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Der Israelit · 1907-04-11 · Heft 15 (11.4.1907) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 15 (11.4.1907)
Date
1907-04-11
Page
– (sequence 18)
Language
German
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11. April 1907. WWWWWWW Der Israelit. WWWWWWWWV No. 15. Seite 11. Vorscjngeramte widmen, wenn wir die Ueber- Zeugung gewonnen haben, daß man an maß- Ebender Stelle unseren berechtigten Bestrebungen Verständnis entgegenbringt. Protokoll der II. Generalversammlung des Bundes gesetzestreuer jüdischer Ledrer Deutschlands. Am 27. Januar (Kaisers Geburtstag) fand in der Aula der Realschule der Jsr. Religionsgesellschast die It. Generalversammlung des Bundes gesetzestreuer dein er Deutschlands statt. Trotz der ungünstigen Witterung waren ea. 80 Bundesmitglieder erschienen, viele, darunter unsere treuen Bundesfreunde des Vereins Emden-Oldenburg-Bremen, die am Erscheinen verhindert waren, sandten Begrüßungstelegramme. Der Vorsitzende, Herr Realschuldirektor Dr. Lange, Frankfurt a. M. begrüßte mit herzlichen Worten die Versammlung. Tie Entwicklung unseres Bundes» so führte der Herr Vorsitzende aus, hat unsere Erwartungen weit übertroffen. Ursprünglich aus dem Verein „Jeschnrun" und dem „Unabhängigen Lehrerverein Hessens" bestehend, wurde ihm bald Zuwachs durch den Verein Emden-Oldenburg-Bremen, der seither dem Verbände angegliedert, es nicht mit seinen religiösen Anschauungen vereinbaren konnte, weiter Mitglied dieser Vereinigung zu bleiben. Durch Anschluß dieses Vereins, sowie durch den Beitritt vieler Einzelmitglieder ist im Lause zweier Jahre die Zahl der ordentlichen Mitglieder von 110 aus 175 angewachsen, die der außerordentlichen beträgt 100. Der pekuniären Unterstützung der letzteren ist es hauptsächlich zu verdanken, daß der Bund alle Ziele, die er sich bei der Gründung gesteckt hat, erreichen konnte. Nur die beabsichtigte Einrichtung der Ferienkurse kam nicht zustande. Hervorragende Gelehrte, die Herren Professor Dr. Berliner, Professor Dr. Barth. Herr Dr. Wohlgemut u. a. hattet! sich gern bereit erklärt, die Leitung der Kurse zu übernehmen, allein der gewählte Zeitpunkt ertdies sich nachträglich als ungeeignet, da viele der angemeldeten Teilnehmer sich schließlich um diese Zeit doch nicht frei machen konnten. Sehr bewährt haben sich dagegen die Fortbildungskurse in den Religionswissenschaften, die wir zum größten Teil neu geschaffen haben. Es bestehen solche in Darmstadt, Gießen, Friedberg, Fulda, Wächtersbach, Cöln, Halberstadt, Wittmund, Ansbach, Bamberg, Nürnberg, Diesbeck und Hegenbeim (Elsaß). Für diese Kurse, an denen sich auch Nichtmitglieder beteiligen können, gewährte der Bund eine jährliche Ilnterstützung von ca. 1000 Mark. Von ebenso zufriedenstellendem Erfolg waren auch die in Frankfurt a. M. abgehaltenen Fortbildungskurse im Kantorat unter Leitung des Herrn Oberkantor Pesachowitsch. Seine Aufgabe, die jüdische Schule zu erhalten, hat der Bund glänzend gelöst. Es ist fast alles erreicht worden, was erreicht werden sollte. Fast alle unsere Vorschläge sind angenoinmen, die der gegnerischen Partei abgelehnt worden. In der pädagogischen Beilage zum „Israelit" „Erziehung und Lehre" hat sich der Bund ein unabhängiges Organ geschaffen, das von Herrn Lehrer Ehrmann-Friedberg redigiert wird. Auch unsere Pensionskasse machte befriedigende Fortschritte. Gegen ein Stammkapital von 8000 Mk. und 2000 Mk. Jahresbeiträge ist der jetzige Stand 13,000 Mk. Grundkapital und 4000 Mk. Jahresbeiträge. Diesen günstigen Kassenstand haben wir hauptsächlich unseren außerordentlichen Mitgliedern zu verdanken, denen wir auch an dieser Stelle unseren herzlichsten Dank aussprechen. Der Vorsitzende schloß mit der Bitte an die Mitglieder, auch ihre Gemeinden für die Interessen des Bundes zu erwärmen und hob zur Nachahmung die Gemeinde Fischach (Bayern) rühmend hervor, die als außerordentliches Mitglied unserem Bunde beigetreten ist. Lebhafter Beifall lohnte die Ausführung des Herrn Vorsitzenden. Auf die Verdächtigungen und persönlichen