Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 32 (8.8.1907)
- Date
- 1907-08-08
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449244-2449277--63704-2506263- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Gelte 14. Der Israelit. Rr. 32. 8. August 1907. . w: „Was ich Dir wünsche, mein Junge, das weißt Du" „Das weiß ich, Papa. Und — Mamachen? } Du wünschest mir gar nichts?" Sie rang vergebens nach Worten, der Hals war ihr wie zugeschnürt, sie brachte keinen Laut " hervor. Sie reichte ihm die Hand und blickte mit tränenumflorten Augen zu ihnr auf. Er umarmte sie und küßte sie auf Mund und Augen. „Liebes, liebes Mamachen, wenn Du Dir nur keine Sorgen machen würdest. Du wirst sehen, es wird schon alles gut werden, Dein Baby wird ein glücklicher Ehemann werden und ein ehrsamer Familienvater." Der Vater schlug ihm lachend auf die Schulter. „Mit Gottes Hilfe wird es so werden, wie ' Du sagst." Auch um die noch immer bleichen Lippen der ^Kutter zitterte ein Lächeln. „Also Du bist wirklich verlobt?" flüsterte sie. „Wirklich, Mamachen, Du kannst es mir glauben. Meine Braut wollte eigentlich mit- " kommen, um sich Euch als Tochter vorzustellen, aber ihr Vater wollte es am Tage nicht zugeben, weil unsere Verlobung vor Ende nächster Woche nicht veröffentlicht werden soll. Da beabsichtigt er ein großartiges Fest zu geben und unter Trompeten- und Paukenschall das große Ereignis der Welt zu verkünden. Doch heute Abend kommt Malwine, das hat sie schon zu ihrem Vater gesagt, das läßt sie sich nicht nehmen." „Sie wird uns von Herzen willkommen sein,"? sagte Gotthold. „Dir auch, liebe Mama," sagte Theodor bittend, „Du wirst sehen, Malwine verdient es, ^daß man sie lieb hat, sie ist herzensgut und —" „So hast Du bisher nicht von ihr gesprochen," - fiel die Mutter schwer aufatmend ein. Eine leichte Röte überzog das intelligente Antlitz des jungen Mannes. „Wenn ich anders von ihr gesprochen habe, so ist das ein Fehler von mir gewesen, aber keiner von ihr — und meinen Fehler wirst Du sie doch nicht entgelten lassen? — Nun Mamachen, noch immer keinen Glückwunsch?" „Du zweifelst doch nicht, daß ich Dir Glück wünsche?" . „Gewiß nicht, und so sehr es mich schmerzt, daß Du mit meiner Wahl nicht ganz einverstanden zu sein scheinst, so erkenne ich in Deiner mangelnden Zufriedenheit doch nur die Folge Deiner unendlichen Mutterliebe. Aber Du solltest bedenken, Mamachen, d-ie Menschen sind verschieden, was dem Einen als Glück erscheint, betrachtet der Andere als Unglück." „Freilich, freilich sind die Menschen verschieden," stimmte Gotthold zu,^ „und nicht nur die Menschen, sondern auch der Mensch ist zu schiedenen Zeiten ein anderer, ist in der Jugend anders als im Alter, und darum wäre es unvernünftig von den Alten — sagen wir von den Eltern — wenn sie verlangen würden, die, müsse denselben Maßstab gebrauchen wie sie." Seine Frau wiegte bedächtig den Kopf. „Wenn es sich um Nebensächliches handelt, z. B. um Toiletten, Vergnügungen und dergleichen, da hast Du Recht, da wäre es ein Unsinn, zu verlangen, daß die Kinder denselben Maßstab gebrauchen wie die Eltern. Wenn es sich aber um die höchsten Güter der Menschheit handelt, um Sittlichkeit, Moral und Religion, da gibt es überhaupt nur einen Maßstab." Jetzt war es Theodor, der den Kopf wiegte. „Da gäbe es überhaupt nur einen Maßstab? — Friedrich der Große war doch bekanntlich kein Narr und sein Charakter ist von keiner Seite angetastet worden, dennoch hat er erklärt, daß in seinem Lande jeder nach eigener Facon selig werden könnte." „Das war von seinem Standpunkt als Herrscher über Untertanen verschiedener Konfessionen gewiß das Weiseste, das einzig Richtige, von Eltern gegenüber ihren Kindern wäre es jedoch das denkbar Gewissenloseste." ' „Da stimme ich der Mama bei," fiel Gotthold lebhaft ein, „und wenn mir Deine Verbindung mit Malwine Schröder im übrigen auch in jeder Beziehung sympathisch ist, so doch nur unter der Bedingung, daß Ihr ein echt jüdisches Haus gründet." „Aber das ist doch selbstverständlich, wir sind Juden, wie sollten wir nicht ein echt jüdisches Haus gründen?" „Ich habe gesagt, ein echt jüdisches Haus und verstehe darunter, daß auch Euer Haushalt rituell geführt werde." „Auch das will ich gern versprechen, ich weiß ja, wie- Ihr darüber denkt und so bin ich es doch von Kindheit an gewöhnt." „Entschuldige, liebes Kind, wie Du es gewöhnt bist, darauf kommt wenig an. Hauptfrage ist, wie es Deine Frau gewöhnt ist. Wird der Haushalt des alten Schröder rituell geführt?" „Ich glaube nicht, Mama. Uebrigens darauf kommt es auch nicht an, in unfern Verhältnissen! Glaubst Du denn, daß Malwine sich je um den Haushalt gekümmert hätte oder sich um