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Der Israelit · 1907-05-16 · Heft 20 (16.5.1907) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 20 (16.5.1907)
Date
1907-05-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Frankfurt a. M.. 16. MaIIS07. 3. Staffln 5667. Der Israelit crlcheint je-en Donnerstag. NXnnaneent-: Gewöhnliche Ausgabe Mk. 1.50 vrertetzährlich, HestauSgave auf Kunfldrvckpapier Ml. 3.— vierteüsthrkch- (Unslandsprrike für die chstvKhNliche Ausgabe: Oesterreich st Lr., RnUayd 1 Hub., England 2 sh., Amerika 50 cts., Niederlande 1,20 fl.) Abonnements bei allen Postanstalten. Buchhandlungen, sowie direkt bei der jtzk-HdtziD», HestanSMe. nWf direkt. Zstesmttttr: 30 Pfennige für die sechsgcspaltene Colonel-Zeile; Rabatt nach Tarif. Jnseratenannahme nur düvch H-a sfen ste r'rr«. Jo g le'r L.-W. « de» A. >. liiftiiftftt ÄKlSRAt»* T8605. . Kraokfurt a. M. und der« Klücke«. - 48. Jahroang. m ■„ Va Wd^pV» i3Ti OOitV n^Kn □'“Din "»MM« WTfiD ^nK 1)212 -p nm7 an -ura1? ' Wenn die Wochen und. Tage gezählt sind, die vom Feste des „Freiwerdens hinanführen, zum Tage des „Gesetzes" dann sammeln sich nach alter Sitte die Männer des jüdischen Bolkes in nächtiger Stunde in kleinen und großen Kreisen, zu gemeinsamem geistigen Vollbringen, und während draußen untern» sternenbesäeten Himmel Blüten und Käfer, Wald und Flur die Liebeswunder der Sommernacht an sich erleben, zieht drinnen in der Stille des Lehrhauses der Mikrokosmos des Sinaigesetzes von rVßWQ'fctö Ww Sa 'Vyht von der ersten bis zur letzten Mischna an dem geistigen Auge der Lernenden vorüber — eine Welt des Lichtes und der Wärmevoll lebenweckender, lebenspendender Sonnenpracht. Und doch vollzieht sich nicht im Dämmerlicht der Sommer nacht recht eigentlich die Gedächnisfeier des gewaltigen Momentes, da „Gott vom Sinai eintrat und aus seiner Rechten das jüdische Volk sein zmp Gesetz gestaltetes Weltenfeiler empfing.""' Wenn der Morgen heraufzieht uub in lichtdurchfluteten, blumengeschmttckten Gotteshäusern das alte, einfache, schmucklose Thorawort ertönt, werln in den nüchtern-klaren, scharf accentuierten Klängen der überlieferten Tonweisen der Sinairuf ans jüdische Ohr und ins jüdische Herz dringt r— d a n n soll der Jude sein "in iöyo mit jedem Jahre neu erleben, dann sich .prüfen,- ob — nach des Maimonides tiefem Wort — auch s e i n e Seele ben große»» Tag am Sinai geschaut lind als ewiges geistiges Besitztum envörben hat. Was am Sinai uns geschenkt ward, die N o r m und der M a ß st a b des s i t t l i ch e ll Handelns, das kanll nur mit wachem, taghellem Geiste erfaßt, nurim vielgestaltigen Leben der Tat verwirklicht werden. Nicht umsonst hat uns der weise Brauch der Väter in den Sefira- Wochen gerade die Bücher zur besonderen Anetgnuüg^gereicht, die — wie»Wb ,hiaK 'pis usw. — die jüdische Ethik im engeren Sinne in sich bergen, Bücher, die nicht den Neberschwang allgemeiner relig i öser Wärme wecken, sondern viel mehr mit einer geradezu ersinderischen, unbarm herzigen Gründlichkeit alle Schliche und Pfiffe des jnn "»2', in welcher Gewandung er auch einherschreite, aufzudeckeil verstehen. D e n F rü h ling der Seele, die Aufkehr zu Gott, dis hatte uns schon der Peßach gebracht, lllld auf den Schwingen des Liedes der Lieder war Lenzesluft llud bräutliche Liebe zu Gott in den Kreis unseres gottesdienstlichen Lebens eingezogen. Sollte es aber Sommer