Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 38 (17.9.1907)
- Date
- 1907-09-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2446951-2449244-2449283--63797-2506362- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Iiirtaief m Br. Lekuii ii lvri« 48. Jahrgang.' «sZ rrr.nhh.rf a h? Aon 17. September 1907. Sranhfurf a. M.. Sen g Ttj(hri 56gg M 38 $** Sfitaefct^eiffähfK: fe$« $«saerft&g. Mbasmemtemiis^taräfc&fc gewöhnlich« AuSgäbr: Oeürereich«Ungarn 2 Kr« RuNand t Lad.» England S slu. Amerika SO cts., Niederlande ISO S.) Abonnements bei allen Postanstalte», BuHbaud^ugeÄ lawie direkt bei Hier Hrpedition, HeftauSgabe nurdirekt. Inserate: 30 Pfennige für die sechsgespaltene Tolonel-Zelle; Rabatt" nach Tarif. Jnseratenannahme nur durch H aasen stein ü. Kogler A^G. in Lottto vei der K 5k. Postsparkasse Wie« Sko. 79605. Frankfurt a. M. und deren Filialen. Eonto bei de« «. Postfparkasfe»a«t Budapest «ko. 184M' m Diese Nummer umfaßt 4 Seiten. Tie nächste Nummer erscheint am dieswöchigen Freitag und enthält 24 Seiten. Uon Sieg r« Sieg. 7tr ^'NO Wenn der Tag sich neigt und in Israels Gotteshäusern der letzte Sonnenstrahl dem „Licht des Abends" Platz macht, dann hat die in alle Richtungen der Windrose zerstreute jüdische Diaspora einen großen^ ja den größten Sieg errungen, den Menschen überhaupt davon tragen können, den Sieg über sich selbst, den Sieg über alles Unlautere und Gemeine, über das Tier in her Menschenbrust, das dem Guten, Reinen, Göttlichen die Herrschaft streitig macht. Sieben Namen hat die Leidenschaft (Talmud Sukka Fol. 52), siebenfach find die Formen, in welchen sie zu Tage tritt, siebenfach scheucht sie in der Scheidestunde des Jom Kippur der Ruf ton 'n 'KH mit dem Vorsatz zurück, daß der Spender unseres Lebens von nun ab sein alleiniger Regler fein-und bleiben solle. Daun reißt.°sich ^ie-Seele los von allem niedrig Irdischen, um mit unwiderstehlicher Macht der Sehnsucht zu folgen, die sie zu Gott und seinem Willen emporhebt. Es fallen die Schranken, und alles, was das dem Vaterhause fern und fremd gewordene Kind scheidet, die Selbstsucht und Genußsucht, der Haß und der Groll, alle Fesseln lösen sich, die Geist und Gemüt an die Scholle gebunden hatten, und befreit von allem Leid schwingt sich die Seele empor zu ihrem Urquell, erfüllt von dem Gottesfrieden, den sie endlich gefunden. Siegreich ist der Kampf zwischen unserem Sollen und Wollen ausgekämpst, das Schleckte und Gemeine hat seinen Reiz, das Gute und Edle-hat jede es entstellende Kampfesspur verloren, das Kiud hat seinen Vater, der Mensch hat leinen Gott in diesem Siege wiedergefunden, und dieser Sieg Gestaltet den Jom Kippur zum höchsten Festglanz es Jahres. Damit aber der gewonnene Sieg auch behauptet und ausgenützt wird, hat uns Gott in seiner Gnade die Tage gegeben, -die dem Jom Kippur unmittelbar folgen, und die Brücke zwischen ihm und dem Sukkosfest, der Zeit unserer Freude, schlagen. Wie es alljährlich mindestens vier Tage find, die uns durch Selicho und Teschuwo zu den gehobensten, heiligsten Momenten des Zcchres geleiten, so sind es wiederum " HWyrf Me r Mt wieder, den Uebergang ins genießende tägliche Leben vermitteln. Es sind die Tcge zwischen Jom Kippur und Sukkos. Und wie hat sinnige Vätersitte es verstanden, uns mit goldenen Winken an die Hand zu gehen, die Heiligkeit des Jom Kippur uns auch nach seinem Scheiden zu sichern, und den in ihm errungenen Sieg auf das ihm nun folgende praktische Leben zu übertragen und ihn so dauernd zu erhalten! Sie empfehlen uns unmittelbar nach dem Ausgang des Jom Kippur, durchdrungen von seiner gehobenen freudigen Stimmung*) den Blick zum Nachthimmel zu erheben, von dem die im Neulicht strahlende Mondsichel die Wahrheit in die Menschenherzen hineinleuchtet, welch lichter, jede Nacht bewältigender Segen sich an die Stetigkeit und Gesetzmäßigkeit knüpft, mit dem die Himmelskörper ihre Bahn vollenden. Wenn es noch eines Beweises bedürfte, daß schwache, sterbliche, von der Erde