Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 32 (8.8.1907)
- Date
- 1907-08-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ba Cutralerganfärdas irflMia Jiferiu i lt|rMcf m tr'Ltknii h üb» i 48. Jahrgang. Sranhfurt a. M , Sen 8. flugufl 1907. 28. Nw 5667. M **. _ kerscheint Jeher Donnerstag, «ronnements r Gewöhnliche Ausgabe Mi. ILO vierteljährlich, HestauSgabe auf Kunstdruckpapier Mk. 3.— vierteljährlich. (AnSlaudStzreste fstr dir . gewöhnliche Ausgabe: Oesterreich 8 Lr.» RuUand 1 «ad., England s ah., Amerika M ets., Niederlande 1L0 S.) Abonnements bei allen Postanstalten, Buchhandlungen. sowie düM bei der M^ediÜaa, cheftauSgade «urHjWÜt. Zdtfevater 38 Pfennige fstr die iechSgcspaltrne Lolouel-Zeile; Rabatt nach Tarif. Jnseratenannahme m« durch Haasenstein u. Bv-ler L.-G. in L»»^beive^K^VostfPa^e^«iv^No^7V«0S^^^Eo»üd-« K. P-stfvm^ste»«ut»^d«»eB Die jüdische starregttage. Die Entscheidung der Frage, inwieweit der jüdische Statnm im Laus der Jahrtausende fremde Bölkerteile in sich ausgenommen hat, inwieweit die Juden eine reine Raffe darstellen, hat aus den Bestand der jüdischen Nationalaufaabe selbstverständlich Keinerlei Einfluß. Diese Aufgabe, das Thoragesetz, kennt als Voraussetzung ihrer verpflichtenden Kraft sür einen Menschen, nur die Tatsache, daß er von jüdischer Mutter geboren oder nach Maßgabe eben des Gesetzes in die Mische Volksgemeinschaft ausgenommen sei. Wie daher auch die Resultate der modernen Raffenforschung, die die Juden wegen ihrer zahllosen Wanderungen und ihrer beispiellos wechselvollen Geschichte mit Vorliebe zum Objekte wählt, ausfallen mögen, das Judentum wird dadurch nicht berührt. Dessenungeachtet ist die Raffensraae für die Judenheit durchaus nichts Gleichgültiges. Das in den Massen der jüdischen Nation lebendige Bewußsein, daß die Väter einst am Sinai gestanden, gehört zujenen Imponderabilien, die im Leben der Völker immer ihren Wert, und ihre Wirkung äußern. Im Dasein der jüdischen Volksseele ist dieses Bewußtsein ein wichtiger Teil der das Gefühlsleben mit den geistigen und sittlichen Traditionell verknüpfenden Kräfte. Die Bedeutung dieses Faktors erkennen wir aus der Heftigkeit, mit der.-Gchunser GesühlsLMnstr'Lubt gegen -die Zumutung, daß die Integrität des jüdischen Bolkskörpers durch wesentliche Raffenmischung Eintrag gelitten habe. Von Vertretern der modernen Raffenforschung ist die Behauptung wiederholt aufgestellt worden. Wenn man sich aber nach der Begründung derselben umsieht, so wird man nicht geneigt sein, dieser Theorie sonderlichen Respekt entgegenzubringen. Die Hypothesen, mit denen hier gearbeitet wird, erinnern an die lustigen Systembauten der extremen Bibelkritik. Ja sie übertreffen diese oft noch an' Abenteuerlichkeit, was sich daraus erklärt.. daß die Bibelkritik doch immerhin in engerer Fühlung mit einem Gegebenen, dem Text der Bibel, zu bleiben hat, während den Raffentheorettkern mangels einer solchen Notwendigkeit fast völlige Freiheit der Phantasie gelassen ist. Im „Archiv für Raffenpsychologie", das von hervorragendest Naturforschern und Anthropologen herausgegeben wird, veröffentlichte vor kurzem Dr. Elias Auerbach einen Aufsatz „Die jüdische Raffenfrage", in dem er besonders den die Juden zur Mischraffe stempelnden Schriften von Alsberg und -Luschan über den gleichen Gegenstand entgegentritt. Abgesehen von EinzÄheiten, dio jedoch für das Gesamtergebnis nicht von wesentlicher Bedeutung sind, kann diese Arbeit als eine sehr beachtenswerte bezeichnet werden. Der Verfasser betrachtet zunächst die neueste Entwicklung der Verhältnisse und macht in Bezug auf die in den letzten Jahrzehnten zu konstatierende hohe Zahl von Mischehen die tteffende Bemerkung, daß diese keine Raffenmischung innerhalb der Judenheit bewirken konnten, weil die Abkömmlinge dieser Ehen das fremde Blut nicht weiter unter das jüdische Volk gebracht haben. Für das Mittelalter seine These zu beweisen, wird Auerbach natürlich nicht schwer. Auch der Uebertritt der Chazaren zum Judentum ändert daran nichts, weil keine größeren Judenmaffen mit ihnen Fühlung hatten und alles, was von den Chazaren nach der Zerstörung ihres Reiches durch das ruffische Fürstentum zu Kiew sich