Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 34 (22.8.1907)
- Date
- 1907-08-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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EfflEentralornan lOrdas orthodoxe JudenfaiB IfUt \ ymil) tsasstaEsa hjrlahf mDr Lelmina in M-j« ssa 48. Jahrgang. Sranhfurt a. IR, Sen ^j^EIuf SöffT ~ ./K 34. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Abonnements: G cwöhnliche Ausgabe Mk. 1.50 vierteljährlich, 'Hestausgabe auf Kunstdruckpapier Mk. 3.— vierteljährlich. (Auslandspreise für die gewöhnliche Ausgabe: Oesterreich s Lr., RuNand 1 Lnb., England 2 sh., Amerika 50 cts., Niederlande 1,20 st.) Abonnements bei allen Postanstalten, Buchhandlungen, sowie direkt bei der Expedition,.Hesrausgabe nur direkt. Inserate: 30 Pfennig« für die sechsgespaltene Colonel-Zeile; Rabatt nach- Tarif. Jnseratenannahme nur durch Haasenstein u. Bögler A.-G. in Conto Sei deruK. K. Postsparkasse Wien No., 79 603. - Frankfurt a. M. und deren Filialen. Contobek dem K. -Postsparkaffenanrt Budapest Ra. IQiSL - Unsere Abonnenten ln Oesterreich-Ungarn bi tten wir sich nnsercr bei «1er K. K, Postsparkasse Wien (Cto,-Xo. 79605) und bei dem K. Postsyarkassenamt Budapest (Cto.- ><». 18424) errichteten Conti bedienen xn wollen. - v. Verlag des „Israelit“, ß. m. d. H. WWWWWWWWWWWWWWWWW lliarokko. ' Die Nachrichten aus dem Lande des Sherif, die - sich' in den jüngsten Tagen geradezu überstürzten und es schwer machten, ein klares Bild .von den -blutigen Vorgängen -in 'Casablanca zu. gewinnenfangen jetzt an spärlicher zu fließen. Es ist nach den -ersten stürmischen Schlägen eine ' gewisse Ruhe'- eingetreteu. Die Kabinette der Mächte; pflegen diplomatische Verhandlungen miteinander über-die von der französischen und der, spanischen Regierung unternommenen -kriegerischen Eingriffe und man überlegt, -was bei der gegebenen- Sachlage in Marokko weiter geschehen soll. Das fernere .Vorgehen Frankreichs und Spaniens wird wesentlichdavon . abhängen, wie -sich das Verhalten der feindlichen Berberstämme gestaltet', -ob sich die Befürchtung bestätigt, daß sie deik „heiligen Krieg" aller "-Eingeborenen egen die Europäer, erklären werden,- oder ob. sie urch-7.das, Einschreiten - der. französischen .und - spanischen -Truppen eingeschüchtert, sich zur Ruhe beäuemen.' - Soviel ist jedoch -sicher, . daß' die Be- -. schlüsse der 7 Konferenz vomAlgesiras noch recht weit von -ihrer Durchführung.entfernt, sind. -Zu drastischem Ausdruck ist das durch die Thatsache - gekommen-- daß gerade -jetzt, im Augenblick der Revolte zu Casablanca, der zum Leiter der. .europäischen Polizei in Marokko .bestellte schweizerische . Oberst auf 'Urlaub in der Heimat weilt, daer/ nach seiner Erklärungja einstweilen doch' noch nichts ausrichten-könne.. . - > - . Die, praktische Bedeutung der Beschlüsse -voir Algesiras für die Gestaltung der Dinge in Marokko - ist allenthalben stark 'überschätzt worden.^ Auch in ' der7 . jüdischen "Oefsentlichkeit hat - mack" ihre unmittelbare --Tragweite -in dieser: Hinsicht - zu ’. hochbewertet. Man glaubte während der Verhandckungender Konferenz, mit einer positiven Stellungnahme ,der Mächte zu Gunsten der gedrückten marokkanischen' Glaubensgenossen ' sei für diese -alles: gewonnene.Solch* eine entschiedene Stellung-! mahme-wurdennun freilich nicht erlangt,- Aber, wenn auch mehr' als ein den Juden freundlicher! -Wunsch .- an den - Sultan- , ausgesprochen-^worden; wäre, es stände heute nicht-im geringsten besser um-die-Bewohner der Mellahs, der Ghetti der' marokkanischen Städte. Müssen doch die Mächte es mitansehen, wie ihre eigenen Angehörigen von fanatifierten Nomadenhorden niedergemetzelt werden. Hier im- Westen gilt noch weit mehr als im europäischen Osten die Tatsache, daß der Kultur und der Gesittung der Boden Schritt für Schritt, in-langsamem mühseligem Ringen erkämpft tverden muß. Die Kulturvölker erfahren es in Marokko an einem sprechenden Beispiel, wie alle judenseindlichen Instinkte nur dem Mangel -der Zivilisation entspringen, -und wenn sie aus dem Mord nichtjüdischer Franzosen und Spanier durch maurische Räuberscharen etwas lernen