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Der Israelit · 1907-09-17 · Heft 38 (17.9.1907) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 38 (17.9.1907)
Date
1907-09-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Der Jsraelkt. . 23. Rb. »rdontal ist ein Dt^ftändiges landschaftliches WbW. Es grenz süh überall Aarf von seiner Umgebung ab und trennt als tiefer Graben das Ostland vom Westlande, während andere Flußtäler verbindend wirken? Die Jordanquelle bei BLnijas entspringt in schönster Umgebung. Bon hohem Berge droht die gewaltige Kreuzfahrerveste Kal at es-Subobe, auch in ihrem Verfalle noch, malerisch und imponierend. BLnijüs selbst, in weiter Aue am Abhange des Gebirges gelegen, ist die überaus schmutzige Heimstätte verkommener Bewohner, die den Fremden aufs zudringlichste anbetteln. Aber die Jämmerlichkeit des jetzigen Ortes ist vergessen, wenn Man zwischen die Ruinen der alten Burg tritt, die einst die Stadt Paneas schützte, oder wenn man sich der Jordanquelle nähert: hier^lenken^eine kraftvolle Natur und eine glanz- Jüdische Pilgerndes M«r«n.^ volle Bergangenheit'.den Blick von)der entarteten Gegenwart ab. Mächtige fugengeränderte Steine und Säulen zeugen von einstiger Pracht. Zierliche Botivnischen, in gerillter Muschel auslaufend, in hohe senkrechte Felswand gehauen, erinnern daran, daß hier einst ein Tempel des Pan stand. Aber den majestätischen Tempel hatte sich. Pan, die alles wirkende Natur, selbst geschaffen: eine gigantische Grotte, aus der der Jordan gleich stromstark hervorschoß. Ist sie jetzt auch durch Erdbeben teilweise zerstört und hcwen herabgestürzte ungeheure Felsblöcke die Quelle verdeckt, so daß sie erst weiter draußen unter Geröll zu Tage tritt, so wirkt die. Grotte doch noch immer so heroisch, wie eine Zyklopenhöhle Prellerscher Odysseelandschaft. Weithin in der Niederung aber haben die Waffermengen der Quelle den fruchtbaren Boden befähigt, die üppigste Fülle sprossen zu lassen. Olive, Pappel, Muß, Feige, Lorbeer, Myrte vereinigen sich zu: einem ausgedehnten Hain, dessen Bäume durch erstaunliches Maß der Höhe und des Umfangs nicht minder als durch ihre Blätterpracht den Blick fesseln. So wasserreich die Quelle von BanijLs ist, so muß es doch dahingestellt bleiben, ob sie als die Hauptquelle des Jordans zu betrachten sei. Unterhalb des Ortes vereinigt sich mit ihr ein starker Gebirgsfluß, der Nähr es-Za Lre, der am Hermon entspringt und dann die Tiefen des wilden WLdi ChaschLbe durchtost, oft von Turmeshöhe in brodelnde Kessel hinabdonnernd. Westlich von Banijüs bei Tell el-Kadi bricht der LeddLn hervor, der noch einmal soviel Wasser wie der Quellfluß von BünijLs enthält, und noch weiter westlich rauscht der stolze HLsban!, der schon einen weiten Lauf zurückgelegt hat. Alle diese Kinder des Hermon vereinigen sich in dem Ungeheuern Sumpfgebiete, dessen Südende der Hüle-See bildet. In diese meilenbreiten Papyrusdickichte ist noch kein Mensch eingedrungen; zahllose Wasservögel haben hier ihre sickere Heimat, und Moskitos und Malariakeime werden in diesen Dschungeln millionenweise erzeugt. Im Südwesten, wo die Gewässer tiefer und schuffrei sind, , gewagt, an den Ufern die Niederlassung«! Jesüd hama alü und Mischmar ha-jardßn zu gründen, aber sie haben ihre Kühnheit schwer büßen müssen. Todbringende Geister des Fiebers entstiegen nachts den schweigenden Gewässern und drangen in die Schlummerstätten der Kolonisten, und wen sie anhauchten, der fiel ihnen zum Opfer. Froh, diesem Sumpfgefängnisse entronnen zu sein, eilt der Jordan hastigen Laufes von Katarakt zu Katarakt im engen Bette talabwärts, bis er den See Liberias erreicht hat. Wie ganz sondern Charakters ist dieses Seebecken! An die Moore, die den Einfluß in den Hüle-See umgeben, erinnert nur die Ebene im Nordostwinkel des Sees Liberias, die Niederung el Betöha/ die von zahlreichen Gebirgsbächen durchfurcht wird. Auch der Ser hat sein Anrecht auf ' dieses Schwemmland noch nicht aufgegeben, sondern streckt viele Lagunen hinein. Doch ist diese Sumpfwildnis nicht unzugänglich. Auf höher gelegenen Stellen kauern die Zelte halbnackter Beduinen, und große Herden schwarzer Büffel weioen im fetten Grase oder stehen bis an den Kopf im Schlammwaffer. Wie ganz anders mag diese Niederung ausgesehen haben, als dort die Stadt Bethsaida-Julias stand! Aber der Jordan hat ihre Trümmer unter seinen Anschwemmungen begraben, daß keine Spur von ihr übrig geblieben ist. Wie wirkt der See Genezareth landschaftlich? An seinenjUfern ist es schwer, die Unbefangenheit des Auges zu bewahren und ihn gerecht zu beurteilen. Denn jeder von uns hat sich in seiner Kindheit schon einen See Genezareth