Beleidigungen durch den Redakteur der „Blätter für Erziehung ».Unterricht" ging der Vorsitzende nicht rin. Umsomehr zeigte sich aber unter allen Anwesenden der Abscheu über das Gebühren jenes Mannes, der sich so gern als Wächter der Standesehre aufspielt, in Wirklichkeit aber durch gemeine Verdächtigung und Beschimpfung von Kollegen die Standesehre herabsetzt. Die einmütige Kundgebung für den Vorsitzenden bewies» daß dieser neueste Schachzug, einen Keil zwischen die Mitglieder des Bundes zu treiben, völlig mißlungen ist. Mit Recht konnte Herr Lehrer Hirschberg, Frankfurt a. M. später in seiner Tischrede das feste Zusammenhalten des Vorsitzenden, des Vorstandes und der Mitglieder feiern, das ein gutes Zeichen für das Fortbestehen und Wachsen des Bundes sei. pur mnes kS tfipen tDinir (Schluß folgt.) €orre$poitdenzen u. Nachrichten. Frankfurt a. M., 15. April. Die soeben vom preußischen Kultusminister erlassene „Erste Anweisung zur Ausführung des Gesetzes, betreffend die Unterhaltung der öffentlichen Volksschulen" trifft für das jüdische Bolksschulwesen folgende Verfügungen: Für die jüdischen, sowie für die jüdischchristlichen Volksschulen bleiben die bisherigen Vorschriften maßgebend. Diese Schulen bleiben von der im § 1 statuierten Einführung des Gemeindeprinzips unberührt. Die zu ihrer Unterhaltung Verpflichteten gelten aber als Schulverbände im Sinne des Gesetzes (§ 40). Auf sie finden daher insbesondere auch die §§ 14ff., 17, 18 ff. Anwendung. Bei der Aufstellung des Verteilungsplanes durch die Kreisausschüsse (§ 23) sind sie zu berücksichtigen. Bei der Beurteilung der Leistungsfähigkeit der jüdischen Schulverbände sind die ihnen von den bürgerlichen Gemeinden nach § 40 Abs. 1 des Gesetzes in Verbindung mit § 67 Nr. 3 des Gesetzes vorn 23. Juli 1847 (Gesetzsamml. S. 263zu leistenden Beihilfen zu beachten. Wegen der Grundsätze für die Gewährung dieser Beihilfen wird auf die Erlaffe vom 29. Januar und 11. September 1873 (s. Zentrbl. der Unterrichtsverwaltung 1873, S. 185 und 1874 S. 403) verwiesen. Die Beihilfe ist unter Berücksichtigung der gesamten in Betracht kommenden Verhültniffe (s. § 67 Nr. 3 a. a. O.) in billiger Weise zu bemessen. Die Feststellung der Höhe ist zunächst der gütlichen Vereinbarung der Beteiligten zu überlassen. Falls eine Verständigung nicht zu erreichen ist, hat die Königliche Regierung behufs der Festsetzung zu berichten. Wird der jüdische Religionsunterricht nicht in besonderen jüdischen Schulen erteilt oder wird für seine Beschaffung nicht von den bürgerlichen Gemeinden u. s. f. nach § 40 Abs. 2 Satz 1 des Gesetzes Sorge getragen, wird derselbe vielmehr durch von der Synagogengemeinde bestellte Lehrkräfte erteilt, so haben die Synagogengemeinden nach § 40 Absatz 2 Satz 2 des Gesetzes einen Anspruch gegen die bürgerlichen Gemeinden auf eine Beihilfe, sofern in einer öffentlichen christlichen Volksschule die Zahl der einheimischen jüdischen Kinder dauernd mindestens 12 beträgt. Die Beihilfe ist auch hier unter sinngemäßer Berücksichtigung der im 8 67 Nr. 3 a. a. O. hervorgehobenen Umstände in billiger Weise zu bemessen. Die Feststellung der Beihilfe ist zunächst der gütlichen Vereinbarung der Beteiligten zu überlassen. Wegen Bewilligung staatlicher Unterstützungen an diese Synagogengemeinden bleibt besondere Verfügung Vorbehalten. Bedeutungsvoll an dem Erlaß des Ministers ist die Anwendung der §§ 14ff. u. 17 und besonders der §§ 18 ff. des Gesetzes auch aus die jüdischen Volksschulen. Einzelne Komnientare hatten nämlich die Anwendbarkeit dieser Paragraphen auf die jüdischen Schulen verneint. Der § 18 enthält die Bestimmung.