Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1907-08-15 · Heft 33 (15.8.1907) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 33 (15.8.1907)
Date
1907-08-15
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2449244-2449278--63720-2506280
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite IS.VN0. 38. iS. «Ugüst 190V laffen. — Und aus was ich Dich noch aufmerksam machen wollte. Spare weder Kosten noch Mühe uw—ein exquisit feines Nachtessen heute Abend auf den Tisch zu bringen." „Du hast recht, das ist notwendig. Dann ist es aber auch notwendig, daß ich mit der Köchin sofort Rücksprache nehme. Dürfte ich Dich bitten, an den Schellenknopf zu drücken?" Er entsprach ihrer Aufforderung, dann aber verließ er mit freundlichem Gruß das Zimmer. * * * Frau Gotthold hatte sich in der Tat bemüht, dein Wunsche ihres Gatten nach jeder Richtung hin zu entsprechen. Zwar sah es immer elegant und freundlich bei ihr aus, heute hatte sie jedoch, nach der Behauptung ihres Mannes, sich selbst übertroffen. Auch ihre Toilette war ebenso geschmackvoll wie einfach und kleidete die noch immer schöne Frau überraschend gut. Dabei hatte vermutlich die Erregung, in der sie sich befand, ihre sonst mehr bleichen Wangen mit zartem Rot überzogen und obschon bereits in der zweiten Hälfte der Vierzig, hätte man sie heute am Anfang der Dreißig halten können. In dem kleinen Salon, wo sie das Brautpaar empfangen wollten, loderte im Kamin ein helles Feuer, die Behaglichkeit des mit Wem Blumenduft erfüllten Raumes noch vermehrend. Gotthold lehnte in einem Sessel, eine Zetung in der Hand, während seine Frau in ungeduldiger Erwartung im Zimmer hin und her trippelte, hier einen Sessel, dort irgend eine Nippsache oder eine Blumenvase zurecht schob, oder mit ihrem Batisttuche ein Stäubchen von einer der prächtigen Blattpflanzen entfernte. .„Sie dürften schon da sein," meinte sie. „Sie werden gewiß sehr bald kommen," beruhigte er. .. „Horch! Hält da nicht ein Wagen?" „Gewiß, das werden sie sein," sagte er sich rasch erhebend. Sie wollte hinaus, ihnen entgegen eilen, er hielt sie zurück. „Bleibe, Kind, bleibe. Da der Alte die Sache noch geheim halten will, ist es besser, sie hier zu erwarten, als draußen in Gegenwart der Dienstleute ihr zuerst zu begegnen." Lauschend standen beide mitten im Zimmer. Jetzt ertönte die Glocke, gleich darauf ward die Tür der Etage geöffnet, sie vernahmen die Stimme ihres Sohnes und gleich darauf eine helle, scharfe, jedoch nicht unmelodische Mädchenstimme und ein helles, metallenes Lachen. „Das sind sie," flüsterte sie, die Hand auf das Herz drückend, das ihr Plötzlich bis fjodj hinauf gegen den Hals zu schlagen schien. — Ein leichtes Klopfen gegen die Tür, die gleichzeitig geöffnet ward, das Brautpaar trat in das Zimmer. Mit einem Freudenlaut eilte das junge Mädchen auf die ihr entgegentretenden Eltern ihres Verlobten zu. „Mama! Papa! bitte, bitte, nehmt mich auf. als eure Tochter und habt euer Töchterchen ein wenig lieb." „Sei uns willkommen, liebes Kind," sagte der Vater, ihre Hand ergreifend und herzuch drückend, „sei uns von ganzem Herzen willkommen." Die Mutter aber zog sie in ihre Arme und küßte sie. ,Mein liebes, liebes Töchterchen!" „Liebes Mamachen! Du glaubst es gar nicht, wie glücklich ich mich^fühle, daß ich nun auch eine Mama habe. Ich habe nämlich meine Mama nie gekannt, darum bin ich auch vielleicht solch wilde