Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 30 (25.7.1907)
- Date
- 1907-07-25
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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*r ->s> Seite 14. Der Israelit. Nr. 30. 25 Juli 1907. überlasten und in einem andern ist kein Raum für mich." „Das gebe ich zu, denn junge Damen beanspruchen, wohl mchr Raum als so ein Junggeselle wie ich, der gar oft in einem schmalen Feldbett in einem engen Zelte übernachten muß. Deswegen sollen Sie bleiben, wo Sie sind, und ich schlüpfe schon irgendwo unter. Bitte aber noch einmal, verübeln Sie mir es nicht, daß ich hier eingedrungen bin. Es geschah aus alter Gewohnheit und in sträfllicher Gedankenlosigkeit." ~ „Sie bleiben also hier, Fräulein Rose, fügte er" hinzu. „Versprechen Sie mir dies, so verspreche tch Ihnen dafür, meiner Mama nichts zu verraten, daß Sie einen Moment daran dachten, sie zu verlaffen, und daß ich Sie in Tränen angetroffen habe." Bei aller Freundlichkeit, womit der junge Mann sprach, glaubte Rose dennoch heraus zu fühlen, daß er sie nur als ein unbedeutendes Landmädchen betrachtete, und besonders waren es . seine letzten, mit unverhohlener Ueberlegenheit gesprochenen Worte, welche sie tief verletzten. -Daß er sie in kindischen Tränen angetroffen, das hatte ihrem Zusammenleben das Gepräge des gezwungenen, unnatürlichen aufgedrückt. Sie konnte sich ihm gegenüber nicht so sehen lasten, wie sie es gewohnt war. Gemeinsam mit dem Vater und Rosa — die Mutter war schon zu ermüdet und sehnte sich nach Ruhe — besichtigte nun Arthur die Gebäude der Weltausstellung und die sonstigen Sehenswürdigkeiten Wiens, und . machte den Führer durch die Museen und sonstigen Kunstsammlungen, an denen Wien wirklich nicht arm ist. Doch so sehr sich Arthur auch bemühte, dem schönen Mädchen ein fteundliches Wort oder auch nur ein zufriedenes Lächeln zu entlocken, so konnte er niemals mehr, als ein kurzes: „D a n k e" erlangen. Und doch hatte Moosröschen schon damals, als er sie in Tränen gebadet in seinem Zimmer fand, einen gewaltigen Eindruck auf sein Herz gemacht, der noch durch die Wahrnehmung gesteigert wurde, daß es seiner Eltern lebhafter Wunsch sei, Rose für immer an ihr Haus zu fesseln, ihr den Rang einer Tochter einzuräumen. Der Gedanke, sich von dem lieblichen Mädchen trennen zu müffen, war den alten Leuten unerträglich geworden. Während Frau Grünfeld ihre von der großen Sonnenhitze und der ungewohnten Anstrengung des Schauens arg mitgenommenen Nerven in ihrem stillen verdunketten Zimmer zu beruhigen suchte, uralte sie es sich schon aus, wie ihr Arthur indeffen Gelegenheit habe die Liebe des ihr so teueren Mädchens zu gewinnen, und täglich harrte sie mit Ungeduld der Heimkehr ihrerLieben in der frohen Erwartung sei indeffen zu einer Aussprache gekommen, und sie werdenun um ihre Einwilligung und ihren mütterlichen Segen gebeten werden. Daß ihrem Sohne das liebttche Mädchen gefiel, des hatte ihr scharfblickendes Mutterauge alsbald herausgefunden. Die Sprödigkeit Roses schrieb sie deren Schüchternheit und Zurückhaltung zu, welche von selber'schwinden werde, wenn Arthur, unterstützt von dem Wunsche seiner Eltern, mit seiner Werbung Ernst machen werde. Seit Arthurs Heimkunft hatte der traute Verkehr zwischen dem alten Doktor