Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 27 (4.7.1907)
- Date
- 1907-07-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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1': -i>~ --i 4-^4' m\. i erls 48. Jahrgang. Bl Eentralirfan für das irtfeitae Jilnfni Bifriifcf m Irl Lekmi!> IBain Sranhfurf a. M.. den ZZ^ Iamus M7. Jfä 27. Der Israelit erscheint jedm Donnerstag. Avmmements r Gewöhnliche Ausgabe Mk. 1.50 vierteljährlich. HestauSgabe auf Kunstdruckpapier Mk. 3.— vierteljährlich. (Auslandspreise für die gewöhtKche Ausgabe: Oesterreich S Kr.. Rußland 1 Rub., England 2 sh., Amerika 50 cts., Niederlande 1,20 fl.) Abonnements 'bei allen Postanstalten, Buchhandlungen, sowie direkt bei der ExyeditÄy, HestauSgabe nur direkt. Inserate: 30 Pfennige für die sech-gespaltene Colonel-Zeile; Rabatt nach Tarif. Jnseratenannahme nur durch Haas enstein u. Bogle^r A-G. in Cant» bet der K. K. Postsparkasse «te« Sto. 7»805. Frankfurt a. M. und deren Filialen. Eauto bei de» ifc Postfparkaffeuamt Bnbapest Ro. L84L4 ver Lvrammenscdluk üer deutschen vtthoäoxie. Aus dem Bureau der „Freien Bereinist ung für d ieJntercssen des orthodoxen Judentums wird uns geschrieben: Auf der Tagesordnung des am 21. Juni stattgehabten außerordentlichen Bereinstags stand zunächst die seit längerer Zeit vorbereitete Satzungsänderung, die den Rahmen der „Freien Bereinigung" erweitert und durch eine größere Dezentralisation die Heranziehung eines möglichst weiten Kreises von Gesinnungsgenossen zur Lösung der mannigfachen Bereinsaufgaben gestattet. Das neue Statut wurde nach kurzer Beratung angenommen. In dev hierauf vorgenommenen Ergänzungswahlen zum großen Ausschuß wurden neu gewählt die Herren : Jonas Bin g-Hamburg,JsidorDülken-Cöln, Louis Feist-Frankfurt a. M., Siegmund Fränkel- München, Sally Guggenheim - Berlin, H erinann GumPe rtz - Hamburg, Eommerzienrat Benjamin Hirsch- Halberstadt, Seminardirektor Dr. H o f f m a n n - Berlin, A r o n K o b e r- Brestau, Distriktsrabbiner Dr. P. Kohn-Ansbach, Landrabbiner Dr. Loeb-Emden, Prov.- Rabbiner Dr. Muuk - Marburg, Jacob Strauß-, Ioseph Wo h lfa h r t -, Aron Wolf-Fraukurt a. M. ' Alsdann fand auf Grund der neuen Satzungen die Neuwahl des dreizehngliedrigen Vorstandes statt, die folgendes Ergebnis hatte: Rabbiner Dr. S. Breuer-Frankfurt a. M., Emanuel Ettinghausen-Franffurt a. M., Louis Fe ist-.Frankfurt a. M., Hermann Gumpertz-Hämburg, Wilhelm Hackenb ro ch-Frankfurt a. M., Kommerzienrat Benjamin Hirsch- Halberstüdt, Bankdirektor George Marx - Königsberg, Prov. - Rabbiner Dr. Munk-Marburg, Jacob Rosenheim- Frankfurt a. M., Ado lf Stern-Frankfurt«.M., Jacob Strauß-Frankfurt a. M, Joseph Wohlfarth-Frankfurt a. M., Aron Wolf- Frankfurt a. M. Der neugewählte Vorstand trat gestern zu seiner ersten Sitzung in Frankfurt a, Mzusammen und konstituierte sich wie folgt: Rabbiner Dr. Breuer, Vorsitzender, Komm erzienrät Benjamin Hirsch und Jacob Rosenheim, stellvertretende Vorsitzende, Jacob S t r a u'ß und Hermann Gumpertz, Schriftführer, Louis F e i st und Aron Wolf, Kassierer. Aus der reichen Tagesordnung ist insbesondere die Beschlußfaffung über die zu bildenden ständigen Kommissionen hervorzuheben, deren Aufgabenkreis festgestellt wurde, während die Ernennung der Vorsitzenden und der Kommissionsmitglieder in allernächster Zeit erfolgen soll. Es werden gebildet: 1. Unterstützungskommiffion, 2. Kommission für Gesetzgebung und Verwaltung, getrennt für Preußen und die süddeutschen Staaten, 3. Kommission für Literatur und Presse, 4. Kommission für Angelegenheiten des religiösen Pstichtlebens, 5. Kommission für ländliche Wohlfahrtspflege, 6. Kommission für Schul- und Lehrerbildungs- Wesen, 7. Palästina-Kommission, 8. Kommission für Angelegenheiten des osteuropäischen Judentums, endlich