Hummel geworden. Aber das wird jetzt alles anders werden, mein geliebter Theo hat mir schon so viel Schönes und Liebes von Dir erzählt, er hat gemeint, Du würdest die Güte haben, mir allerhand zu sagen,, mich allerhand zu lehren, wodurch ich viel gesitteter werden würde. Wirst Du es tun, Mamachen? ich werde mir alles merken, was Du mir sagen wirst und werde alles befolgen. Du wirst es sehen." So plauderte sie fort mit unvergleichlicher Naivetät und hatte sehr bald das milde Herz ihrer Schwiegermutter vollständig gewonnen. Theodor, und sein. Pater waren überglücklich, ob- Der Israelis gleich Letzterer sich wiederholt die Frage stellte, ob die anscheinend zur Schau getragene Naivetät des jungen Mädchens Natur oder Kunst sei. Doch gleichviel, seine Frau hegte keinen Zweifel und war darob glücklich, so war denn alles gut. Trau Gotthold glaubte dem jungen Mädchen in mehrfacher Beziehung Unrecht getan zu haben und verdoppelte deshalb ihre Freundlichkeit, jetzt fand sie dasselbe sogar auch schön trotz der roten taare, die den schmalen zierlichen Kopf wie eine rone schmückten. Der blendend weiße Teint, die leicht geröteten Wangen mit dem wunderlieblichen Grübchen, das sich in denselben bildete, so oft sie den schön geformten kleinen Mund zum Lachen verzog, und zudem die dunkel glühenden Augen, die wie Kohlen funkelten, verliehen dem feinen Gestchtchen in der Tat einen seltenen Reiz. Man ging zu Tische. Das Menu war in Wirklichkeit auserlesen und jede einzelne Speise geradezu ausgezeichnet und Malwine aß von jedem und lobte jedes mit ganz besonderem Verständnis. „Und siehst Du, liebes Kind," sagte Gotthold, „alle diese Speisen, die Dir so trefflich munden, find in streng ritueller Weise hergestellt. Du brauchst Dich daher nicht zu fürchten, die frommen jüdischen Köchinnen verstehen ihre Sache auch." „Das weiß ich, Papachen, daran habe ich überhaupt nie gezweifelt. Du darfft nicht glauben, daß mir das echtjüdische Leben so vollkommen fremd ist, wenn auch mein Papa nichts davon wissen will, aber meine selige Großmama, die Mutter meiner seligen Mama, die ist sehr, sehr fromm gewesen und von meinem sechsten bis zu meinem zwölften Jahre habe ich sie alljährlich auf mehrere Wochen besucht. Daher ist mir die jüdische Religion gar nicht so ftemd, wie Ihr vielleicht glaubt". „Gott segne Dich, mein liebes Kind," sagte Gotthold, dem lieblichen Mädchen die Wangen streichelnd, „aber ich habe immer geglaubt, daß Dein Vater am Versöhnungstag auch gefastet hätte." „Nun ja fteilich, so ist der Papa nicht, daß er am Bersöhnungstag nicht gefastet hätte, öffentliches Aergernis .gibt er nicht. Früh am Bersöhnungstag trinkt er immer nur eine Taffe leeren Kaffee, dann geht er in die Synagoge und Mittags kommt er zum Effen nie nach Hause, sondern geht in die Bahnhof-Restauration und diniert dort und dann geht er wieder in die Synagoge und faslet weiter bis zum Abend nach dem Blasen." Die Eltern lächelten, Theodor lachte laut auf und schlang den Arm um seine Braut. „Du bist ein süßes Plappermäulchen, erzähle uns doch noch mehr von der Frömmigkeit Deines Vaters." „Geh', Du heilloser Spötter!" zürnte Malwine, sich seinen Armen entwindend, „ich bin nicht so dumm wie Du glaubst und ich weiß sehr wohl, daß mein Papa nicht fromm ist, wenn er auch, um kein öffentliches Aergernis zu geben, am Bersöhnungstag fastet. Aber auf meine selige Großmama lasse ich nichts