und seinem jungen Gaste einigermaßen Einbuße erlitten. Die vertraute Aussprache mit ihrem väterlichen Freunde, welche sie an die Heimat und ihren Verkehr mit dem Vater gemahnte, mußte allgemeinen Gesprächen weichen, und gar oft war es der Ingenieur, der allein die Kosten der Unterhaltung trug. Trotz Roses Bildung hatte sie dennoch nicht genug Verständnis für die zeitgemäßen Fragen und die großstädtischen Verhältnisse, die bei dieser Gelegenheit aufs Tapet kamen. Sie brachte daher dem Gespräche kein genügendes Interesse entgegen, wodurch sie ihren Begleitern noch zurückhaltender erschien, als sie es tatsächlich war. Als die kleine Gesellschaft sich wieder einmal zu einmn Gang in die Ausstellung rüstete, erhielt Arthur den Besuch eines Jugendfreundes und mußte daher zu Hause bleiben. Rose fuhr mit dem Doktor allein aus. Ein. Teil ihrer sonstigen Fröhlichkeit war über sie gekommen, aber ganz so heiter und unbefangen, wie sie es vor ihrem Besuche bei Else gewesen, war sie denn doch nicht. Die ihm schon vorher aufgefallene Veränderung in Röschens Stimmung veranlaßte ihn zu der Frage darnach, eine Frage, die ihm schon längst auf den Lippen geschwebt, die er aber in Arthurs Gegenwart nicht Vorbringen wollte. „Was ists mit Dir, Moosrösel, Du bist ja wie ausgewechselt, lachst nicht wie sonst, läßt Dein Köpfchen hängen. Wie, gefällt es Dir nicht mehr bei uns?" „O ja, Onkel, warum denn nicht?" „Das frage ich mich auch oftmals. Warum soll es Dir bei uns nicht gefallen? Wir alle haben Dich lieb, bemühen uns Dich zu erheitern, Dir den Aufenthalt in Wien so angenehm als möglich zu machen, besonders mein Sohn, aber Du bist jetzt immer traurig, ohne daß ich trotz meines Sinnens den Grund davon herausbringen kann. Auch meiner Frau bereitet die Sorge, wer Dir bei uns was zu Leide getan hat, große Qual,' sie liebt Dich wahrhaft mütterlich." Nun blieb dem Mädchen nichts anderes übrig, als dem gütigen Herrn die Enttäuschung mitzuteilen, welche sie anläßlich ihres Besuches bei der Freundin erlitten. Sie verschwieg ihm nichts von all dem Gehörten und selbst Beobachteten, um so weniger, als sie den wahren Grund ihrer seelischen Depression um keinen Preis der Welt verraten konnte und wollte und Else nur als Vorwand benutzte. (Fortsetzung folgt.) Für de» Reklameteil Ist die Redaktion nicht verantwortlich; insbesondere ist es ansschliestlich Sache der Leser, die im Reklameteil enthaltene« Empfehlungen ritueller Ware« oder sonstige Angabe« religionsgesetzlicheu Charakters anf ihre Zuverlässigkeit zu prüfe«. Kaiser Friedrich Quelle 6346) Ottenbach a. H. „fielen eicht u. Rheumatismus bewährt.“ r Künstliche n. natürliche Mineralwasser Aepfelwei« .m. Flaschenbier (6777) liefert frei ins Haus 91. STissenbaum, Frankfurt a. M., Ostendstr. 75. ---——Telephon 5441. —-————— j Für den Inseratenteil ist die Redaktion nickt verantwortlich; insbesondere ist es ausschliesslich Sache der Leser, die Im Inseratenteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben rellglonsgesetzllchen Charakters anf Ihre ZnverlässlBkeltzyirüfen, Für einen strebsam. Kaufmann mit 1». Ia. Referenzen, Ende 30er, religiös, wird passende Einheirat in «in gutgebendes Geschäft, gleich welcher Branche gesucht. Merten unt. R. 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