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Der Israelit · 1907-05-09 · Heft 19 (9.5.1907) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 19 (9.5.1907)
Date
1907-05-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
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9. Mai 1907. 25. Ijar 5667. M 19. sranmurf a. In 48. Jahrgang. Bb Cenfralornn jQrto irflnfact Jiuniu Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Abonnements r Gewöhnliche Ausgabe Mk. 1.50 vierteljährlich, Hestausgabe auf Kunstdruckpapier Mk. 3.— vierteljährlich. (Auslandspreise für die gewöhnliche. Ausgabe: Oesterreich S Kr.; Rußland l Rub., England 2 sh., Amerika 50 cts., Niederlande 1,20 fl.) Abonnements bei allen Postanstalten» Buchhandlungen» sowie direkt bei b« Elch^djtion. HeftauSgabe nur direkt. Inserate: 30 Pfennige für die sechsgespaltene Colonel-Zeile; Rabatt nach Tarif. Jnseratenannahme nur durchHaasensteinu^Boglelr b«« K. äs. PoW-arLaHe Wien ff». 79605. . Frankfurt a. M. und deren Filialen. gattfe, bei dem K Postfparkofftzr^ltPu^^st^Mp^V^S^ Mir Htttn um umgeheu de Etu feuduug der «och rückftaudigeu Adouuemeutsiretrage für das!. ««dH. Quartal. Unsere Abonnenten in Oesterreich-Ungarn bitten wir sich unserer bei der K. K. Postsparkasse Wien (Cto.-No. 7» 605) und bei dem K. Postsparkassenamt Budapest (Cto.-No. 18424) errichteten Conti bedienen zu wollen N«rt«, „Israrltt", v.«. b. #. mmm €in Ruf an Badens Wische Männer. Während in Hessen und Preußen, den bisher von den Segnungen eines hochmögenden Oberrats noch unberührten Ländern, die Kriegsstürme einstweilen schweigen, die der Ausblick auf die Schaffung einer solchen Oberbehörde Mte, bringt in Baden jeder Tag neue Zusammenstöße^zMschen den Organen der badischen Zwangsreligion und den Vertretern des überlieferten Judentums. So lehrreich die eingehende Betrachtung dieser einzelnen Skandale und Skandälchen für die Naturgeschichte des badischen Systems sein würde, so scheint es uns heute doch noch nicht an der Zeit, dem großen Publikum die verschiedenen Ereignisse jungen und jüngsten Datums zu unterbreiten, die uns von unseren Korrespondenten in Baden gemeldet werden und die auch ohne unser Zutun die Oeffentlichkeit noch werden beschäftigen müssen. Daß indeffen der badische Oberrat mit seinergroßen Gebetbuch-Aktion, mit dem Feldzug gegen den bösen „Israelit" und dem feierlichen Scherbengericht über den Mosbacher Rabbiner sich als ein Teil von jener Kraft bewährt hat, die stets das Böse will und stets das Gute schafft — diese Tatsache tritt mit besonderer Klarheit in dem erfreulichen Erwachen lebendigen jüdischen Bewußtseins zutage, wie es sich in der Gründung und noch mehr in der Entwicklung des wackeren „Vereins zur Wahrung des gesetzestreuen Judentums in Baden" dokumentiert. Es gehörte wahrlich Mut dazu, inmitten einer im Banne hundertjähriger Synodalherrschaft erstarrten Umgebung das Panier des alten, freien, auf die religiöse Kraft des Individuums gestellten Judentums zu entfalten, und sicherlich hat man in den Regionen der „gebildeten" Oberrats-Neologie anfangs denn auch mit überlegenem Lächeln auf die Mänuer herabgeschaut, die so kühn waren diesem totgesagten alten Judentum in badischen Landen neue Heimstätten erobern zu wollen. Inzwischen hat das Lächeln um die Lippen der administrativen und Pastoralen Regenten der badischen Judenheit anderen, zwar weniger freundlichen, aber für den Verein jedenfalls ehrenvolleren mimischen Kundgebungen Platz gemacht: Man haßt den Verein und bekämpft seine Leiter. Und doch ist es nicht die Schuld des jungen Vereines, wenn sein Werk friedlicher Eroberung im Kampfe mit den „geordneten Organen der Landessynagoge", im Kampfe mit dem Oberrat und der Religionskonferenz durchgesetzt werden muß! Es ist der alte Kampf des Geistes gegen die Schablone, des Urwüchsigen, Volkstümlichen gegen das künstlich ausgedachte System einer religiösen Hierarchie, den der Verein zu führen unternehmen mußte, wollte er die Bahn frei machen für ein Wiederaufblühen echten jüdischen Lebens. Daß der Verein seine Aufgabe klaren Blickes erfaßt hat, das zeigt ein von ihm in dieser Woche an alle badischen Juden versandtes Schriftstück, dessen ruhiger, sachlicher Ton von den nervösen Synodaldebatten in außerordentlich wirksamer Weise abfticht, und das als ein historisches Dokument in dem Kampfe zwischen Neologie und überliefertem Judentum hier wiedergegeben zu werden verdient. Das Rundschreiben, dem eine Reihe von Anlagen beigefügt sind, lautet: Sehr geehrter Herr! Im Mittelpunkte des Interesses steht seit Monaten der Entwurf eines neuen Gebetbuches welchen der badische Oberrat herausgegeben und zur öffentlichen