Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 24 (13.6.1907)
- Date
- 1907-06-13
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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fühl, mit ihrer Frage indiskret gewesen zu sein. Aoer sie konnte nicht mehr zurück, denn die fragenden Augen waren aus'sie gerichtet. „Nun, weil sie es durchaus wissen wollen, Herr Chaijmow, Sie haben sich im Fieber verraten " „Wieso?" Er schien mehr neugierig als beunruhigt. „Sie schrien oft, als wollten Sie jemand zur raschen Flucht antreiben, dann jubelten Sie: gerettet, gewonnen. Oft, wenn Sie im Fieber auf und fort wollten und man Sie gewaltsam ^urückhalten mußte, ergaben Sie sich mit den Worten: „Zum ewigen Andenken an finstere Stunden der Gefahr" . . . Aber, Sie verzeihen doch, Herr Chaijmow, Sie sehen, daß ich bei meinem hohen Berufe doch nicht, wie Sie glauben, ein Engel geworden, sondern ein Weib, ein neugieriges Weib geblieben bin." „Und Sie sind überzeugt, daß diese Traumbilder und Wahnvorstellungen nur auf Erlebnisse in der Schlacht, zurückzuführen seien?" — Er wurde ernst nachdenkend und schaute etwas unsicher nach der Schwester. „Habe ich noch mehr verraten?" — „Sie hofften auf ein freudiges Wiedersehen in besseren Zeiten. Diese Ihre heiße Sehnsucht zu den Eltern, die im Fieber glühte, hat uns oft zu Tränen gerührt." „Meine Eltern sind tot, ich bin einsam." Er hatte dieses einfach, fast trocken gesagt, indem er an der Brust fühlte, als befürchtete er, da eine Kostbarkeit verloren zu haben. Rosa machten die knappen Worte etwas stutzig und verlegen. „Sie verzeihen, Herr Chaijmow!" Kapitel 10. Sie hatte diesesmal die bekannten Schritte nicht gehört. Erst als die Türe aufging, sah sie etwas erschrocken empor. Bor ihr stand Doktor Minkowski. „Ah", lachte er, „der Held vom Schanzenhügel. Bester hätten Sie Ihre erste Freizügigkeit nicht ausnutzen können. Apropos, kennen Sie, Fräulein, die Geschichte dieses Helden am Schanzenhügel bei Mukden? Die Zeitungen, selbst die gute Novo Wremia, brachten Berichte darüber." „Die Zeitungen übertreiben", wehrte der Soldat bescheiden ab. „Ja natürlich" — der Doktor lachte bitter — „stark übertreiben sie, namentlich, wenn es sich um Ruhmestaten eines Juden handelt." (Fortsetzung folgt.) Für den Inseratenteil Ist die Redaktion nickt verantwortlich; insbesondere Ist es ausschllesslleh Sache der Leser, die ln Inseratenteil enthaltenen Empfehlungen rltnellerWaren oder Sonstigeingaben religionsgesetzlichen Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zn prüfen. Für kleinen relig. Haushalt (2 Personen) wird ein einfaches ■Ucheii im Alter v. 18—17 Jahren zu sofortigem Eintritt (*394 gesucht. Gefl. Offert, «nt. B. 3954 erb. an Haasenstein & Bögler, A.-G., Stuttgart. 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