Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 35 (29.8.1907)
- Date
- 1907-08-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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m An. n Sicht/ atis Stein « : Prov. i. (8156 «Her. (8216 käder. Der Israeli Sktt Qi Ceniralorns ffirias irftodK Jiiesfu l/w BKnalifliMiiilf.Lehmliniaaz mW.-' h 48. Jahrgang. cM_bfllW „ m a._ 29. fluguft 1907 Sranhfurf a. Hl, Sen ig. 6(ul 5667. nnt m OB 41. mir. chrw. renee* ern Riem ern en. :würd. bbiner ll. Reifl. lie ahme' her * schön deuschogym- Serechunter »Jfoetn itfnrt (8757 ie*<j .8843. Im, n ein* Inden. u. >«, iröi, t, gen- (8778 » H> 'S eisen. hüler) nkfurt lirt. slon rank- (8767 Irr Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. SlhWnementsr Gewöhnliche Ausgabe Mk. ILO vretzWjährlich, Heftausgabe auf Knnftdrnckpapier ML 3.— viertetzährlich. (Auslandspreise für Hie g«wKbuliche Ausgabe: Oesterreich 2 Lr., RuUand 1 Luv., England 8 sh., Amerika 50 cts., Niederlande 1,20 fl.) Abonnements bei allen Postanstalten. Buchh«fl»Lmgen» sowie direkt bei der HestauSgade nnevnktt. Inserate t .L0 Mennige für die sechSsespaltese.^oyr^Aetker Mahatt nach Tarif. Jnseratenauuahme nmc durch Ha asensteiMy^ PL g le^ Lonto bei der K. A. Postsparkasse «Nien No. 79665. Frankfurt a. M. tmd deren Mlialen. «ant» »et de« L. Poftspar»assen«uM Wedapeft Lvftpscsrlvflgzttmleuren im Asvirm«. „Der politische Zionismusifttot-es lebederwirtschaftlicheZionismus!"Jn diese Formel könnte, wer ein Freund epigrammatischer Darstellung ist, das Hauptergebnis oes eben beendeten achten Zionisten-Kongrefses zusammenfaffen. Was sich vor wenigen Jahren nur als leise Unterströmung bemerkbar machte, der Zweifel an der alleinseligmachenden Kraft des Charters, das ist vielleicht mit unter der Einwirkung der furchtbaren Verfolgungen und Pogrome überraschend schnell zu einer Macht geworden, die die ganze Bewegung in neue Bahnen lenkt. Denn darüber kann fiir alle, die den Verhandlungen des Kongresses mit Aufmerksamkeit gefolgt sind, kein Zweifel mehr bestehen: Der politischeZionismus inder ihm von Herzl gegebenen Formulierung ist nicht mehr. Wohl haben alle Redner, die zu diesemPunkte sprachen,wieder und wieder beteuert, daß die Parole nicht laute: politischer o d er wirtschaMcherZionismus,sondern daß sie neben jenem auch diesen weiterpfiegen wollen. Wir halten diese Beteuerungen für durchaus ehrlich gemeint, aber die brutale Macht der Tatsachen wird schnell genug über diese guten Vorsätze hinweg zur Tagesordnung übergehen. Das hahMM etzrWerten^ZHMyg^ W,. MM. rev^PE Redner, ihrefähigsten Köpfe in das Gefecht gesendet, um den nach ihrer Ansicht so verhängnisvollen Beschluß zu verhindern. Aber vergebens waren alle Anstrengungen der N o r d a u, Motzkin, Marmorek, Syrkin u. A., verebens wurden die Manen Herzl's heraufbeworenumdie „Vernichtung" seines Lebenswerkes zu verhindern- .mit überwältigender Majorität kam der Beschluß zustande, der die Richtungslinien für die Zukunft der zionistischen Bewegung auf das wirtschaftliche Gebiet verlegt. Will man die ganze Tragweite dieses Be- Muffes ermessen, so muß man bis auf die Anfänge des heutigen Zionismus zurückgehen. Man muß in den Berichten über die ersten Kongresse, in den Zeitschriften der Wer Jahre schwarz auf weiß vor sich sehen, welche Kritik damals von Herzl und seinen Jüngern an der bisherigen Tätigkeit in Palästina geübt wurde. Die Ansetzung kleiner Kolonien wurde da als „Infiltration" verdammt, die Begünstigung der Einwanderung einzelner Familien als „Hineinstehlen" gebrandmarktdie geldliche Unterstützung der Anstalten und der Individuen als Chaluckah-Mißwirtschaft gekennzeichnet. Von dem so geschaffenen Hintergründe kleinlicher, altersschwacher, zur Ohnmacht »erdammter Bestrebungen, hob sich dann das Banner des jugendstarken Zionismus um so leuchtender und glänzender ab. Es war ja im Grunde genommen auch alles so klar und einfach: Eine mit jüdischem Gelde geschaffene Bank stellt dem ewig geldbedürftigen Sultan ihre Millionen zur Verfügungdafür gewährt der Sultan einen Charter, der Palästina die Autonomie verleiht und die Einwanderung großen Stiles kann beginnen. n Wer etwa noch den schüchternen Eichvand wagte, daß da einige. Großmächte vorhanden seien, die in dieser Sache vielleicht auch ein Wort mitsprechen möchten, dem wurde sofort bewiesen, daß alle diese Mächte gar keinen dringenderen Wunsch haben könnten, als