Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 37 (12.9.1907)
- Date
- 1907-09-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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L: A eWÄW» UKk iWMk ÄM» ff fit Itcrlitef Mi Ir Ltentiltei 48. Johroang. Sraürtrt t m. tei^ggg”- M 37. DerZSxaM erschedttjeden Donnerstag. **««ttcawKt§r Gewöhnkkche. LuSgaöe Mk. l g«0ßhnliche Au-ga-e: Oestevreich^Ungarn 2 Kr.; Rustland 1 Bub., Englands slu. Amerika 60 «Ib., Jfiifigwrte» SV Pfemr^M die MZMipaItm« tzalp«G?Zeile:^-abgU mA. Lach. KchwtmaymchMemv^dm« $**f«*&*i*,*L B.os.le» .GMe'D. SSnSSIw *, m OriMWW«W« Sk». b<K» Filialen. «aata Sei de« S7B-Wttn-raWauqntDadap-st «•* 1849« HestauSgab« auf Su«W>ruckpapier Mk. 3.— viertrUhrlich. (KuÄandSpreile M die lande 1»SY st.) Abonnements bei allen Postanstaltru» 8^rchh«ü»lmmeu. sowie direkt bei der Am Dienstag, heu 17. September, erscheint eine ExtrckmrmWer des „Israelit", für die Inserate spätestens am Montag Vormittag aufgegeben werden müssen. Die darauffolgende Nummern erscheinen dann am Donnerstag, den 19. September und am Donnerstag, den 3. Oktober. Ex 'Oriente lux. Bon sehr geschätzter Seite wird uns geschrieben: Noch . wagt in mächtiger Erregung imser Herz von dem Nachhall jener erschütternden Schmerzensschreie, welche in den jüngsten Jahren aus der todeswunden Brust unserer gequälten Brüder im Zarenreiche zu uns drangen,- noch sind sie ja nicht ganz verklungen. Wir suchten zu lindern, segensreiche Liebestat wurde mit Minder Hand gewirkt,- daß wir die Weinenden unter Tranen Brüder nannten, war sicher der süßeste. Trost. Es ist aber nicht an dem, daß nun etwa mit einem wirklichen oder gar nur 1 " ffeft der Progxome unsere sere-Mcht PM die NachwiMlngen und KolgeerMeinünaen jener sturmbewegten Zeit stellen unsere Gesinnungsgenossen im Osten und damit auch uns vor ein Problem, dessen Tragweite kaum abzusehen ist. Denn seien wir einmal ganz offen,- in schweren Stunden und Tagen, da wir den religiösen Abfall und namentlich den Verfall des Thorastudiums in Deutschland immer weitere Kreise ziehen sahen, da trösteten wir uns hin und wieder mit dem Gedanken^—»ein sehr erhebender Trost war es ja gerade nicht -*■ daß b&W *6 , wenn auch der Westen einmal VN ganz versagen würde, doch sicher im Osten dem wirklichen Lernen eine sichere Heimstätte erhallen bliebe, bodenständig und auf herrlichen Traditionen stetig werter; bauend. Allerdings zeugte dieser Gedankengang von einem »sicht eben sehr stark entwickelten historischen Wimdenn wenn man bedachte, welche ungeheueren Zerstörungen das jüngste Jahrhundert der „Bildung" in Hinsicht auf das Thorastudium in Deutschland und England, Fraykreich mld Italien angerichtet hat. dann durfte man bm Osten nicht V chM beqn wahrlich emer im AuMick auf. Hoffnungsfeligkeit nichtwähnen, daß die östlichen destruktive Tendenzen gefeit feien. Aber auch dem beneidenswerten Optimisten, dem historische Parallelen nichts zu sagen haben, müßten doch die traurigen Vorkommnisse der jüngsten Jahre die Augen geöffnet haben. Solche Äuswüchse, wie sie uns im sozialistischen „Bund" gegenüberstehen, gab es in Deutschland selbst in den tollsten Flegeljahren der „Aufklärung" nicht. Auch gegenüber der östlichen Bildungsnot bewährt der Westen sein Solidaritätsbewußtsein. N ur klagen ernste Männer in Rußland, daß die angebotene, um nicht zu sagen, aufgezwungene Hilfe schlimmer sei, als das bittere Leid selbst. Die folgenden Ausführungen sind in erster Linie eine zunächst unkritische Wiedergabe dessen, was in der Seele unserer Gesinnungsgenossen an Sorge undHoffnung lebt. Es ist wohl nicht vonnöten, unseren Standpunkt zur Frage der Notwendigkeit der Bildung zu präzisieren, das hieße uns selbst beleidigen. Allein wir scheuen nicht davor zurück es unumwunden auszusprechen, daß die Art und Weise, wie man bisher von Westeuropa aus nach Rußland „Bildung" zu importieren beliebte, uns etwas bedenklich erscheinen will. Wir wollen hier nicht über die traurige Verquickung von Wohltätigkeit und Gewissenszwang, die in die