ganz andere Bewandtnis, da ladet auch Ihr die Gäste ein, und es wäre doch geradezu unmöglich, daß Ihr Gäste einladet und sie mit Speisen bewirtet, die Ihr selbst nicht genießet, weil Ihr dieselbtzn als unerlaubt betrachtet. Ach und dann haben sie einander angeschrieen und mit den Händen auf den Tisch geschlagen und in der Luft herumgefuchtelt, so daß es oft ausgesehen hat, als ob sie in Wirklichkeit handgreiflich werden wollten. Das ist doch mir auch zu viel geworden, namentlich da es so ausgesehen hat, als ob beide große Lust gehabt hätten, unser Verlöbnis aufzuheben. Das werden wir uns aber doch nicht so mir nichts dir nichts gefallen lassen. Da sind wir denn Arm in Arm hineingeHangen und haben uns wie Friedensengel zwischen die Streitenden gestellt und ihnen ruhig, aber bestimmt erklärt, daß wir auf jede Feier unserer Hochzeit verzichten, daß wir uns jedoch in der Sache selbst von keinem dreinreden ließen, weder von Papachen noch von meinem Papa, daß wir an dem bestimmten Tage zusammen auf das Standesamt gehen und uns trauen lassen würden und dann sofort zu unserem Seelsorger, der in seiner Wohnung den religiösen Akt vollziehen solle. Das würde uns genügen, dann wären wir Mann und Fxau und würden in unser Haus gehen. Als wir das so ruhig erklärt haben, da ist das unseren beiden Papas so drollig vorgekommen, daß beide gelacht haben." (Fortsetzung folgt.) FOr den Inseratenteil ist die Redaktion nicht verantwortlich; insbesondere ist es ansschllessllehSaehe der Leser, die Im Inseratenteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben rellglonsgesetzlichen Charakters auf Ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. icpdimt»*. WIESBADEN K,^n«T’-*'k Pensionat nnd höhere Töchtenchnle von Hennine Wolff» «rtf«ah«e dm» Zöglinge« §m jeder Zeit. Prospekte «mb Referenzen durch di, Vorsteherin. («540 ' r KSllllckWW und Glnseleberpafhs empfiehlt als Spezialität Uurtil U|ni|| Fleisch- und Wurstwareu, GaosenlJIUI WBIII, leberpasteten- und Conservenfabrilc, btraltbarf i. E. (9049 Niederlagen sind noch zu vergeben. Die beste nnd musste Beznssqnelle für Gebetbücher aller ftrf, Machsorim. Chumoschlm etc., für Calesim. Cefilltn etc., Barmforoo- und Gelegenheits-Geschenke Ist Sie hebräische Buchhandlung -:■■■ - -.— - DOn D. J. flofmann,5ranltfurf a.rn. nilerheiiigensfr. 87 (neben Cat6 GolflsdimWt) lei. 13680 Sür tDiederoerhäufer höchster Rabatt. . 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