gedichtet und trägt ihn als unzerstörbares Bild in seiner Seele mit sich herum. Man muß alle Energie aufbieten, um an dieser Stelle Phantasie und Wirklichkeit zu scheiden. Stellt man gerecht urteilende Vergleiche an, so wird man sich gedaß, wenigstens für das deutsche Auge, stehen/ sind zu viele Älpenseen den schönsten See Palästinas an landschaftlichen Reizen weit übertreffen. Es fehlen die tiefeingeschnittenen Buchten, die kühn geschwungen Felsvorsprünge, die dunklen Wälder. Ziemlich genau gleicht das Becken einer Laute (kinnor), nach der ihn die Alten benannten. Nur von Tabarija nach El-Medschdel bildet der See einen flachen Golf. Und die gleichförmigen Linien des Ufersaums werden kaum von menschlichen Siedlungen unterbrochen. Das einzige Tabarija reizt das Augealle andern Niederlassungen si unbedeutend, um etwas Wesentliches zum Charakter der Landschaft beizutragen. Und dennoch, trotz alledem, der See ist schön, eigenartig schön. Man muß ihn in voller Beleuchtung sehen, um seiner ganzen Pracht bewußt zu werden. Wenn über die weite blaue Fläche der Schmelz des Sonnengoldes ausgegoffen ist, dann schauern über die Fluten trunkene Lichtreflexe, für deren Wiedergabe keines Malers Palette Farben hat. Holde Anmut und feierlicher Ernst mischen sich auf dem Antlitz des Sees. Die Randgebirge weisen am Westufer größere Mannigfaltigkeit der Formen auf. Südlich von Tabarija fallen sie steil ab - hinter El-Medschdel schauen finster die furchtbaren Felsschroffen des Wadi el Hamüm herab - im Nordwesten wird der Blick auf sanften Linien zu den Hochgipfeln Obergaliläas emporgeleitet. Ist der Ostrand des Sees auch weniger gegliedert, so sind doch auch seine Gebirge von mehreren Täler durchschnitten, und ihre Vorburg Kal' 'at el Hösn hebt sich in scharfkantigen Umrissen vom Hintergründe ab. Im Frühlinge ist die Niederung rings um den See vom üppigsten Gras überwuchert, und auch die meisten Berge sind mit freundlichem Grün geschmückt. Beieiner Wanderung um das Seegestade enthüllt sich manches retzvolle Einzelbild. Wie schön liegt Liberias auf einem schmalen Landstreifen zwischen dem See und schroffen Felsen, auf denen die Ruinen der alten Herodesburg ragen! Allerdings ist es nicht ratsam, in die Stadt einzutreten, die durch Palmen, Kuppeldächer und ansehnliche Gebäude anlockt. Hinter der schönen Maske verbirgt sie entsetzlichen Schmutz. r Dagegen wird ein Besuch von Ain et- Tübira unvergeßlich schöne Eindrücke hinterlaffett. Wandert man von der merkwürdig heißen Quelle und den Ruinen der Wasserleitung von Kapernaum zwischen blütenreichen Oleanderbüschen am Strande entlang, so kommt man an einen Garten, in dem Palmen, Akazien und Pfefferbäume sich in tropischer Kraft entwickelt haben, und dann in das katholische Hospiz, vor dem eine haushohe Rosenhecke Sonnenschutz Bietet; unter dieser Rosenkaskade sitzend, den Blick auf den See gerichtet, verträumt man gern Stunde auf Stunde oder lauscht den Erzählungen des riesenhaften Pater Biever, der hier als einsamer Pionier der Kultur unter den räuberischen Beduinen einen schweren Kampf ums Dasein zu bestehen hat. Solche Anbauversuche beweisen, daß der Boden noch ebenso fruchtbar ist wie . zur Zeit deS jüdischen Geschichtsschreibers Josephus, der den Reichtum des Geländes begeistert preist. Wo sind die Gartengehege der Ebene Genesar? Distelhecken, Dornengestrüpp, dazwischen .versumpfte Bäche, an der alten Ortslage von Magdala die häßlichen Erdhütten von MedschdÄt — das sind die Züge des heutigen Bildes. Und was ist von den andern reichen Ortschaften übrig geblieben, die einst das Ufer zierten, von Kapernaum, Chorazin, Tarichea? Kaum ihre Stätten sind noch anzugeben. Wo sind die Hunderte von weißen Segeln, die einst wie Schwäne über die Fluten des Sees hinglitten? So schön der See noch heute ist, er gleicht einer'holden Braut, die trauernd ihren Schmuck abgelegt hat, weil der Bräutigam von ihr ging. * * Die vorstehende inhaltlich wie formell gleich fesselnde Skizze ist einem soeben bei Georg Wigand in Leipzig erschienenen, reich ausgestatteten Werke: „Palästinensische Kulturbilder"*) entnommen, auf das wir im litterarischen Teile noch eingehend zurückkommen werden. Mit welcher Liebe und Sachkunde die Verfasser, Mitglieder des deutschen Archaeologischen Jnsti- Antikes Kolumbarium. tuts in Jerusalem, gearbeitet haben, zeigt schon das hier auszugsweise veröffentlichte Einleitungskapitel, dem zwölf weitere, zuweilen zwar zum Widerspruch herausfordernde, immer aber hochinteressante Aussätze aus allen Gebieten der Palästinakunde, sich anschließen. ' ~ -N *) Preis brosch. 5.50 gcb. 7.—

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