Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 22 (30.5.1907)
- Date
- 1907-05-30
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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80. Mai 1907. Der JSraelit. Sk. 33. Gelte 14. Zeichen bemerkbar machen, aber es kam nur ein Stöhnen aus seiner Brust und er sank machtlos zu Boden. - Er lag mit klarem Bewußtsein und fühlte einen heftigen Schmerz in der oberen Rippengegend, wo sich aus emer offenen Wunde Blut ergoß. Nicht weit von ihm hörte er wie er Stimmen von Soldaten, die Verwundete transportierten. Er schrie mit aller Kraftanstrengung, aber seine Stimme blieb unerhört. „Hätte ich nur erst noch Rapport machen können," dachte er in steigender Verzweiflung. Er gab fast alle Hoffnung auf und glaubte, hier in der Einsamkeit verbluten zu müffen. Da vernahm er in dichter Nähe ein Pferdegetrappel und sah nun deutlich einen Reiter vorbeitraben. Er nahm all seine Kräfte zusammen und rief: „Halt an, Soldat! Komme her und rette mich!" „Wer da?" antwortete eine robuste Stimme vom Roffe herunter, das sich nur mit Mühe zügeln ließ und weiter schnauben wollte. „Komme herab und hilf einem Verwundeten!" „Bin kein Krankenwärter," antwortete der Reiter glcichgiltig. „Hab besseres zu tun. Wenn mir einer begegnet, will ich ihn hcrschicken." Er wollte weiter galoppieren, aber der Verwundete flehte: „Hilf Bruder, um Himmclsw llen, Hab wichtige Meldung und muß zu meinem Riegimente!" Er versuchte sich etwas aufzurichten nnd fiel wieder stöhnend nach hinten. „Kreuzsakramevt," fluchte der Reiter, „ist mir keine unbekannte Stimme. Der Kerl macht mich neugierig." Er beruhigte das aufgeregt schnaubende Tier und stieg vom Sattel. . „Nun, heda, Kamerad! Auf, wo bist Du getroffen?" Er bückte sich zum Verwuudeten und beleuchtete ihn mit seiner kleinen Brustlaterne. Plötzlich faltete er die Hände und ein Schreckensschrei entrang sich seiner Brust: „Bist Du es, der Infanterist Salam Chaijmow, hier und verwundet?!" Salam, der von den letzten Redeanstrengungen erschöpft war, betrachtete schweigend den Soldaten und sagte dann leise: „Wanuschk.r?! Eine göttliche Vorsehung, die Dich hierhergeschickt!" „Ich wollte," berichtete Wanuschka, die wollene Pferdedecke herbeiholend, „ich wollte nach dem rechten Schanzenhügel eilen, wo ich Dich bei einer Patrouille zu finden glaubteich ahnte so was und hatte gerade Zeit. Nun, lieber Freund, zum Verbandsplatz!" „Nein, erst zum Regimentskommandeur," bat Salam. Schweigend hob Wanuschka den blutenden Freund auf den Sattel und fetzte sich schützend hinter ihn. Wie rasend setzte das Tier über die schiefe Ebene. Nun standen sie vor dem Regimentskommandeur. Einige Worte genügten. Der erfahrene Offizier hatte die Situation sofort erfaßt. „Ich danke, mein Sohn," sagte er kurz und erteilte sofort das Kommando zum Rückzuge. Inzwischen hatte Wanuschka für eine leidliche Bahre gef rgt, durch die Salam ins Lazaret geschafft wurde. Wanuschka war die ganze Nacht bei ihm geblieben. Die Wunde erwies sich als nicht lebensgefährlich. Immerhin waren durch langes Warten und großen Blutverlust schon einige Komplikationen eingetreten, die, wie der Arzt sagte, ein langes Krankenlager bedingen werden. Die grünbeschirmte Lampe beleuchtete matt und sanft den langen Raum. Es war die Abteilung für die leichter Verwundeten. Mitten im Gestöhne hörte man auch Lachen, Scherzen und Fluchen. Ruhig lag Salam auf seinem Lager, ohne den mindesten Schmerz zu verraten. Die Schwäche hatte ein wohliges Gefühl über ihn ergossen. Er hatte seine Aufgabe erfüllt, viel-, leicht tausende Menschen vor Tod und Gefangenschaft gerettet. Dieser Gedanke erfüllte ihn mit einem Lichtstrome, der sein Inneres erwärmte und sein mattes Gesicht erglänzend machte. „Morgen ist die Reihe an uns," sagte Wanusch*a. „Sind vielleicht nun das letzte Mal beisammen. So laß mich jetzt bei Dir bleiben. Oder willst Du schlafen?" „Nein Wanuschka, zum Schlafen werde ich wohl jetzt Zeit genug haben. Setze Dich her und erzähle etwas!" „Was weiß ich, ein dummer, kleinrussischer Bauer, zu erzählen?" „Sagtest Du nicht einmal, Du hättest unter Juden gelebt? Wo und was weißt Du von ihnen?" Wanuschka senkte das Haupt und erwiderte beschämt und kleinlaut: „Hast Du mir das an jenem verfluchten Abend immer noch nicht vergessen?" „Da ist nichts zn vergeffen," beteuerte der Kranke, „aber ich frage nicht aus Groll, sondern, weil Du Dich heute als mein Freund bewährt hast und mich Dein Leben ein wenig interessiert." „Nun dann," Wanuschka konnte wieder dem Freunde ins Gesicht schauen, „viel Jntereffantes weiß ich von meinem Leben nicht zu erzählen. Bin auf einem Dorfe bei Kiew geboren und gezogen. Da wir kein eigenes Land hatten, so habe ich zeitweise bei anderen gearbeitet oder Schweine gehütet. Im Winter mußten wir auch manchesmal die Schule besuchen. Dort lernte uns der Pope auswendig beten. Lesen und Schreiben habe nicht erlernt. (Fortsetzung folgt.) Für den Inseratenteil Ist die Redaktion nicht verantwortlich; Insbesondere Ist es ausschliesslich Sache der Leser, die in Inseratenteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben religionsgesetzlichen Charakters anf Ihre Zuverlässigkeit zn prüfen. DM Jtiiar eine kleine Messerspltse voll MM m Wernen Breuer’s TO3 Approblrtem Caffe-Surrogat auf 1 Lot Kaffee erzeugt ein unvergleichlich schönes Getränk u. erspart die Hälfte Bohnenkaffee. Rituell hergestellt unt. ftänb. Aufsicht Sr. Ehrw. d. Herr« Rabb. Dr. Wolf. -Cöln. (5686 Vertrieb b. Juda Holt st ein» Cöln, Eygelbertstraße14. St. Moritz Bad. . (Ob. Engadin, Schweiz) uso Pension. eröffnet' am S. 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