werden, dann galt's in siebenfältigem Ringen den Weg hinanzllschreitell, der von der gefühlsmäßigen Erfassung der Gottesnähe hinaufführt zu dem, was dem Juden das Höchste bedeutet, zur E rfüllung der sittlichen Norm, zur Erfüll u n g d e s G o t t e s w i l l e n s. Das Ringen um eine zureichende Begründullg des Pflichtbegriffes, ohne den keine Ethik auskommen kann, und der doch dem modernen lviffellschafttichell Erkennen unter der Hand ills Bodenlose gu versinken droht, das Ringen um ein in geistiger Hoheit festgegründetes Sittengefetz, um ein sittliches Sollen.und Nichtsollen — das lst's, was aller philosophischen Arbeit der Gegenwart eine atemlose Spannung verleiht, und was zugleich die Behauptung der christlichen Heileslehre aä absuräum führt, die durch den Glauben — vom Gesetze erlösen wollte. Nein, und abermals nein. Die Menschheit dürstet nach dem Gesetze, nach der Alles tragenden Lebensnorm, die dem frei sie Erfiillenden höchste Seligkeit gewährt und das kleinlichste Lebenswerk einfügt in den großen zielstrebige»! Entwicklungsgang des Weltganzen. Weil vor dem flammenden Sinai der Gedanke der absolut e n. s i t t l i che n No r m, der Pflichtbegriff in seiner schärfsten Prägung die göttliche Wardeiung empsing, weil dort ein ganzes Volk über die Zweifel des Philosophems und über das Halbdunkel der Volkssitte hinaus hineingehoben wurde in das Reich der reinen, von Gotteserkenntnis getragenen S i t t l i chEe i t — darum schwinden dem Blicke unsrer Weisen die einzelnen Inhalte des weltenerschütterntzer Zehnwortes zu einem einzigen Gotteswötzt zusamnieu-'ilüd strahlend erhebt sich über den einzelnen Lichtsätzen der Gesetze, die Tatsache der Gesetzgebung, die Ätsache der göttlichen Adelung des Pflichtbegriffes. Und darum verstummte alles Lebendige und darum jubelten Bölkerkönige, als die Sinaiblitze durch den Weltraum'zuckten und Israel seinen großen Gang durch die Jahrtausende arttrat, Siegelbewahrer und Fackelträger für die irrenden, suchenden Gvtteskinder hienieden-> KochnmmW«. r Sabbafh-Verbflnöe in 6ng(an9 u«9 Ungarn. Zwei gute Botschaften hat uns der Siwarr- Neumond aus West und Oft gebracht: die bath Observance Society der Mglischen Unions har chiffchlsfferk^^ihren Musge erweitern und sich in eine allgemeine Trades- Sabbath-Observance-Society umzuwandeln, und in Preßburg veröffentlicht soeben ein vorbereitendes Komitee das Programm zur Gründung einer ungarischen rov '7VV man. lieber beide Vorgänge finden unsere Leser Genaueres im Nachrichtenteil. Hier gilt es auf einen wichtigen Gesichtspunkt hinzuweisen, zu deffen Erörterung sowohl die Entwicklung der englischen Sabba:hbewegüng als die Bereinsgründung in Preßburg zwingende Veranlassung gibt: auf die Frage nämlich nach der besten Organisation der Sabbath-Vereinigungen. Gerade den praktisch erfahrenen und nüchtern denkenden Männern der Tat, die in der Regel den Anstoß zur Gründung der Vereine geben,scheint es oft zweckmäßig,besonders v o rsi cht i g vorzugehen. Sie gründen zunächst einen Lokalverein oder sie schränken die Tätigkeit des Vereins auf bestimmte Zweige des beruflichen und öffentlichen Lebens ein. Bei gutem Erfolge, so wird argumenttert, könne der Rahmen unschwer erweitert werden. Und doch ist diese Auffassung unrichtig. Zunächst muß bedacht werden, daß es durchaus nicht immer ohne weiteres gelingt,

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