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Der Israelit · 1907-08-22 · Heft 34 (22.8.1907) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 34 (22.8.1907)
Date
1907-08-22
Page
– (sequence 17)
Language
German
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r.D.*c*. euilleton. Der €nkel. Erzählung von Friedrich Rott. 3) (Fortsetzung.) Noch mehrere Stunden verbrachten sie in heiterster Unterhaltung, bis es Malwine endlich an der Zeit fand, aufzubrechen. Sie umarmte die Eltern, dankte ihnen nochmals ftir die Güte, mit der sie sie als Tochter ausgenommen hatten und dankte ihnen für die köstlichen Stunden, die sie bei ihnen verbracht. „Wenn Jhr's erlaubt, komme ich morgen wieder." „Morgen Abend," verbefferte Theodor, „am Tage will es Dein Papa doch noch nicht erlauben." „Nun, Bertha," sagte Gotthold,. als er sich mit seiner Frau wieder allein befand, „was sagst Du nun, bist Du zufrieden?" „Ich hoffe zu Gott, daß wir zufrieden sein dürfen, und daß wir uns Glück wünschen dürfen zu der Wahl, die unser Sohn getroffen hat. Sie ist doch so kindlich lieb und so überaus gut und so bescheiden, wie ich es von der Tochter des alten Schröder nicht für möglich gehalten hätte. Und wenn ich es auch bedaure, daß sie von unserer Religion absolut keine Ahnung hat, so habe ich doch in dieser Beziehung keine Furcht, weil sie den ernsten Willen hat, alle ihre Pflichten genau kennen zu lernen und alles, was ich sie lehren werde, strengstens zu beobachten. Das hat sie mir wiederholt gesagt. Uud sie macht nicht den Eindruck, als ob sie leichthin etwas versprechen würde, ohne den ernsten Willen zu haben, es zu halten." Gotthold rieb sich vergnügt die Hände. „Ich bin glücklich, daß Du von Deinem Borurteil über das liebliche Mädchen abgekommen bist, und ich glaube in der Tat, daß wir uns zu unserer Schwiegertochter gratulieren dürfen. Und wie lieb sie ihren Bräutigam hat und wie sie an ihrem Mamachen zu hängen scheint." „Aber wie wird das in der nächsten Woche sein bei dem Fest, bei dem ihr Vater ihre Verlobung veröffentlichen will." „Wie meinst Du das, wie es bei dem Fest sein wird?" ' „Nun, dabei wird doch höchst wahrscheinlich ein Essen stattfinden —" „Höchst wahrscheinlich." „Wobei die Speisen wahescheinlich nicht rituell bereitet sein werden." „Ganz gewiß nicht. „Aber wie können wir Leilnehmen an einem solchen Essen?" „Wir werden uns eben auf Obst, Eis, Zuckerwerk und dergleichen beschränken." Aber das gefällt mir doch gar nicht, daß wir an dem Verlovungsmanl unseres Sohnes nicht ordentlich teilnehmen können." Er zuckte die Achseln. „Daß mir das so ganz besonders gefällt, kann ich auch nicht sagen, aberich wüßte doch nicht, wie wir es ändern könnten." „Vielleicht doch, wenn ich Malwine ersuchen würoe, ihren Vater zu veranlassen, die Besorgung des Essens der Kohnfchen Restauration zu übergeben?" Gotthold schüttelte mit Entschiedenheit den „Nein, nein, so weit halten wir noch nicht, daß wir derartiges wagen könnten." „Wagen? — Du meinst, wir würden dabei etwas wagen?" „Ganz gewiß, und zwar nicht nur etwas, sodern das Ganze. Und da wir. darin übereinstimmen, daß das liebliche Mädchen als Schwiegertochter sehr willkommen wäre, so dürfen wir auch nichts tun, wodurch wir die Verbindung unseres Sohnes mit ihr in Frage stellen." „Und Du glaubst —" Er zuckte die Achseln. „Ich glaube gar nichts, denn ich kenne den alten Schröder zu wenig um erwägen zu können, wie er eine derartige Zumutung aufnehmen würde, ob er nicht am Ende sagen würde, wenn die Leute nicht effen wollen, was auf meinen Tisch kommt, so will ich mich auch nicht mit ihnen verschwägern." „Aber wir können doch nicht bei ihm effen." „Daß wir nichts bei ihm essen können, das ist auch nicht gesagt. Wir könnten z. B. Fffche effen, verschiedene Torten, Eis, Kompott, Obst, Konfekt u. dergl. Und von den Schüsseln, von denen wir nicht effen wollen, können wir ein Weniges auf unfern Teller legen und mit der Gabel darin herumstochern." „Damit die Leute glauben sollen, wir hätten auch Unerlaubtes gegessen? Nein, das gefällt mir nun einmal gar nicht." „Aber liebes Kind, man kann nicht immer dasjenige tun, was einem gefällt. — Uebrigens könnten wir hin und wieder auch einmal einen Gang vorübergehen lassen. — Siehst Du, darüber könntest Du mit Malwine sprechen." „Das habe ich bereits getan." „Nun, was hat sie dazu gesagt?" „Sie findet es selbstverständlich, daß wir nicht bei ihrem Vater essen und sagt, sie habe sich vorgenommen, fortan auch nicht mehr von den Fleischspeisen zu essen, die auf sänen Tisch komme." „Wirklich? Das hat sie gesagt? — Das wäre in der Tat großartig." . „Aehnliches habe ich ihr auch gesagt, aber sie meinte, das wäre kein besonderes Opfer für sie, sie lebe überhaupt jetzt weniger von Effen und Trinken als von der