Propaganda-Kommissionen für die verschiedenen Landesteile. Die Vorsitzenden der Kommissionen sind zugleich Mitglieder des Ausschusses. Ein öffentlicher Bereinstag soll, vorbehaltlich der Zustimmung des AuSschuffes, im Laufe des Winters in Berlin ftattsinden. * . * 2DV.N1 21V,1 1112 Mt diesem Ausruf wird das in seiner geschäftsmäßigen Nüchternheit gleichgülttg klingende Communiquv der „Freion Bereinignng"^ in dem weiten Kreise aller derer begrüßt werden, die, laut oder leise, die innere Zerklüftung der gesetzestrenen Judenheit Deutschlands als ein immer neues Unheil heraufbeschwörendes Uebel beweint und die endliche Heilung dieses Bruches mit jedem Tag tiefer und inniger ersehnt haben. Es kann heute nicht unsere Aufgabe sein, die weittragende Bedeutung des denkwürdigen Ereigniffes zu kennzeichnen, das soll ruhigeren Stunden Vorbehalten bleiben. Wir beschränken uns zunächst darauf, unseren Lesern die „Einleitung" zum neuen Statut der Freien Bereinigung vorzulegen, iy der, schon vor einem halben Jahre die wichtigsten Gesichtspunkte der Reorganisation und des Zusammenschluffes knapp zusammengefaßt worden waren, und die somit recht eigentlich die Plattform bilden, auf Grund deren die Erweiterung der Freien Bereinigung sich jetzt vollzogen hat. Diese Anleitung lautet: „Zivanzig Jahre sind es her, seitdem die v „Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" auf Grund eines Aufrufs Samson Raphael Hirsch's ins-, Leben trat. Es war, die Erkenntnis drmigt sich heute deutlicher als je auf, ein geniawr Gedanke des großen Mannes, daß er bei all - seinem in hohem Grade individualistisch gearteten Fühlen die Notwendigkeit eines organisierten Zusammenschluffes der Gesetzestreuen erkannte und sein Lebenswerk dadurch krönen wollte, daß er dem wiedererweckten Gei st e des seiner Aufgabe bewußten gesetzestreuen Judentums den organisierten/ Körper schuf. Es soll hier nicht untersucht werden, ob und aus welchen Ursachen die Absicht, alle wahrhaft gesetzestreuen Juden zu eimr staicken Gemeinschaft zusammenzuschließen, nicht in dem wünschenswerten Maße verwirklicht werden konnte. Sicher ist, daß der Gedanke der freien Vereinigung" nach dem Heimgange ihres Be-, gründers sich immer mehr und mehr als die notwendigste Vorbedingung für die Erhaltung und Stärkung des gesetzestreuen Judentums in den Stürmen wie in dem Sonnenschein... - der Gegenwart erwies. Keine Richtung des Zeitbewußtseins hat auch im jüdischen Kreise also fest Wurzel geschlagen wie das Prinzip des sozialen Zusammenschluffes,' schafft sich ja jeder Gedanke, der nur immer um Anerkennung im öffentlichen, wirtschaftlichen oder selbst im wissenschaftlichen Leben ringt, heute seinen sozialen Vertretungskörper, ja es ist recht eigentlich zum Prüfstein für die Lebensfähigkeit der Ideen geworden, wie weit sich ihre gemeinschaftbildende Kraft erstreckt. Daß es eine gemeinsame Ueberzeugung * gibt, die ideell die gesetzestreuen Juden auch der deutschen Zunge, zu einer geistigen Einheit zusammenschließt, bedarf keines Beweises. Trotzdem hat man diese Gemeinsamkeit der Grundüberzeugung zu bezweifeln gewagt und die kühne Behauptung aufgestellt, daß eine Reihe abgestufter Meinungsschattieruugen von der radikalsten Reform zur äußersten Rechten hinüberführe. Demgegenüber stellen wir die Tatsache fest, daß üb?r die grundlegende Bedeutung der überlieferten Wahrheit nun Eroten d. h. über den göttlichen Offenbarungscharakter und die dauernde Verbindlichkeit des schriftlichen und mündlichen Gesetzes eine Meinungsverschiedenheit zwischen den verschiedenen Richtungen innerhalb der gesetzestreuen Judenheit nicht besteht, und daß gegenüber dieser durchaus zweifelfreien prinzipiellen Basis eines organisierten Zusammenwirkens die bestehenden Divergenzen als Streitfragen zweiten