kommen, die war echt fromm, das weiß ich ganz gewiß, Du Böser!" „Aber ist mein Junge denn in Wirklichkeit gar so schlimm?" ftagte der Vater. „Sehr, sehr schlimm ist er, über alle Maßen schlimm," beteuerte Malwine, mit ihrem bezaubernden Lächeln zu dem Angeklagten hinüber blickend, „denkt Euch nur, was er mir heute schon zugemutet hat." „Was denn Töchterchen, was? — teile, uns alle seine Schlechtigkeiten mit, vielleicht» können wir, Du und ich zusammen, ihm noch seine Ungezogenheiten abgewöhnen. — Um wirkliche Schlechtigkeiten wird es sich ja doch hoffentlich nicht handeln." „O'est seloii, das kommt darauf an." „Schon einmal heraus mit Deinen Verleumdungen!" ries Theodor, scherzhaft zürnend, „ich bin mir keiner Schuld bewußt, ich habe ein reines Gewissen." „Seht den Kecken! wie er den Unschuldigen spielt, und hat mir heute doch zugemutet, ich sollte die Hochzeitsreise allein machen." „Das ist in Wirklichkeit ein Kapitalverbrechen," sagte Frau Gotthold lächend „und ich begreife Dich nicht, Theodor, woher Du den Mut dazu genommen hast." „Aber Mamachen, liebe Mama, mein Verbrechen besteht doch eben nur in Mangel an Mut. Mir fehlt nämlich der Mut, wie meine liebe Frau in spe es möchte, in einem Bergnügungsdampfer die Welt zu umschiffen." — „Aber Du hättest gar nichts dagegen, wenn Deine liebe Frau in spe die Deiner Ansicht nach gefahrvolle Reise allein unternehmen würde," grollte Malwine, „Du hast gesagt: ich tu' nicht mit, das heißt doch: geh' allein." (Fortsetzung folgt.) Für de» Neklameteil ist die Stedaktio« «icht verantwörtlich; insbesondere ist es ansschlietzlich Sache bet Leser, die im Neklameteil enthaltene« Empfehlungen ritneller Ware» oder sonstige Angabe« rettgionSgesechliche« Charakters a«f ihre Zuverlässigkeit &u prüfen* Kaiser Friedrich Quelle 6346) - Offenbach a. K. -- „Gegen Gicht u. Rheumatismus hewfthrt.“ ^Künstliche u. natürliche Mineralwassers Aepfelwei» -- Flaschenbier (6777) liefert frei inS HauS H, IHlssenbaum, Frankfurt a. M., Ostendstr. -Telephon 5441. —-----— 75. J Botf Hondmrs o.tf.B. Hotel und Restaurant Marx. Einziges Hotei and Restaurant am Platze, welches unter Aufsicht des ständigen rrwo (Aufseher) des Herrn L. Aronsohn, Frankfurt a. M. steht Table d’höte 2.50 an separaten Tischen. — Diner ä patt. » Reine Weine. ■ .. . Besitzer: Wilhelm Marx, Elisabotbenstrasse Nr. 50 vis—ä—vis dem Kurgarten. Telephon Hr. 314. Pension lm Hanse. Telephon Mr. 314. ■ ■ | Landeshilter | Leinen- und Gebild-Weberei F. V. Qrünfeld König!., Grossherzogi. u. FürstlicherHoflieferant Berlin W., UidpRlnM 20-2. Grösste Aas«a|l aller Wäscheartikel für dea Haiskedarf. IMm gai/er üisstattiiKi. Preisliste mit Abbildungen sowie KostenansshlSge zu Diensten. Gsos) Ach, Herr Hanfe», wie gern, wenn ich mich nnr nicht immer ans dem Wasser erkältete! Ich komme von solchen Partiten nie heim, ohne wenigstens eine Heiserkeit davongetragen zu haben und oft iffs noch Schlimmeres. — Ei, da kann ich helfen! Hier bedienen Sie sich: Fays ächte Sod.ner Mineral-Pastillen laffen gar keine Erkältung aufkommen und Sie sollen sehen, die Partie bekommt Ihnen vortrefflich, wenn Sie ein paar Pastillen langsam im Mund zergehen laffen. £oys ächte Lodener sollten Sie sich auch halten — ich Hab fie immer in der Tasche. Man kauft fie für 85 Pfg. per Schachtel in jeder Apotheke, Drogen- oder Mmeralwafferhavdlung.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.