Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 26 (27.6.1907)
- Date
- 1907-06-27
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Der ARMS. Rr. 26 27 Juni 1907. gelinder ausgefallen, als sie es erst beabsichtigte. Und wie er dich immer noch liebt! — schrieb sie. Und ich darf nicht allein teilnehmen an Deinem Glücke, sondern ich darf es auch mit Dir fühlen." Dann schrieb sie zum ersten Mal, aber klar und eingehend von ihrem eigenen Glück. Noch wußte sie nicht recht, welche bestimmte Form dieses ihr Glück annehmen wird. Aber sie war glücklich. Sie liebte und ward geliebt. Diese offene Aussprach erleichterte ihr Herz und tat ihr Wohl. Sie faltete liebevoll den Brief zusammen. Sie wollte ihn mit eigner Hand zum Bahnhof tragen, da sie der Doktor zum Abendzuge, mit dem Chaijmow verreisen wollte, abzuholen versprochen hatte. Schon wartete der Wagen vor dem Tore. Langsam fuhr er nun mit den drei Jnsaffen in die Abenddämmerung durch die belebten Straßen, die nach und nach ihr gewöhnliches, ruhiges Bild angenommen hatten. Es war wieder Ruhe eingekehrt. Der Pöbel erwachte von seinem Delirium und schrak vor seinen eignen Werken zurück und die Verwaltung fing an unter dem Drucke von oben, wo man das sich regende europäische Gewissen zu verspüren begann, wirklich ihre Pflicht zu tun. Man sing allmählich an etwas sicherer aufrutreten. Und es gab Optimisten, die sogar noch die besten Hoffnungen hegten. „Denn" — argumentierten sie— „wo wäre die Freiheit, die nicht dürch Blut besiegelt wurde?" ' Der Zug gab das letzte Signal und setzte sich in Bewegung. „Adieu" — rief Chaijmow vom Perron aus noch einmal seinen Begleiter zu — „Wir werden drüben mit Euch leben und hoffen!" Man verstand sich nicht mehr. Nur die weißen Tücher wehten in der Luft. Jetzt verschwand der Zug aus der Halle und Rosa mit Begleiter traten zu Fuß den Heimweg an. Sie gingen schweigend neben einander. Aus einigen Geschäften kam bereits ein mattes Gaslicht auf die Straße. Arbeiter und andere Passanten erfüllten den Bürgersteig. In der breiten Straße marschierten dicht neben den fahrenden Tramwagen und Droschken kleinere Soldatentruppen hin und her. Nun bogen sie ia die schmale, ruhige Eckstraße ein. Von der Ferne her winkte der quadratische Bau des Krankenhauses, das bereits beleuchtet war, mit dem kleinen turmartigen Anbau, der Privatwohnung des Dr. Minkowski, die noch in Dunkel gehüllt war. „Es waren schwere Zeiten!" unterbrach Rosa das Schweigen. „Und es werden nun bessere kommen!" — sagte der Doktor mit Nachdruck. „Ist das sicher?" — Die Stimme Rosa's ytterte ein wenig. „Sicher?" —- sagte der Doktor Mit festem, entschlossenem Tone — „Wer kann heutzutage etwas als sicher dahinstellen? Da, wo oft alle Anzeichen trügen und alles aus den Fugen zu gehen droht? Aber eins möchte ich uns sichern, heute, jetzt noch. Es ist für mich, für uns der Anfang. Wollen wir nicht durch die Zuneigung, die wir uns gegenseitig nicht mehr verhehlen können, dort gemeinschaftlich — er wies auf die Fenster seiner Wohnung hin — das Dunkel erhellen?, Dort in Liebe und trauter Heimlichkeit uns auf die bessere Zeit vorbereiten? . . ." Sie schwieg lind schien nach Atem zu ringen. „Rosa" — fing er an — „Sollen auch da alle Zeichen trügen? Soll mir auch da, wo ich Trost und^Ersatz für alle Widerwärtigkeiten des gegenwärtigen öffentlichen Lebens so sehnlich und so sicher erwarte, eine neue bittere Enttäuschung bereitet werden? Rosa!" Noch immer rang Rosa nach Worten, die sie nicht finden konnte. Eine heiße Träne rieselte ihre glühenden Wangen hinunter. Dann legte sie schweigend ihre Hand in die ihres Begleiters. Ende. ORT: Anfang Datum Ausgang UhrlMin. 1907 5667 UhrlMin. Frankfurt a M 7 45 29. Juni 17.Tamus 9 40 Berlin .... — — n tt 9 36 München . 7 15 n tt 9 08 Strastburg . 