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Der Israelit · 1907-08-01 · Heft 31 (1.8.1907) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 31 (1.8.1907)
Date
1907-08-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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verschlimmerte feine eigene Lage, wenn tgev er ihn schonte- und Hans sagte sich selbst, daß der *r Kamerad nicht die geringste Ursache hatte, ihn zu schönen. Immer schon hatten die beiden sich nicht leiden mögen, ihre Feindschaft datterte von dem Tage an, da Moses in das Gymnasium eintrat und Hans ihn anstatt, wie üblich, mit dem Familiennamen, mit dem Rufnamen anredete, den er sehr merkwürdig aussprach. Hans hatte nicht im Entferntesten an eine Rivalenschaft mit diesem Jungen gedacht, der, obgleich nur ein knappes Jahr jünger, bedeutend schmäler und kleiner wie er war. Und dann Plötzlich die unliebsame Ueberraschung, daß Moses ihm in jeder Beziehung gleichkam. Ihre Kriegskämpfe endeten mit wechselndem Erfolg, wenn sie nicht unentschieden blieben, und was die'Leistungen des „Neuen" in oen Schulstunden anbetraf, so konnte man nicht wissen, wie bald er ihn überflügelt haben würde. Hans arbeitete dieses Quartal so fleißig, wie noch nie, er wollte Moses nicht weichen - gerade an ihn, den jüngeren, den jüdischen Kameraden wollte er den ersten Platz nicht verlieren. Wie peinlich, seinen Eltern sagen zu müssen, daß er „Zweiter" und ein Moses Stern an seiner Stelle Primus geworden sei! Bei seinen Kameraden war Moses beliebt, er war gutmütig und gefällig, war kein Stteber oder Duckmäuser und wußte seine Rechte zu wahren, ohne dabei ein Kampfhahn zu sein! Sein Hauptfehler, seine Heftigkeit, ttat so selten zu Tage, daß sie ihm kaum in den Augen der Kameraden schadete. Moses' Beliebtheit faßte Hans, der bis dahin die erste Geige gespielt hatte, als persönliche Kränkung auf. Bis heute hatten die Kameraden einen Zusammenstoß der Rivalen vermieden, doch heute war es zu einem Streit gekommen, der unangenehm geendet hatte. Der Pedell besaß ein junges Kätzchen und heute nach der Schule war Hans auf den Gedanken gekommen, sich ein wenig auf Kosten des Tierchens zu unterhalten. Allerlei Keine Kunststücke oder besser gesagt, Quälereien, nahm er mit ihm vorsoeben legte er ihm eine Kette um dey Hals, das arme Tierchen miaute kläglich und HanS lachte herzlich über seine veitzweifelten Anstreng ngungen von der Kette loszukommen, sichgarnicht seiner Härte bewußt. Da erschien Moses. „Laß doch das Tierchen los," bat er. „Es ist doch so drollig!" „Du tust ihm aber weh!" „Kümmere Dich um Deine Angelegenheiten. Was geht's Dich an?" „Natürlich kümmere ich mich darum, wenn man ein Tier quält!" Moses hatte rasch und in rauhem Tone gesprochen, Hans merkte, wie Moses zornig zu werden drohte, sich aber bemühte, dieser Hefttgkeit Herr zu werden, und es machte ihm Spaß den Kameraden zu reizen. „Welchem Tierschutzverein gehörst Du an?" ftagte er spöttisch. „Keinem." „Das wundert mich! Warum nicht! Verbietet es Dir Deine Religion?" Auf diesen groben Ausfall, der von Hans garnicht so böse gemeint war, war Moses nicht gefaßt, doch er bezwang sich noch: „Unsere Religion verbietet keine Tierschutzvereine," sagte er, „aber sie befiehlt, einem gequälten Tier zu helfen, wann und wo man es auch trifft. Laß die Mieze los!" Als aber nur ein spöttischer Blick seiner Bitte antwortete, verlor Moses die Geduld. Hefttg sprang