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Der Israelit · 1907-06-20 · Heft 25 (20.6.1907) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 25 (20.6.1907)
Date
1907-06-20
Page
– (sequence 13)
Language
German
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MMFv Seite 1» Der füßtatüL «t. 26 20 3unifX90T. Sie sich weiter als derselben berechtigt und würdig ausweisen. Sie verzeihen doch/Herr Doktor, daß ich die wunderbare Fügung, die mir eine gütige Vorsehung, in die Hand gespielt, gleich wahrnehme. Das Leben entbehrt heute noch der Wunder nicht, Herr Doktor! Sie staunen, wenn Sie die Verkettung und Verzwickung der Geschicke in diesem Lebensromane hören, dessen Helden meine Freundin in Amerika und unser hier stehender Freund sind." „Ich höre mit großem Interesse," bemerkte der . Doktor. „Ich habe in der Tat das Gefühl, als löse sich ein verzwicktes Rätsel vor meinen Augen auf, ob mir schon weder der Traum noch seine Deutung recht klar sind. So sehr ich auf den Schlußeffekt neugierig bin, so ist doch im Interesse der Diskretion meine Empfehlung ratsamer." Er wollte gehen. „Aber bitte, Herr Doktor." Sie sprachen es beide zugleich aus. und Rosa heftete so flehende Blicke auf ihn, daß er sich zum Bleiben gezwungen sah. Scharf und prüfend sahen seine klugen Augen zu der Krankenschwester hinüber. Es war doch ein merkwürdiges Mädchen, eine schöne Seele neben dem starken Charakter. Welches Reservoir von Liebe und Pflicht in diesem Herzen! Welche Kraft und.. Ausdauer. ihr die Liebe zu Kranken und Kindern gibt, mit welcher Energie sie die Freundschaft ausrüstet. Wie, wenn sie diese Tugenden in einem eignen Heime konzentrieren wollte? Und gar in seinem Heime? Mußte es nicht zum Paradiese werden?! Wie oft hat er schon leise diesen Gedanken in Erwägung gezogen? Ist er nun zur innern Stimme geworden, die immer lauter wird und immer deutlicher ruft und mahnt?!" Dr. Minkowski hatte es nie geglaubt, daß bei ihm in diesem Alter noch solche Gedanken Platz greifen könnten. Auch er war einmal jung und er hat sie, die Jugend, in der auch die Studentenliebe nicht fehlte, genoffen. Damals hatte er mit Jugendfeuer geliebt, ohne Vernunft, ohne Berechnung. Er war Student und sie Studentin, er Idealist und sie Jdealistin. Und als durch ein Zusammenarbeiten und Zusammentreffen von verschiedenen Berhältniffen und Umständen Fie glückliche Frau eines andern geworden und er als Junggeselle zu Amt und Ehren stieg, fügte er sich in das Los. Es war wohlige, zufried me Ruhe in ihm eingekehrt. Und jetzt? Er fühlte seine Seelenruhe nicht im mindesten gestört.. Es war keine Spur von jener flammenden, jugendeifrigen Liebe, die er jetzt zu Rosa empfand. Ihr sanftes Aeußeres hatte ihn wohl angezogen, jedoch nie entzückt. Aber im täglichen Verkehr mit ihr lernte er sie immer mehr kennen und schätzen. Unwillkürlich mußte er, wenn er sie so schaffen und walten sah, an sein einsames Heim denken. Wie not täte ihm eine solche leitende Hand! Er war überzeugt, daß nur ein solches Gemüt seine leren Räume, all die Lücken seines Lebens, die der Beruf noch übrig ließ, ausnifüllen vermochte. Während sich der Doktor diesen stillen Gedanken hingab, achtete er kaum aus die weitere Entwicklung der für die Freundin so wichtigen Entdeckung. „Ich habe," beteuerte der Soldat ruhig, fast feierlich, „das, was ich mir unter Lebensgefahr erworben, auch unter Lebensgefahr wie ein Heiligtum bewahrt. Hier das Billet, das ich stets am § erzen getragen. Es war die eine der beiden ahnen, für die ich kämpfte, die ich durch Sieg zu erhalten strebte." „Es sind die Worte darauf, die Sie im Fieber oft wiederholten," bemerkte Rosa mit glühenden Wangen. „Nun," setzte der Soldat etwas stürmischer fort, „wenn Sie von ihr wissen, wenn Sie Ihre Freundin, ihre Vertraute sind, so sagen Sie mir hier gleich, so offen wie ich Ihnen alles bekannt habe: Habe ich nicht umsonst gekämpft? Habe ich mir die Fahne gerettet? Kann ich, darf ich auf Rahel hoffen?" Rosa holte etwas erschöpft Atem, dann machte sie sich statt jeder Antwort an ein kleines Bündel Briefe, die sie der Reihenfolge nach ordnete. „Dokumente, die Ihnen alles sagen, Herr Chaijmow!" „Ich beglückwünsche Sie von Herzen!" sagte Dr Minkowski, indem er beiden die Hand zum Abschiede reichte. Da wurde plötzlich ein sonderbares Geräusch von der Straße her vernehmbar. Ein Johlen und Schreien, ein wüstes Chaos, als jagten und brausten die Elemente durcheinander. Der Dokter erblaßte, während die anderen verwundert ans Fenster liefen. „Was war das?" Da kam auch händeringend und weinend ein Kind ins Zimmer gestürzt. „Was gibts, was