7 30 H tt 9 30 Pose« .... — — n H 9 22 Breslau . . — — n tt 9 09 Nürnberg. . . — — n n 9 20 Stuttgart. . . 7 30 n tt 9 23 Prag. 8 30 // r 9 10 Famlllevoacdrlcdttn. (Unseren Abonnenten steht diese Rubrik kostenlos zur Verfügung. Nichtabonnenten haben für die Aufnahme jeder Notiz eine Gebühr von 1 Mk.. die gleichzeitig einzusenden ist, zu entrichten. Die Sendungen müffen immer spätestens am Mittwoch. Bormittag vor dem Erscheinen der jeweiligen Nummer in unseren Händen sein.) Verlobt: Hanni Erlanger mit Leopold Schwab. Luzern-Frankfurt a. M. — Rosa Neuhaus mit LeviStern. Salmünster-Brückenau. — Toni Grünbaum mit Alfred Viktor, Cöln. — Selma Braunhold mit Gustav Steigerwald, Burgpreppach-Wiesenfeld. — Regine Gerstle mit Elkan Neumann. Jchenhausen-Fürth i. B — Frieda Kutner mit Bernhard Lewin. Lötzen-Kolmar i. P. — Alice Schwarz mit Edmund Schön» Kladno-Prag. VermiUnlt: Rudolf Spangenthal mitMalchengeb. Jacob, Stade. — Salomon Rothschild mit Emma geb. Schamberg. Baltimore. — Philipp Pose« mit Lea Lucy geb. Kaiser. Frankfurt a. M. — Rabb. Dr. Hermann AbeleS mit ,Recha Renate geb. Kahn. Frankfurt a. M. Oeburten: Eine Tochter: Jakob HeidingSfeld (Weiv, Frankfurt a. M. — Max Ros ent ha l (Mlmger), Cöln. — Mannheimer (Blumenthal), Frankfurt a. M. Verstorben: Zerline Eondheimer, 16 I., Frankfurt a. M. — Rahel v. Halle, 57 I., Frankfurt a. M. Kür de» Reklamenteil ist die Redaktion nicht verant» wörtlich; insbesondere ist es ausschließlich Sache der Leser, die im Reklameteil enthaltene» Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angabe» religionSgesetzliche» EharatterS ans ihre Anverlüsfigkeit z« prüfen. Kaiser Friedrich Quelle 6346) - OffeBbaeh a. M. - „Gegen Gicht n. Rheumatismus bew&hrt.“ Knischer, bei der nächste* Apotheke »der Drogerie holten Kie nn! Ich Hab' keine Fans ächte Svdener Mineral- Pastillen mehr daheim gehabt und will mir schnell noch ein paar Schachteln kaufen. 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Für tan Inseratenteil ist die Redaktion nicht verantwortlich; insbesondere Ist es anssehllessllehSaehe der Leser, die ln Inseratenteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben rellglonsgesetzllehen Charakters anf Ihre Zuverlässigkeit zn prüfen. Ich** Für einen vierzig jährigen Man« wird in jüdisch. Hanse Pension gesucht. «Einfach möbliertes Zimmer >md kräftige Hausmannskost.) viieiten mit Preisangabe unter v. Z. «828 an Haasensted» sc Bögler. A.-G., Frankfurt a. M. erbeten. (8485 Liehnersichernng verbunden mit Schlachtvieh», Transport « «laSverficherung, sucht tüchtige Vertreten* u»d stille Vermittler gegen hohe Provision. (8466 Offerten an Generalagent»« Tarurstadt, Taunüsftraße 44. Bescheinigung! Herr Julius D. Bier führte uns heute eine von ihm konstruierte Vorrichtung zum Niederlege« von Grostvieh (D. R. 6. H.) vor,. Die vom Erfinder mit der Vorrichtung vorgeführte» fielen gttt Htt0) und es ist zu erwarten» daß bei richtiger Handhabung des Apparates Verletzungen am Tierkörper, wie sie beim gewöhn» liche« Niederlegen der Schlachttiere so hünfig Vorkommen. vermiede« werden können. Cöln, den 39. Mai 1907. vis Direktion des Schlachtu. Viehhofes I. B.: F. Meyer, Ober-Tlerari tl! "112)3 Bad HaHWi, WM» Parkhaus vornehme- Etablissement I. (8098) . 90 Salons, ^ros^gratis. ile beste und billigste Bezugsquelle U für Oebefbfldier aller vtt. JTiadisorim, Chumosdiim etc , für Caleslm, Cefillln etc., BarmiimounO 6e~ (eaeitfieits-6esdienfce ist Sie hebräisdie Budihandlung von fl. 3. Hofmann,5ratMirfa.m. mierheiligenstr. 87 (neben Cafö OoIOsdtmiöt) Tel. 13686 —■ Tür mieOerDerhSuter höchster Rabatt. Knncfcfirborm für Poraudies, Thoramflntel etc. flllflDlMIlIfBm in 6oia. Silber unö Seide. (7196 CI1GUS MIHI SEMIIHRIIII St. Hubertus Mur noch 4 Tuge! Donnerstag, den 27. Juni, Abends präcis 8 Uhr. 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