Diskussion gestellt hat. Wir unterbreiten Ihnen beifolgend eine Anzahl von Gutachten hervorragender Rabbiner Deutschlands, die zwar verschiedenen Richtungen angehören, aber in der Gegnerschaft gegen das oberrät liche Gebetbuch einig sind. Das Urteil, welches dem badischen Gebetbuch in diesen Gutachten sowie auch in den Aeußernngen der verschiedensten P eßorgane gesprochen wird, ist ein geradezu vernichtendes. Das Gebetbuch bedeutet nicht nur eine Lengnnng wichtiger Grundsätze des überlieferten Judentums, ein Aufgeben deffen, was unsere Bäter mit ihrem Herzblute verteidigt haben, es ist auch in ästhetischer und namentlich in pädagogischer Hinficht als ganz und gar mißlungen zu bezeichnen. Dabei verrät es einen solchen Mangel an jüdischem Selbstbewußtsein, eine solche silavische Rücksichtnahme auf ungerechtfertigte Angriffe der Judenfeinde, daß es eine Selbsterniedrigung der badischen Juden wäre, wenn fie ein so cheS Buch in Synagogen wd Schulen etnführen würden. Das Gebetbuch wimmelt ferner von verwirrenden Widersprüchen, sodaß Orthodoxe und Anhänger der Reform es in gleicher Weife bekämpfen müssen. Mn Borzug, den es allerdings befitzt, ist der billige Preis, und das ist auch ein Lockmittel, mit welchem man die Gemeinden für das Gebetbuch zu gewinnen hofft. Aber sollte wirklich die Ersparnis von ein paar Pfennigen genügen, um die badischen Juden zur Verleugnung ihrer Glaubensgrundsätze, zur Annahme eines dem jüdischen Empfinden geradezu ins Geficht schlagenden Gebetbuches zu veranlassen? Wir find überzeugt, daß fie ein solches Anfinnen mit Entrüstung zurückweisen werden! DaL Schlimmste bei der ganzen Aktton des Oberrats ist aber die damit notwendigerweise zusammenhängende Bedrohung der Gewissensfreiheit. Wenn man auch immer und immer wieder betont, daß die Gemeinden nicht gezwungen werben könnten, bas Gebetbuch einzuführen, so bedeutet doch die geplante Einführung in den Schu en einen drückenden Gewissenszwang und eine gewaltsame Beeinfluffung der Jugend im Sinne der Reform. Das Gebetbuch wird Zwietracht und Streit in die Gemeinden tragen! Während die Angriffe der Antisemiten uns dringend dazu mahnen, in unserer eigenen Mitte wenigstens den Frieden zu wahren, wirft der Oberrat in Gestalt dieses Gebetbuches einen Zankapfel unter die badische Judenheit, der sie in zwei feindliche Lager zu spalten droht. Neben den Aeußerungen von mehr als hundert in allen Teilen Deutschlands amtierenden Rabbinern, die sich den ' beifolgenden Gutachten durch Unterschrift angeschloffen haben, find uns nachträglich noch verschiedene Gutachten zugeganaen, von denen wir noch das des Dozenten an der Berliner Hochschule, Herrn Rabbiner Dr. Baneth, hier zum Abdruck bringen konntendie übrigen wollen wir nach und nach in den jüdischen Zeitungen veröffentlichen. Mancher wird es vielleicht bestemdlich finden, daß unter den Gutachten die gesetzestreuen Rabbiner Badens, die es doch zunächst angeht, fehlen. Wer jedoch die inneren Verhältnisse der'badischen Judenheit kennt, der wird sich -nicht wundern, daß wir es in Anbetracht der Stellung, die der badische Oberrat den Rabbinern anweist, vorgezogen haben, ihnen den Konflikt zwischen ihrer Gewiffenspflicht und ihrer Stellung als „Beamte" der Landessynobe zu ersparen. Wir haben es deshalb unterlaßen, sie zur Abgabe eines Gutachtens aufzufordern, obgleich wir wißen, daß fie sachlich mit den vorliegenden Gutachten vollkommen übercinstimmen. Ueber die Auffassung, die der Oberrat und ihm nahestehende Shnodalabgeordnete von der Stellung der Rabbiner hegen, haben die Verhandlungen der letzten außerordentlichen Synode genügende Klarheit gebracht. Ein gesetzestreuer Rabbiner der Landessynode hat es gewagt, die wissenschaftliche Beilage einer Zeitschrift zu redigieren, welche in ihrem redakt onellen Teil den Oberrat wegen seiner radikalen Reformrichtung bekämpft. Und dies hat man zum Anlaß genommen, um diesen an jener Polemik selbst notorisch völlig unbeteiligten Rabbiner, obschon er abwesend war und sich nicht verteidigen konnte, in einer Weise anzugreifen, die das Mißfallen aller gerecht Denkenden erregt hat. Herr Geh Oberregierungsrat Mayer, der solche Angriffe gegen einen Wehrlosen richtete, hat in diesen Synoda.Verhandlungen zugleich auch die badischen Anhänger des gesetzestreuen Judentums derart verunglimpft, daß wir uns zu einem öffentlichen Protest veranlaßt sahen, deffen Text wir Ihnen ebenfalls in der Anlage unterbreiten. Das einflußreichste Mitglied des Oberrates hat fich hier als bloßer Parteimann der Reform, nicht mehr als Vertreter des gesamten badischen Judentums gezeigt. 'ma/iäk

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