wollen,'so werden sie erkennen, - daß auch der -russische Holigan und der mitteleuropäische Antisemit. nichts als. ein hinter der gesitteten Menschheit zurückgebliebener. Fanatiker 'ist, dessen Genesis mit angeblichen schlechten Eigenschaften der jüdischen Rasse in gar keinem Zusammenhang steht. ' Der Jude wird in Marokko gehaßt, unterdrückt, mißhandelt und beraubt, weil er ein Andersgläubiger ist, der . als solcher keinen Anspruch ans Gerechtigkeit, auf Achtung seines Leibes und seines Besitzes hat. . Und da bei der Ohnmacht des Sultans die Kabylenhäuptlinge tun können, was - ihnen gutdünkt, so sind Raubzüge in die Mellahs schon immer eine liebe Gewohnheit bei ihnen gewesen. In. neuester Zeit hat sich jedoch infolge des Anwachsens des europäischen Einflussesdas Loos ' der. Juden noch bedeutend verschlechtert. Die -Araber fühlen esdaß die jüdische -Bevölkerung mit ihrer-Intelligenz, ihrer Tüchtigkeit im' Handwerk, das - fast ganz in den Händen der Juden ist, und ihrer kommerziellen f ähigkeit der natürliche. Bundesgenosse - des ülturgeistes - ist und - die Ausschließung des Landes für desien friedliche Wirksamkeit begünstigt und-fördert. So kommt es, daß mit -der Verfolgung der ^Fremden die Zerstörung der Ghettr und die Niedermetzelung ihrer Bewohner -Hand in Hand geht.. Es ist nicht das erste mal, daß -die Juden, als Märtyrer des menschlichen Fortschritts^ gelitten haben.; : .'. Diu europäischen Staatsmänner verschließen sich. nicht der Tatsache, . daß die ' jüdischen Bewohner -ein ' wertvoller Faktor bei der Herbeiführung -. geordneter Verhältnisse. .'in' -Marokko sind-- es'.ist dies aus - der Konferenz von Algesiras,' zum' Ausdruckgekommen. . Man muß daher erwarten, daß die beteiligten Mächte, . wenn" .sie .'auch - vorläufig die Lage der Juden nicht dauernd bessern ' können, ihnen doch wenigstens - denselben Schutz wieihren eigenen ' Untertanen gewähren.und es verhindern werden, daß'die. in anderen marrokanischen Städten nach -einigen Berichten den Mellah's drohende Gefahr sich zu ähnlichen furchtbaren Ereignissen wie in Casablanka äuswä'chst. KochmrMZschav. 6ln neuer Erfolg in Sachen 9er Sonntagsruhe. Nachdem es vor wenigen Wochen in München . gelang eine Durchbrechung der" Bestimmungen über die Sonntagsruhe zu Gunsten der am Sabbath geschloffen haltenden Geschäfte durchzusetzen, kommt heute aus Posendie erfreuliche Kunde, daß die dortige Ortsgruppe des „Verbandes der Sabbathfreunde" auf Grund des ihr von der „Freien Vereinigung für die Interessen des orth. Judentums" gelieferten Materiales den gleichen Erfolg erzielt hat. Während wir die Einzelheiten der geführten Verhandlungen an anderer Stelle . wiedergeben, möchten wir hier darauf Hinweisen, daß die Vergünstigungen des Posener Ortsstatuts nach zwei Richtungen bedeutsam erscheinen. Zunächst können unsere Gesinnungsgenosseuwenn sie künftig in anderen Städten um Ausnahmebestimmungen einkommen, nicht mehr mit dem Einwurf abgefertigt werden: „Ja, was in - München, unter den. besonderen dortigen Verhältnissen möglich war, ist hier nicht angängig!" Diese Antwort ist hinfällig, denn es dürfte im ganzen deutschen Reiche kaum zwei Städte geben, die in allem und jedem so grundverschieden sind wie die bayrische Hauptstadt und die Metropole im fernen Osten. Ferner muß darauf hingewiesen werden, daß in Posen nicht wie in-München, ein völliges- Verbok der Sonntagsarbeit in Frage, stand. Es bleibt vielmehr allen Engrosgeschäften eine Arbeitszeitvon anderthalb Stunden gestattet. Wenn dennoch für die am Sabbath geschloffen haltenden Geschäfte eine weitgehende Ausnahmebestimmung geschaffen wurde, so wird der Hinweis. auf-Posen in den Städten, die, wie vielfach geplant, die völlige Sonntagsruhe einführen wollennur um so wirksamer sein. . . französische unö öeutsche Reformer.. Das - in Paris .erscheinende Blatt „Nnivers Jsraelite" beschäftigt sich in seiner letzten Nummer mit einem Artikel der „Brüllschen Monatsblätter", dessen Verfasser seine lebhafte Freude über die von den .französischen Rabbinern vorgenommene „Re-, form" der jüdischen Ehegesetzen ausspricht und die Versammlung der Kollegen jenseits der Vogesen