Luft und von der Liebe." Gotthold lachte. ,^Das ist doch nun der reine Unsinn, aber wenn sie dergleichen vorbringt, so tut sie das mit solch unvergleichlicher Treuherzigkeit, daß man sie darob doch noch lieber haben muß." „Das ist wahr, wir können dem lieben Gott nicht genug dafür dafür danken, datz er unserm Theodor eine solch liebreizende Lebensgefährtin beschicken hat." Gotthold nickte zustimmmend. „Das können wir allerdings, ich wünschte nur, wir wären mit Albert auch schon so weit." „Nun, das wird auch nicht mehr so lange dauern, Theodor sagte doch, er habe ihm geschrieben, er beabsichtige seinem Beispiel sehr bald zu folgen, es wären nur noch zuvor einige Hindernisse zu beseitigen'" ..Warum schreibt er das dem Bruder, ohnd uns gegenüber, denen er gleichzeitig geschrieben hat, irßend etwas davon zu erwähnen? Das ist doch mindestes sehr eigentümlich." „Eigentümlich ist es allerdings, wir müffen ihm morgen doch ohnehin schreiben, da werde ich ihn fragen." _ ^Schreiben kannst Du ihm wohl, wir müffen ihm doch Theodors Verlobung Mitteilen, aberich möchte nicht, daß Du ihn fragst, warum er uns nichts von dem geschrieben, was er in dem Briefe an seinen Bruder erwähnt hat. Obgleich auch ich das gern wissen möchte, wünschte ich doch nicht, daß Du ihn darüber befragst. Es scheint in der Sache nicht alles in Ordnung zu sein." „Freilich nicht, er schreibt doch von Hinderniffen —" „Zwischen Hindernissen und Hindernissen ist auch noch ein Unterschied. Aber Hindernisse, die man dem Bruder gegenüber erwähnt, ohne den Eltern auch nur irgend etwas anzudeuten." „Er hat uns doch überhaupt nichts davon geschrieben." „Das ist's ja eben, und daraus glaube ich schließen zu müffen, daß er sich in irgend ein Mädchen vergafft hat, das ihm nicht ebenbürtig ist, entweder hat sie kein Geld oder es haftet irgend ein Makel an der Familie, so daß er von vornherein vermutet, daß wir seiner Verbindung mit derselben nicht zustimmen werden." „Herr Gott! ich glaube in der Tat, daß Du Recht hast. Und ich habe mich mit Theodors Mitteilung gefteut!" „Das kann ich meinerseits nicht^behaupten." „Nun. ja freilich, Du hast es gleich verstanden. — Aber ob es nicht doch gut wäre, wenigstens zu wissen. — „Verzeihe, liebes Kind, vorläufig will ich noch gar nichts davon wissen. Wer weiß, vielleicht kommt er von selbst zur Einsicht und läßt die Geschichte fallen." „Das wäre allerdings das Gescheiteste, was er tun könnte. Glaubst Du, daß er in der nächsten Woche zu ^Theodors Verlobungsfest kommen wird?" „Ich bezweifle es sehr, er schreibt doch in dem heute gekommenen Brief, daß er sich gegenwärtig auch nicht für eine Stunde aus dem Laboratorium entfernen können. Weshalb seine Anwesenheit dort so unbedingt notwendig ist, das weiß ich freilich nicht und verstehe auch nichts davon. Aber, wer weiß, vielleicht schreibt er das nur, um uns Sand in die Augen zu streuen, vielleicht steckt das Mädchen dahinter." „Ich begreife, nicht — wie meinst Du das?" „Ich meine, als er den Brief geschrieben hat, hat er doch schon gewußt, daß sein Bruder sich dieser Tage verloben wird, und da wird es ihm selbst vielleicht paffend erschienen sein, bei der Berlobungsseier seines einzigen Bruders gegenwärtig zu sein. Weil er aber augenblicklich mit seinen Eltern nicht gern Zusammentreffen möchte, darum baut er vor, schreibt schon gestern, ohne die Verlobung seines Bruders nur mit einer Silbe zu erwähnen, daß er auch nicht für eine Stunde äbkommen kann." Sie atmete tief auf. „Ich fürchte in der Tat, daß Du Recht hast." „Ich habe Recht, verlass' Dich darauf." „Merkwürdig, wie gescheit Du bist! — Darauf wäre ich nie im Leben gekommen. Aber leid tut es mir doch, daß Albert nächste Woche nicht da sein wird — es wäre so schön gewesen, wenn wir alle zusammen. — „Freilich, schöner wäre es gewesen. Aber vielleicht ist er doch im Recht, gegenwärtig eine Zusammenkunft mit uns zu vermeiden. Ich hoffe noch immer, daß er auch ohne unser Hinzutun zur Vernunft kommen wird und das wäre mir ungleich lieber als wenn ich gezwungen würde, einen Machtspruch zu tun. Denn wenn ch auch keineswegs behaupten will, daß er abolut auch eine Millionenerbin heiraten müsse, o könnte ich doch auch nicht zustimmen, wenn er z. B. eine Näherin heiraten wollte oder eine Wäscherin." „Freilich nicht, das ginge nicht." „Ich vermute aber, daß er derartiges oder ähnliches im Sinne hat. Und darum, wenn Du Dich auch noch so sehr nach ihm sehnst, dringe nicht in ihn, daß er Herkommen mochte." Die Zeit schritt vor, näher und näher kam )er Tag, an dem das große Ereignis der Welt verkündet werden sollte. Und die Welt sollte taunen, sollte überrascht werden, darauf legte fzx alte Schröder den größten Wert. (Fortsetzung folgt.) _ _ ..„ a

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