er auf den Kameraden los, warf ihn zur Erde und begann ihn unbarmherzig durchzuprügeln, indes die Katze vergnügt miauend das Weite suchte. Erst der Pedell, der von seinem Fenster aus die Knaben beobachtet, trennte die beiden. „Warte nur, Du Bengel," rief er drohend Moses zu, „das kriegt der Herr Direktor zu hören, was soll das heißen, einen Kameraden, der Dir nichts tut, plötzlich zu überfallen? Mache Dich auf was gefaßt!" „Meinetwegen," antwortete Moses trotzig und ging mit zurückgeworfenem Kopf weg- Hans schlich beschämt hinterher. „Was sollte das werden?" Noch gedrückter, wie er heimgegangen, kam er wieder, zur Schule. Bei gerechter Ueberlegung mußte er sich sagen, daß Moses im Recht, er im Unrecht sei. In stiller Angst blickte er zu des Kameraden leerem Platz hinüber. Welche Strafe würde ihn wohl treffen,' wensi Hergang des Streites erzählte? Der Direktor verstand keinen Spaß, betreffs Unarten, wie Tierquälen und religiöse Sticheleien. Wie lange Moses beim Direktor blieb! Jeden Augenblick glaubte er,- der Pedell würde eintteten, um auch ihn in das „Allerheiligste" zu zitteren. Da öffnete sich die Türe — aber Moses trat ein und setzte sich! Eine Frage wurde gestellt- Moses meldete sich zur Antwort und Hans sich, daß seine Hand solch merkwürdige Streifen trug, als sei sie mit einem Lineal oder einem ähnlichen Gegenstand in unliebsame Berührung gekommen. Als nach der Schule die Knaben sich zum Heimweg anschickten, blieb Moses auf seinem Platze sitzen. „Gehst Du nicht mit?" fragte Hans scheu, nach dem Anfang einer Unterhaltung suchend. „Nein, ich habe Arrest, weil — Du weißt schon warum!" „Und ich?" „Wie meinst Du?" „Hast Du nicht gesagt —" „Na aber — ich klatsche doch nickt!" „Hat er denn gar nicht gefragt?" „Er fragte mich nur, ob es wahr sei/, daß ich die Hauerei angefangen hätte, da sagte ich „ja". Hans antwortete nicht! Der Gedanke uberkam ihn, wie anständig und gütig dieser „Judenjunge" ihm gegenüber gehandelt habe. Erfragte sich, ob er an gleicher Stelle wohl seinen Rivalen geschont hätte und mußte die Frage mit „Nein" beantworten. Er schämte sich, und in dieser Stunde fiel ein Vorurteil von ihm ab, das er bis heute unbegründet gehegt und das gleich einer Fessel seine edleren Triebe, seine natürliche Güte, seine Treue, in Banden gehalten. „O Du, Du —" mehr konnte er nicht sagen. Seit jenem Tage sind beide Freunde. Hans schämt sich noch manchmal heimlich seinekindischen Vorurteils und Moses gedenkt auch jetzt noch, da die Striemen auf den Händen geschwunden, gar nicht ungern jenes ersten Schultages nach den großen Ferien. Für Abu Inseratenteil Ist die Redaktion nicht verantwortlich; insbesondere Ist es anssehüessllchSacheder Laser, dle lm Inseratenteil Gesucht Nach Frankreich. Der 1. Oft für strenareliaiöses Mir meinen jüngeren Bruder, Dr. med. der Pariser mediz. BäuS bei bobE Lob«, ein Fakultät, dz. Arzt nahe bei Paris, 31 Jahre alt, suche ich entsprechend gebildete, häuslich erzogene (8633 Mädchen Lebensgefährtin gut bewandert ». 8««S das in der Küche . ist. Offerten unter' .. an Haasenstetu ft Segler, A.-G., Frankfurt a. M. (8655 Em Mädehfifl geaaeht für einen Haushalt von Mutter u. Sohn. Off. u. W. 8.8096 an Haaseuftetu ft Bögler, A.-G., Frankfurt a. M (8562 Kfiabeitpensionat Bäraianttsclie Realschule Heirat Junger Man» mit gutgeh. alt. Geschäft,' (Restauratton) wünscht Och zu verheiraten. 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