denselben kümmern würde? Ich weiß gewiß, sie wird alles tun, was ich will, und wenn ich sie ersuchen werde, eine jüdische Haushälterin zu engagieren, so wird sie das auch tun, und wir werden einen sogen, koscheren Haushalt haben." „Das ist auch noch nicht sicher, es gibt gewiß auch jüdische Haushälterinnen, die den Haushalt unjüdisch führen." „Wirklich? Das hätte ich nicht geglaubt. Da wäre es vielleicht das beste, wenn Du, liebe Mama, die Güte haben würdest, eine streng fromme Haushälterin für uns zu engagieren, dann wäret Ihr doch sicher, daß nichts Unerlaubtes auf unfern Hisch kommen würde." „Ihr haltet schon weit", sagte Gotthold lachend, „noch ist die Verlobung nicht veröffentlicht und Ihr sprecht schon davon, eine Haushälterin zu engagieren". „O, Malwine und ich haben auch schon über die Hochzeitsreise gesprochen, die möchte sie nämlich um die Welt machen und zwar im eigenen Dampfer, den ihr Papa uns zur Hochzeit schenken müßte." „Nun, was hast Du gesagt? — und der alte Schröder?" „Der Alte hat gesagt, er wolle uns zur Hochzeit einen kleinen Vergnügungsdampfer schenken, ich habe aber erklärt, in einem kleinen Vergnügungsdampfer eine Reise um die Welt, da täte ich nicht mit, da müßte sie die Hochzeitsreise allein machen." Die Eltern lachten. „Hat sie das nicht übel genommen?" „Ach nein. Das ist ja das Gute bei ihr, sie hat doch zuweilen extravagante Ideen, aber sie läßt sich so leicht davon abbrittgen, wenigstens von mir." „Hast Du den Brief von Albert gelesen, Theodor?" fragte sein Vater. „Ihr habt heute einen Brief von ihm? — nein, den habe ich nicht gelesen. Aber ich hatte gestern ein Schreiben von ihm. Ich habe ihn nämlich gefragt, weil er doch der ältere ist, ob es ihm nicht unangenehm sein würde, wenn ich früher als er heiraten würde. Darauf hat er mir geschrieben, ich möchte keine Rücksicht auf ihn nehmen, ich möchte heiraten, sobald mein terz mich dazu treibt, und er beabsichtige meinem eispiel sehr bald zu folgen, es wären nur zuvor noch einige Hindernisse zu beseitigen." „Das hat er geschrieben?" fragte Frau Gotthold staunend, „merkwürdig, uns gegenüber hat er nichts derartiges erwähnt. Wir haben uns trotzdem mit seinem Briefe sehr gefreut, es spricht eine gewisse innere Befrieoiaung aus seinen Zeilen, die wir ehedem in seinen Briefen oft vermißt haben." (Fortsetzung folgt.) FOr den Inseratenteil ist die Redaktion nickt verantwortlich; insbesondere Ist es ansschllessUchSache der Leser, die Im Inseratenteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben reilglonsgesetzlichen Charakters auf Ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. ile beste und billigte Bezugsquelle t'.. i etc., für Calesim. Cefilün etc., Barmlmo- und Oelegenheits-Geschenke ist Sie hebräische BuchhanSiuns von fl. I tlöfmann, Sranhfurf a. m. RUerheiirgensfr. 87 (neben CafSBoISschmiSf) Tel. 13686 ■ Sür mieOeroerhSufer höchster Rabatt. Klliicfcfirizoroi Porauches, Thoramäntel etc. iluil2>lblluicrt:l in eolfl. Silber unö SelSe. (7i% £ Rechne«. Kalligraphie. | Schüler 2, welcher zum Eintritt in eine höhere Schule oder för bürgerl. E Beruf vorbereitet werdm sollen, finden liebevolle^ Auf« ‘ » sorgfältige körperliche und geistige Wege hei (8668 Lj Lehrer Hammelbnrger, Haßfurt. *S>iÜ**«®*& sn, Krsirruommirrte« Ki»abe«pe«si»<rat, ü& v üreng rituell,^^rüna Verpflegung, ^erste Referenzen, gewissenhafte &t. Vorzügliche Schulen am der, II. r " •* - .MW 5 Israelitische Realschule E (mit Handelsabtellongr) (8616 ln Fürth, in Bayern. Das neue Schuljahr an unserer mi'itärberechtigten Realschule und der zugehörigen Vorschule beginnt am 11. Septbr. Die Reifezeugnisse der Anstalt berechtigen zum Uebertritt in die Oberrealschule. Jahresberichte und nähere Auskunft durch den Direktor Br. A. Fellchenfeld. Im Erscheine» befindet sich: Sechste, gänzlich neubearbeitete und vermehrte Auflage. |Überl48,000Artikel und Verweisungen, 11,000 Abbildungen, 1400 Tafeln. so Bände in BaJbJeder gebunden an je jo Mark. \ Prospekte und Probehefte liefert jede Buchhandlung.. 'taf WunsUHM Jwfllirt» f» Utpzlg. .iMir ■HEO Bad Harzburg, Pension Parlhaus unter Ravviuats-Slufficht vornehmes Etabliflement I. Ranges. SO Salons. Prosp. gratis. (8098) Haue Hecht. Wehrbaerweg 2, 5 Minuten vom Hauptbahuhof Telefon ISS. Empfehle mein neu eröffneteS Restaurant, gute rituelle Küche — aufmerksame Bedienung — mäßige Preise — neu hergerichtete Säle für Üocbaeiten und Gesellschaften. Unter Aufficht Sr. Ehrwürden Herrn Provinzialrabbiner Dr. Munk. 8692 Auch kann daselbst sofort ein Kochlehrmädche« eintreten. Marburg a. d. Lahn Baden- "TOD Baden Central-Hott mit «tffeat Äomfnt*. feinstes mn Plutze. Gurteu uud Terruffe. OtftueBr Küche. Ph.uehiiek-