Palästina autonom, d. h. neutral zu sehen. Als es nun gar Herzl gelang, eine Audienz bei dem Sultan, eine Begegnung mit dem deutschen Kaiser und anderen Fürstlichkeiten herbeizuführen, da kannte der Jubel der zionistischen Himmelsstürmer keine Grenzen mehr: das Ziel schien zum Greifen nahe. Doch die Jahre kamen und gingen, die Kongresse tagten und verschwanden, allein ein greifbares Resultat zeigte sich nicht. So trat' das ein, was einsichtige Beurteiler der ganzen Bewegung ihr in ihrer Geburtsstunde als Prog-;g nostikon gestellt hatten. Die Massen wurden es müde sich immer von neuem mit einem Wechsel aufdie ZrMnft abspeffen zu lassen, sie drängten 'Uaastdachwjskt, so wurde der Boden für die Jto geschaffen - aber mochten diese Schöpfungen nähere und praktisch leichter zu verwirklichende Ziele aufzeigen, sie litten dafür an einem anderen Mangel, der sie für die Massen unannehmbar machte: Es feylte ihnen der Zusammenhang mit der Zionsidee! Es ist das gewiß mit die sympathischsteErscheinung in der ganzen zionistischen Bewegung, dieses innige Festhalten der Massen an Palästina, diese Ablehnung aller anderen Pläne, die, mögen sie auch eine weit raschere Herausführung aus den Bedrängnissen der Gegenwart verheißen, die Zukunft des jüdischen Volkes auf einen fremden Boden verlegen ollen. Wurde so der Ruf nach praktischer wo Tätigkeit immer lauter und lauter und mußte die Möglichkeit einer Ausführung dieser Wünsche auf anderen Gebieten als ausgeschlossen gelten, so war dem VIII. Kongreß der Weg vorgezeichnet, den er ja auch tatsächlich beschritten hat. Was dieser Kongreß an Rudimenten des politischen Zionismus stehen ließ, wie z. B. die Unantastbarkeit des Vermögens der Kolouialbank und des Nationalfonds, das wird von selbst schnell beseitigt werden, so bald die Notwendigkeit der Heranziehung weiterer Kapitalien vorhanden sein wird. Diese wird sich rasch genug ergeben, wenn auch nur ein Tell der für die Tätigkeit in Palästina gefaßten Beschlüsse in M Wirklichkeit umgesetzt werden soll. Es ist müßig heute Betrachtungen darüber anzustellen, welche Erfolge in Palästina erzieH: werden können. Darüber sind sich alle beteiligten Faktoren wohl klar, daß es Jahrzehnte harter, saurer Arbeit kosten wird, Äs von einer Kolonisation in größerem Maßstabe die Rede sein kann. Dafür wirb Palästina auch alle ihm zugewendete Arbeit ganz anders lohnen, als dies bisher der Fall war. Denn was für Palästina aufgewendet wird,ist Gegenwarts- und Zukunftsarbeit zugleich. Gelingt es der zionistischen Bewegung die weiten menschenarmen Gefilde des heiligen Landes neu zu bekö den Städten Handel und Gewerbe zuen neue Industriezweige zu schaffen und das jü fr. durch Juden und für Juden zu tun, so wird damit auch für die an sich recht unsicheren politischen Ziele des Zionismus das beste getan sein, was unter den obwaltenden Verhältnissen geschehen kann. So darf sich derjenige, der im Zionismus eine groß angelegte und weitausschauende Hülfsaktion zu Gunsten der dem Elend preisgegÄenen irdischen Brüder erblickt, der Entwicklung ehrlich euen, die zu der vom achten Kongreß vollendeten Umbildung der zionistischen Taktik geführt hat. ....... Welche Fokgett 'diese UmbMing-Mr dknIior nismus als geistige Größe, als Kulturfaktor haben werde, das wäre einer tiefgehenden Betrachtung sehr wohl wert. Hängt ja hiervon allein die Stellung ab, die das überlieferte Judentum in einer weiteren Zukunft gegenüber den vom Zionismus geschaffenen geistigen Werten, einzunehmen haben wird. Es würde vielleicht übereilt sein, schon heute ein abschließendes Urtell über diese Frage auszusprechen. Denn noch läßt sich nicht voraussehen, ob — wie es auf dem Kongresse der Fall war — hinter den drängenden wirtschaftlich-praktischen Aufgaben des Tages der eigentliche Kergedanke der „nationalen Wiedergeburt" immer mehr zurückgedrängt, ob aus Mangel an Mitteln auch die „nationale Erziehung" nur lässig betrieben werden wird, oder ob man umgekehrt als Ersatz für die zugerollte Standarte oes politischen Zionismus die Kultur-Aufgaben in den Vordergrund schieben und damit unbewußt die Entwicklung der in der zionistischen Idee schlummernden antireligiösen Antriebe beschleunigen wird. In beiden Fällen ist für das gesetzestreue Judentum bei aller Sympathie die größte geistige Wachsamkeit gegenüber dem Zionismus geboten. Daß das Wesen des modernen Zionismus in der völligen Umwertung des BeilÜÜ