ist Malle?" „Es ist schrecklich, liebe Oberin," das Kind schien in seiner Auftegung die anderen nicht zu sehen. „Man schlägt uns in der Borstadt alle tot. Auch bei uns sind sie eingedrungen. Mein Vater wollte mit der Axt in der Hand sie nicht reinlaffen und ich weiß nicht, was geschehen ist. Ich bin nun hierhergelaufen." Das Kind schluchzte atemlos. Sprachlos standen die drei Menschen, die noch vor einigen Augenblicken von Liebe und Glück sprachen und träumten und horchten auf die kleine Nnglücksbotin. Das Gesicht des Soldaten zog sich plötzlich krampfhaft zusammen und in seinen Augen loderte ein seltsames Feuer. „Herr Doktor," sagte er entschlossen, „ich fühle mich wieder so gesund, so stark, meine Arme haben neue Kraft. Ich möchte, ich muß hinaus. Noch niemals habe ich solchen Mut, solche Kampfeslust verspürt. Der Doktor sann einen Augenblick nach, dann sagte er. „Ihre Absicht ist edel und schön. Als Arzt kann ich Ihnen Ihr Vorhaben nicht verbieten, aber als Freund bitte ich Sie, noch hier zu bleiben. Wir wissen nicht, ob wir nicht Ihre Hilfe auch hier brauchen können." „Auch hier in einer Krankenanstalt?" Es lag sowohl Angst als auch etwas Zweifel und Enttäuschung im Tone Rosas. Unterdessen war auch unter den Kranken, zu denen die Kunde drang, eine Verwirrung bebemerkbar. „Alle Türen und Läden schließen," hörte man die Aufseher und Diener schrien. „Wir werden bald Arbeit bekommen," sagte der Doktor bedeutungsvoll, „darum gesunden Mut und klaren Kopf!" Fortsetzung folgt.) Für den Inseratenteil ist die Redaktion nieht verantwortlich; Insbesondere Ist es ansseUlesslleh Sache der Leser, die hn Inseratenteil enthaltenen Empfehlnngen ritneOerWaren oder Sonstigeingaben rellulonsgesetzllehenCharakters anf Ihre Zuverlässigkeit zn prüfen. RosnurM 1«. w6chs61 stobe and Depositenkasse. l« Aufbewahrung und vollstindige Verwaltung von Wertpapieren •>\vie Vermittlung aller mit »ler Verwaltung von Kapitalien verbundenen bankgesehäftiichen Transactionen. Annahme von Depoeltengeldern zur Zur Forderung und Ausdehnung dei Check - Verkehrs — Tötinen wir provinionsfreie Check'Conten zur Gutschrift und Verzinsung selbst kleiner Beträge, über die jederzeit mittelst Check verfügt werden kann. Für die hevoreteheade Beiseaeit empfehlen wir unsere Weltkreditbriefo Reiseohecks, welche an fast sKmintliehen Plätzen des In- und Auslandes zahlbar sind, ferner zur Aufbewahrung von Wertgegenständen unsere ~ Stahlkammer mit vermietbaren Schrankfächern J^afes) und mit Gewölbe zur Einstellung geschlossener Depots Besichtigung gern gestattet. Unsere Bedingungen stehen kostenlos zur Verfügung. (8402 an- Piuiii kkRMin&Q tatlfcin 1019 M ft. M Referenz.: Berem z. Kftrdernng titntUft Gtzeifehibrser in {tamfotv*. (8870 vornehmes Etablissement I. Ranges. 90 Salons. Prosp. gr (8098) lax liecht. atiS. Nachdem kaum ein Jahr seit der ersten Ausgabe c* des neuen Schul - Siddurs verflossen ist, erschien soeben in unserem Verlage: Bit miti Krulrte U ferteuerte Mut lir riis RiiinlbPinir Siidir Sifatb Fnith“ UM Hut IsvOvlHuIHvl 0IHHHI Siddar Sehaare Tefiltah. Gebetbuch für Synagoge, Schule u. Haus. Herausgegeben von der Vereinigung israelitischer Religions- Lehrer und -Lehrerinnen zn Frankfurt a. M. Unter Mitwirkung einer Kommission bearbeitet von J. B. LETY, Lehrer In Frankfurt u. Bfuln. Zweite vermehrte und verbesserte Auflage. Preis in gutem Schu-band . . Mk. I.-, „ in eiegr. Ganzleinwandband „ 1.20. Trotz der umfangreichen Verbesserungen u. Erweiterungen:, die das Ruch erfahren hat, ist sein Preis nicht erhöht worden. Aus dem Vorwort zur zweiten Auflage: „Die überaus freundliche Aufnahme, die dem Gebetbache „Schaare Tefillah“ zuteil geworden ist, hat schon nach Jahresfrist eine zweite Auflage notwendig gemacht. Dadurch war es früher, als wir ursprünglich gedacht hatten, möglic i, mannigfachen Anregungen und Wünschen, die aas Fachkreisen an uns gelangt sind, zu entsprechen and schon jetzt, neben einer genauen Durchsicht des Buches, eine Reihevon umfassenden Verbesserungen and Erweiterungen vorzunehmen. So sind u. a. die „Semiroth“ für Freitag Abend, die Seelen Gedächtnisfeier, sowieeine systematisch geordnete Auswahl von Machsor-Stücken, die für die Durchnahme in der Schule besonders geeignet sind,und eine kurze Leselehre, vielfachen: Wünschen entsprechend, dem Buche beigegeben worden. Die Anordnung der für den deutschen u. polnischen Ritus Verschiedenen Gebetstücke ist so getroffen worden, dass ein und dasselbe Buch für beide Riten verwendbar ist.“ Rödelheim b. Frankfurt a. U , Taaaaaatr. 3. 870915

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