Erscheinung trat, sprechen. Aber es möge an das Wort unserer Weisen erinnert werden, daß derjenige, von dem man ohne Gefährdung Belehrung empfangen könne, in Gesittung urw Charakter einem Engel aus Himmelshöhen müsse. Der Gedankeder in biefern ««.KSÄ» Iäs&'Sä den Kindern sterblicher Mütter vermittelt wirdist es doch psychologisch so folgerichtig, wenn das lernende Kind mit dem überragenden Wissen des Lehrers auch dessen Lebensführung als mustergüstig erkennt. Wieviel Unheil aus der Nichtbeachtung dieses Gedankens schon entstanden ist, läßt sich nicht ermessen. Er ist wirklich das Alpha und Omega der sogenannten Kulturfrage des Ostens. Wem ist denn aber eigentlich damit gedient, wenn in den von westeuropäischen Hilfsorganisationen gegründetest Schulen den profanen Unterricht Lehrer erteilen, deren religiöses Leben selbst nach westeuropäischen Begriffen nicht eben einwandsfrei ist? Wenn man ferner unter Umständen sogar den Religionsunterricht solchen Kräften überträgt? Wenn man außerdem das Pensum im „Lernen" auf ein Minimum reduziert, so nebenbei wohl auch unsere heilige Lehre ein klein wenig als bildungsfeindlich und lebenshinderlich stigmatisiert? Da reicht man wirklich so oft statt nährenden Brotes totes Gestein. Nun wird uns mit einem Scheine von Hecht erwidert, wir bekommen dort im Osten keine anderen Lehrkräfte, es war eben bisher sir, daß fast alle, die dort nur rudimentäre Bildung genossen haben, dem religiösen Leben entfremdet sind. Um diesem Uebel abzuhelfen wurde fl mit namhafter Unterstützung ber ICA das Lehrer-Seminar für Osteuropa in Frankfurt ins Leben gerufen. Zugegebenaber darf deshalb auf Konto dieses, zweifelsohne guten Werkes einstweilen weiter gesündigt werden? Hier muß noch ein Punkt erwähnt werden, und das ist auch ein wenig erfreuliches Kapitel. Das ist die vollkommene Uebergehung der geistigen Führer, der Rabbiner. So ist noch nicht leicht jemand als gnaotits negligeabie behandelt worden; höchstens im heiligen Lande kam ähnliches vor. Zum Mindesten wäre es Pflicht gewesen, mit diesen Faktoren zu beraten, bevor man auch nur einen Schritt getan hätte. Es war außerdem unKug und nicht ökonomisch, den mächtigen Einfluß, welchen die' Rabbinen in Rußland besitzen, gar nicht in die Rechnung einzustellen, dann find diese Herren wirklich nicht Jo weltfremd, wie man meint oder zu meinen vorgibt. Noch ist es zum Glück nicht' zu spätnur müßten wir Westeuropäer den Glauben an die alleinseligmachende Kraft unserer Zustände aufgeben. Es geht aber auch nicht an, daß wir mit verschränkten-Armen ruhigzuschauen und uns mit dem erbaulichen Gedanken beruhigen lassen, der jetzige Zustand bedeute nur eine Phase einer unaufhaWaren Entwicklung, und unsere Gesinnungsgenossen-' in Rußland müßten eben dieselben Kämpfe ourchfechten, welche unsere Väter vor einem Jayrhundert führten; ein solcher Fatalismus würde den Borwurf rechtfertigen, daß Brüder um Hilfe ruftm rmd wirschvählich uns versagen. Möge der große Moment hüben und drüben ein nicht allzukleines Geschlecht finden. Wenn nun überhaupt in diesem Zusammenhang von einer Reorganisation des russischen Bildungswesens gesprochen werden darf, dann muß dieselbe an Bestehendes anknüpfen und zwar an die altehrwürdige?mstitution der Jeschiboth. Daß da manches einer Verbesserung fähig und mitunter wohl auch bedürftig ist, wird von den Einsichtigen nicht bestritten. Zum Teil gelten unsere Erwägungen auch für die Vorschule (im Sinne unserer Söprlsysteme) der Jeschiboth, für das Cheder. Bon berufener Seite wird uns als ein empfindlicher Mangel das Fehlen genügender Aufsicht geschildert und vom pädagogischen Standpunkte aus auch beklagt, daß ein Zusammenhang zwischen Cheder und Jeschiboth nicht vorhanden sei. — So die Stimmen aus dem Osten. Werden geeignete Vorschläge zur Abhilfe dieser Mängel gefunden, so werden auch zum guten Teil die berechtigten Wünsche, die man in Westeuropa hegt, befriedigende Berücksichtigung finden. Nun haben — man darf das wohl verraten, ohne sich einer allzu großen Jndiskretton schuldig