und ihren Gebresten scholl von der Geburt an belastete Meschen, 'D'ioy, derselben ewigen Verjüngung durch denselben unwandelbaren Gehorsam innerhalb der Bahnen des Gottesgesetzes fähig sind, so wäre es der Jom Kippur mit seinem Befreiungswunder an denjenigen, die jetzt im Aufblick zu dem am Firmament leuchtenden Himmelskörper das Vorbild ihres gotttreuen Lebenswandels finden. Aber die jüdische Sitte beschränkt ihre Anregung nicht auf den Blick und das ihn begleitende Wort, sondern sie drängt zur Tat und empfiehlt den Gewissenhaften noch am gleichen Abend die Sand für die Errichtung der Festhütte des ukkosfestes zu rühren. Der Schulchan Aruch schließt die gesetzlichen Vorschriften über den Jom Kippur mit dieser Mahnung: D'pnpnorvi 'ID DDIDH D'T 'KXIOD TB PTnnD .rm$07 mxoo rm1? Während hier die Beschäftigung mit dem Sukko am Jomkippur-Ausaang damit begründet wird, daß man von einer Pflicht zur anderen schreiten solle, lautet die dazu zitierte Quelle im 7"'^N0 7SD: £m *?D piDJT USD DV TO \\vtn dvv nmtfn 'O' loWat? VIVO INDIO nwyb ni20D 'VinnfcV loxp nk o'-ip' V'n mdh1? oaDJr btt Vno idS' □"p1? hd« tier lautet die Begründung, daß man durch Beschäftigung mit . der Sukko unmittelbar nach Jom Kippur von Macht zu Macht, von Kraft zu Kraft, kurz von Sieg zu Sieg schreitet. Unsere. Gesetzesschriften zeichne:: sich durch *) nno«a rnw nn mD$n pcnpD dT >»sidd (Gßulchas «mch l 4L«, 2). inder Mcht reiten. t; eine ganz ungewöhnliche Gewissenhaftigkeit beimZitieren der Quellen aus, von welchen sie sprechen: Wenn der Schulchan Aruch aber hier TN in MXO - umwandelt und keiner von den zahlreichen Plossatoren des Schulchan Aruch sich an dieser Berschiedenheit stößt, so wird uns dadurch die 7 ung nahe gelegt, welche tiefe Wahrheit uns unsere Altvordern auch dann übermittelt MdM wenn wir auf eine scheinbare Ungenauigkeit Hei v ihnen stoßen. Diese Ungenauigkeit ist eben keimmxo ist identisch mit *pn, Pflicht ist Sie Unsere ganze sittliche, geistige und Kraft, die alle Schwierigkeiten und des Lebens siegreich überwindet, liegt treuen Erfüllung unserer Pflicht. Bon zu Pflicht heißt von Sieg zu Steg s, Während der Gedankenlosigkeit di« Pflü lästige, knechtende Fessel ist, nennt' diele' An? schauung nur denjenigen wahrhaft frei, der sich in die Kenntnis seiner Lebenspfiicht vertieft. Sie spricht wohl von einem ro2CD: 7iy, von einem Joch der Pflichten, aber sie hat die siegreiche, alle Last des Lebens überwindende Kraft unserer Mizwos> niemals herrlicher gefeiert, als gerade unter diesem Bilde. Auch der gedankenlose, pflichtvergessene Leiche sinn, erblickt in ihnen ein Joch, ein schweres Joch. Ein schweres Joch? Ein Joch ist ni^ mals schwer. Das' ' vernrtnftkvs? "Lasttier mag, wenn die Last des Wagens auf sein Joch drückt, letzteres für schwer halten. In Wirklichkeit ist ein Joch an und für sich ohne Last nicht schwer. Es ist ja das Mittel um die Last zu bewältigen, indem es alle Kräfte auf ihrer: ursprünglich?:: Sitz konzentriert und so erst die Möglichkeit schafft über die Last Herr zu werden. So hat jeder von uns seine. Last durchs Leben u tragen. Aber uns Juden, denen ein gerütteltes aß dieser Lebenslast auferlegt ist, hat Gott in seiner Gnade durch die von ihn: uns erteilten Mizwos das Joch gereicht, das alle Kräfte der Seele und des Körpers sammelt und zusammenhält, um das uns zu tragen bestimmte schwere Geschick siegreich zu überwinden. Dieses beglückende Bewußtsein weckt uns in der Morgenfrühe, die auf den Jom Kippur folgt, »in Gottes Namen" zu dem nun zu beginnenden neuen Leben. Wenn wir in den Tagen der Selichoth und der Tschubo im Hinblick auf den ernsten Moment, in dem die Würfel über unser Wohl und Wehe für die nächste Jahresspanne fallen, mit dem Tagesgrauen den süßen Morgenschlaf uns entzogen haben, so haben wir es sozusagen für unsere Zwecke und in unserem eigenen Namen getan. Wenn wir uns aber jetzt nach erlangter Reinheit und Sühne auch nach Jom Kippur dieses^ für viele so schwere Morgenopfer auf- $ v ’