Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 26 (27.6.1907)
- Date
- 1907-06-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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4L Jahraano. «__ m a„ 27. Juni 1907. Sranhfurt a. M.. Sen ,5 Tamus 5667. M 2». Der 51»rfttfit tof(6etnt jeden Drmnerftaa. Wbo««iem«rtL: Gewöhnliche AuSaabe Mk. ILO vierteliSbrlich. LettauSaabe aus S>müdrwV»avier Mk. L— vivtt^Krlick. gewöhnlicheAuSgabe: Oesterreich S Lr./Rußland 1 Rab., England S stt.» Amerika S0 cts., Niederlande 1,20 fl.) Abonnementbei allen Postanstalten. -«Wmdlrmgen, ftwie d LrVeditign. HeftaNSgirbt nur direkt. Jnferaler 30 Pfennige für die sech-gespaltene Tolonel-Zeile; Rabatt nach Tarif. JnseratenannahMt nür bttrch Haasenstein «. Bogl ««»tn bei der «. «. Pnstfpmükafse Asien No. 79605. Franffurt a. M. und deren Fllialen. Lottt» -tes de«N. eise, für W •Kl.«*'. ttnseee vrrehrl.Postabimnenten bitte« wir um rechtzeitige Erneuerung des Avom»e«e«ts -um 1. Juli er. Me Reorganisation der Cbalnka Die „drei Wochen"! Wie ein Schatten legt sichs über die jüdische Seele, und alle Sommerfreude an der im Sonnenglanze erstrahlenden Natur zieht sich scheu zurück vor den ernsten, mahnenden Tönen, die aus unserer Geschichte ans lauschende. Ohr - dringen. Dem Lande der Väter, dem heiligen Lande gilt die ernste Zeit des Gedenkens, dem Berge des „Gotteserbes", auf dem Fimmel und Erde sich küßten, und von dessen Hohe herab die Offenbarung der G o ttesherrlichkeit in einem ganzen Volk s l e b e n wie ein großes Lehrwunder Hinausstrahlen sollte in die Menschenwelt. Das allein war es ja, diese sittliche Bedeutung des jüdischen Nationalerbes, was das jüdische Volk durch die Jahrhunderte des Exiles hindurch mit seinem fernen Lande — unabhängig yon allen politischen Konstellationen und Bewegungen— verknüpfte und dieses nimmer zerstörbare gMtge Band, eS wird auch die Zeiten überhsnern, die uns noch von dem Tage der Heimkehr tzevmen, und die dem Boden Palästinas kein Tütelchen von seiner Heiligkeit, kein Jyta von seinem sittlichen Adel als Boden der Gottesoffenbarüng zu rauben vermögen. In Palästina zu wohnen, dort durch ein Lebenjüdischer Pflichterfüllung der besseren Zukunft den .Weg zu ebnen, dort jüdische Hütten zu bauen, iu denen die Schechinä waltet, und in deren Näumen jüdische Menschensprossen, vom Geistrder.Thora genährt, zu einem hei ligen, nrbeitsfrühen jüdischen Leben emporblühen — das war, das ist den Edelsten des Mischey Volkes bis auf den heutigen Tag der Inbegriff höchster sittlicher Vollendung. Für die Verwirklichung dieses Ideals haben alle die Größen gewirkt, denen allein das jüdische VÄk es verdankt, daß auf seinem ureigenen Boden mitten in den Stürmen der Jahrhunderte lvich ein'kleiner Nest' jüdischer Gemeinden'sich erhalten konnte, ja, daß mit dem Heraufziehen Wer neuen tränenreichen - Zeit die ins Land der WW iNWletchen Hülti Und Stützpunkte fanden, Wie elend; auch immer und wie . fern auch <—A ■■■■'**■ - — " — ~ ~ “ ’ ' pRjRp It zum Trotze, W töpfere . PiÄiere jüdischer Treue 'pK 31 m' niXö in ihrer Weise vollziehend. Es sind die großen Begründer des Systems der vielgelästerten Chaluka, deren es segnend zu gedenken gilt in einem Augenblick, da ihr System veränderten Verhältnissen angepaßt werden und darum erst recht zu segensreicher Wirkung gebracht werden soll. Dieses System war niemals auf eine in Massen kumulierte Bevölkerung, sondern immer nur auf eine geistige Elite von Palästinapilgern gemünzt, und seine Wohltaten mußten zur Plage werden in dem Augenblicke, da einerseits mit rapider Schnelligkeit ein Wachstum der Bevölkerung sich vollzog, andererseits aber die früher nie geahnte Möglichkeit sich bot, neue Produktivkräfte im Lande freizumachen und — vielleicht — die ihren „Träger ehrende" Berufsarbeit als eine selbstverständliche Sache allmählich zur Regel zu erheben. Aber das, was jenen Männern als Ideal vorschwebte: ein Volksleben,in dem die Thora das herrschende Prinzip sei, in dem es keine höhere Würde