erhielt, dem Karäertum zufiel. Der Hauptteil von Auerbachs Arbeit ist der Frage der Raffenmischungen unter den Juden während der Zeiten ihres Aufenthalts in Palästina gewidmet. Im Mittelpunkt dieser Frage steht die Theorie, die den späteren jüdischen Typus auf die Einwirkung von Hethiter- und Amoriterblut zurückgeführt. Die Mehrheit der heutigen Juden, so argumentiert diese Theorie, ist kurzkytzfig, die Ursemiten waren lanaköpfig. Das weist auf den ebenfalls kurzköpfigen hethittschen Volksstamm zurück. Die Blondhaarigkett und Blauäugigkett, die wir bei einem Teil der Juden wahrnehmen, rühren von den Amoritern her. Wir können hier auf die Einzelheiten der Auerbach', chen Darstellung nüht eingehen und müffen es dem Leser überlaffen, diese Schrift selbst zur Hand zu nehmen. Er weist nach, daß jene Ansicht von der Langköpfigkeit der Ursemiten als eine durch nichts gestützte, ja sogar unmögliche Hypothese bewertet werden muß, und zeigt, wie widerspruchsvoll die ganze Theorie in sich selbst ist und wie oft sie mit den geschichtlichen und naturwissenschaftlichen Tatsachen zusammenstößt. Die Juden, so schließt er. sind nicht, wie behauptet worden ist, die Mischraffe kat exochen, sondern eine wahrhafte Jnzuchtraffe. Er erinnert an Gobineau's Wort: „Ich sage, daß ein Volk niemals sterben würde, wenn es ewig aus denselben nationalen Bestandteilen zusammengesetzt bliebe." Dieses Wort Gobineau's enthält eine Wahrheit, die die jüdische Religion in das Gewand des Gesetzes gekleidet und für das Volksleben nutzbar gemacht hat. Allerdings war dem jüdischen Gesetz Die Erhaltung der Nation als solche für alle Zeiten nicht Selbstzweck, seine Absicht war, den ewigen Wahrheiten und Sitterilehren für immer den von Abraham entsprossenen, mit abrahamittschem Gemüt begabten Träger zu sichern. NM diese Absicht aber zu verwtMchen, war nicht nur die Fernhaltung ftemder Elemente, sondern auch die Verpflichtung auf die vielgestalttgen, das ganze Leben ms ins Einzelne regelnden Satzungen der Thora notwendig. Und wenn der jüdische Bolkscharakter, wie ihn die Väter uns vererbt, bei allen Teilen der Nation sür die Zukunft in seiner Reinheit bewahrt bleiben soll, so kanns nur geschehen wie bei den Vätern durch das Gesetz. Kochammöscha«. VIe Belegung in Bauern. Die Orthodoxen in Bayern find auf dem Marsch. Nun die Münchener Gemeindeverwaltung durch die Nichtachtung der elementarsten Rechte den Konflikt heraufbeschworen hat, find sie entschlossen, die Konsequenzen zu ziehen und ihren Rechten fürder eine unantastbare Grundlage zu sichern. Und wir hoffen, daß die Billigkeit ihrer Forderungen ihnen den Erfolg bringen wird. In jüdischen wie in nichtjüdischen Blättern wird die Sachlage eingehend erörtett. Bon den Aeußerungen der ersteren ist beachtenswett ein Artikel der Berliner „Jüd. Presse", der der trage eines bayrischen Austrittsgefetzes folgende emerkungen widmet:' „Es ist vorauszusehen, daß man gegen die etwaige „Trennung" die gleiche« Argumente in's Treffen führen wird, die vor dreißig Jahren bei uns zu Lande so Lebhaft geltend gemacht wurden. Darum dürste es angebracht sein, aus der meisterhaften Rede, mit iwlcher Eduard Laster s. A. am 22. Mai 1876 nn Mgeordnetenhaufe sich für uneingeschränkte Gewissensfreiheit eingesetzt hat, die nachstehenden Sähe wiederzugeben, welche auch für die Münchener Bargange manch beherzigenswerte Lehre vredigen: „Sie werden mir zugeben, daß ich niemals einem Gesetze zustimmen würde, welches in der Tat den Bestand der jüdischen Religionsgemeinschaft gefährden könnte. Sie wissen, daß ich nicht allein äußerlich dieser Gemeinschaft angehöre, sondern dai' ich in ihrem Kern den idealsten. Älusdruek finde, der nach dem Zeugnis aller Geschichte jum ersten Mal der Menschheit in Form eines religiösen Bekenntnisses verkündet worden ist. Ich glaube, daß der wesentliche Inhalt des Judentums im Bekenntnis zu dem einzigen Gott liegt, und daß die Macht dieser lebendigen Neberzeugung der Gemeinschaft, die zuerst in de» Weltgeschichte mit dieser erhabenen religiösen Idee eingetreten ist, so lange Dauer geben wird, als Üverhanpt dteligiönsgemeinschaften existieren. Zu diesem Ausspruch berechtigt mich eine vieltausendjährige Ge-