gebe als die, ein echter, in harter, redlicher Geistesarbeit und Selbstzucht gereifter Talmid Chacham zu sein — das'wird der Leitstern auch der heutigen Chalukaverwaltung bleiben müssen. Die echte Blüte der Thorawissenschaft wird erst recht sich zu entfalten vermögen, wenn es gelingt, zu ihrer Pflege größere Mittel sreizünrachen uno wenn, durch eine vernünftige Auslese, Jeder der Stuft jüdischer Wissenschaft und wirtschaftlicher Arbeit zugeführt wird, zu der ihm der Schöpfer Kraft und Fähigverliehen. ' Wenn wir im folgenden, um hervorgetretenen Mißverstäudniffen zu begegnen) die von der Amsterdamer Chalukaverwaltung im Einverständnis mit der deutschen Palästina-Kommission, festgesetzten Grundzüge der Chäluka-Reyrganisation veröffentlichen, so sei vor allem betont, daß es sich nur um G r u n d z ü g e handelt, deren Ausführung im einzelnen Vor allem von dem Maße der zur Verfügung stehenden, finanziell e n Mittel abhängig sein wird. Ferner ist zu beachten, daß zunächst nur die der Amsterdamer Verwaltung unterstehende holländisch-deutsche Chaluka reorganisiert wird, Von hem Erfolge dieses Reörganisationswerkes wird es dann abhängen, ob und wann die ungarische, russische, galizische Chaluka folgen werden. Auch aus diesen! Gesichtspunkte ist es von höchster Bedeutung, daß in allen an Palästina interessierten Kreisen Westeuropas, der hoffentlich bald ergehende Ruf der Amsterdamer Chalukaverwaltung zu tatkräftiger Mithülfe ein verständnisvolles Echo finde. - Die den Vertrauensmännern der Chalukaverwaltung übermittelten „Grundzüge" folgenden Wortlaut : „1. Nach wie vor erblickt die Chaluka-Berwaltung ihre Aufgabe darin, 7*0#' pK 21V' PfiXD im Sinne des überlieferten Judentums zu fördern. Daraus folgt euerseits dieNotwerft der jüdischen Bevölrerun^Paläftinas ein Gxis Minimum zur Fristung des Lebens zu sichern, ferner, so weit dies nach Mi gegebenen wirtschaftlichen Vorbedingungen möglich ist, auf eigene Füße zu stellen, andererseits Wr, auch die Pflege eines umfassenden, gründlichen und ergebnisreichen Thorastudiums sowie Hie Aufrechterhaltung einer gewissenhaften. Mischreligiösen Lebensführung mit aller Ktzaft, zu fördern. 2. Die Besitz und Erwerbsverhältnisse der Angehörigen des Y'in 7712 sollen noch gründlicher und zuverlässiger als bisher festgestMt werden. Das hat durch die Anstellung besold^er Beamten unter Mitwirkung von geeigneten Vertretern der einheimischen Bevölkerung W geschehen. Darnach sind diejenigen Personen von der Chaluka auszuschließen, die ihrer nicht unbedingt bedürfen. Dabei soll jede unnötige Härte natürlich vermieden und insbesondere so vorgegangen werhen, daß nicht der volle Arbeitsverdienst, sondern nur ein Bruchteil desselben an dem Chalukabeitrag abgeht, damit auf diese Weise ein Ansporn zur wirtschaftlichen Betätigung gegeben wird. 3. Der Nachwuchs des l"in 775ist, soweit der Einfluß, dep Chwyka-Berwabstrng reiA> erwerbender Arbeit zuzuführen. Eine Konkmisston wird darüber zu entscheiden haben, welche jungen Leute im geeigneten Alter einem Handwerk oder sonstiger geschäftlicher Tätigkeit zuzuführen und welche nach Veranlagung und Neigung dauernd für rninn tio1? zu bestimmen sind. 4. Die Ehalükaverwaltung hat der Schaffung von Arbeitsgelegenheit, insbesondere der Einführung'geeigneter Klein Industrie und von Handwerk in. Palästina ihre besondere Aufmerksü.mkeit zuzuwenden. Die Organisierung dieser Unternehmungen soll selbständig geschehen, aber nicht etwa im Gegensatz zü den bestehenden ähnlichen Organisationen. . 5. Ueber die zweckmäßigere Gestaltung der den anderen O'7713 zustießenden sogenannten „Kleinen Chaluka" bleibt im einzelnen spätere Beschlußfassung Vorbehalten. Keinesfalls soll sie dauernd in kleinen Einzelbeträgen,pro Kopf verteilt werden. 6. Die Förderung gründlichen und produktiven Thorastudiums' im heiligen Lande soll in Zukunft ein besonderes Augenmerk der Chalukaverwaltung bildend Zu diesem Zwecke sollen einerseits hervorragend begabten Jünglingen größere Jahrespensionen ausgesetzt