- „Int Falle des nachgewiesenen Unvermögens der Schulverbände zur Ausbringung der Volksschullasten werden ihnen in den Grenzen der durch den Staatshaushaltsetat bereitgestellten Mittel Ergänzungszuschnsse gewährt." Seminarledrer Max Schwarzscdlia. y": Ein Lebensbild, skizziert von seinent ehemaligen Schüler und Kollegen Elias Gut in Cöln. Die Geschicklichkeit eines Lehrers soll darin bestehen, das Jnteresie seiner Schüler wachzurufen und festzuhalten. Alle die zahlreichen Schüler und Verehrer Schwarzschilds wissen es, daß er demzufolge ein sehr geschickter Lehrer war. Zum Schulmann geboren, wie Seipio. zum Feldherrn! Dieses Wort Melanchthons über den bekannten Pädagogen Trotzendorff paßt vollinhaltlich auf unseren so früh vollendeten Meister. Und wenn Lessing vom großen Künstler Rafael gemeint hat, er würde auch ein gewaltiger Maler geworden sein, so er ohne Hände zur Welt gekommen wäre, so kann man diesen tiefen Gedanken mit der nötigen Variation auch auf Schwarzschild anwenden. Seine schwachen Schüler wußten meistens so viel wie die guten Schüler seiner Kollegen. Worin bestand nun eigentlich seine pädagogische Kunst und Tüchtigkeit? Worauf gründeten sich seine großen Erfolge? Mit dem schönen Worte des letzten Propheten Maleachi läßt sich die Frage meines Erachtens am besten beantworten: Diton V5®V2 8Ud: ab n^jn irroi nrvn rm rrnn -jivd nwn mn via 11VO21. „Lehre der Wahrheit war in seinem Munde, Unrecht wurde auf seinen Lippen nicht gefunden, in Frieden und Geradheit ging er mit mir und viele brachte er vom krummen Wege zurück." Bon dem bekannten Hamburger Pädagogen Dr. Nathan erzählen dessen Schüler, er habe als seine Unterrichtsflachen Tauro und Mathematik gewählt, weil beide exakte Wissenschaften 5128 511151 seien, ie Lehrern und Schülern die höchste Befriedigung gewähren. Auch unser Lehrer hatte gerade diese Wissensgebiete in sein Herz geschlossen. Nie konnte er sich mehr begeistern, als wenn er seinen Zöglingen die ewigen Wahrheiten des Judentums oder der Mathematik beweisen durfte. Noch vor 2Jahren bei seinemAbgange vom Seminare betonte er gegenüber einer Deputation seiner ehemaligen Schüler 512256 51181212 N1M1L2O11 ni2ip5l, Rechnen und Geometrie seien ihm stets nur Peripherien oder — nach der anderen Lesart — Beikost zur ewigen Wahrheit der niin gewesen. Und wie er es sagte, hat er es im Leben gehalten iTEEO **S22 8^ P^iy- Ein Lehrer, der eine so gefestigte und hohe Weltanschauung seinen Schü ern jahrzehntelang vorlebt, müßte Großes erreichen se bst wenn seine Leistungen nicht aus der Höhe de modernen Unlerrichtskunst stehen würde. Aber Schwarzschild war gleichzeitig ein Meister der Didaktik und der Disziplin. Wieoft gab er uns Diesterwegs weises Wort „Man diszipliniert durch die Disziplinen" als guten Rat mir auf die pädagogische Wanderschaft! Nicht durch barbarische Strenge, nicht durch drakonische Verordnungen und nicht durch flachsmännische Hausgesetze erreicht man Dirsterwegsche Disziplin, sondern durch — guten Unterricht. Dazu aber gehört vor allempädagogischer Takt einer geborenen Lehrerpersönlichkeit. Eine solche Persönlichkeit war Max Schwarzschild. Baur sagt einmal: „Wer verlangt, daß seine Zöglinge nicht ihrer egoistischen Neigung, sondern höheren Gesetzen pünktlich folgen, muß selbst zeigen, daß er, seine Bequemlichkeit und sein sinnliches Wohlsein vergessend, gewissenhaft seinem Berufe sich weiht, liebend seinen Zöglingen sich hingibt. Der Gehorsam der Schüler gegen einen solchen Lehrer ist dann auch nicht bloß das Unterordnen einer schwächeren Persönlichkeit unter eine stärkere, sondern ein Unterordnen unter göttliche Gesetze, welche im Willen des gewissenhaften Erziehers repräsentiert erscheinen." Wenn man nun erwägt, w i e gewissenhaft Schwarzschild seinen Pflichten nachkam, wie er statt 28 Stunden deren 30 wöchentlich erteilte, sich auch in Leidenszeiten mühevoll zum Unterrichte schleppte, an freien Tagen freiwillig unterrichtete, den schwächeren Zöglinge bereitwilligst Nachhilfestunden gab, so wird man verstehen daß der Gehorsam seiner Schüler kein Kadavergehorsam, sondern ein freier, ethischer Gehorsam war. So hat sich an ihm das Tauroh-Wort bewährt yDW5) D8/ zu welchem unsre Weisen bemerken 2^2V D,»in8W "J21D "|21 5)^2# D8 „Hörst Du auf die St mme Deines Lehrers, dann werdm Deine Schüler gewiß auch auf Dich hören!" Neben dem großen Wissen, dem festen Willen, dem seltenen Unterrichtsgeschicke war es besonders ein sonniger, goldener Humor, der diesen Pädagogen auszcichnete. Jean Pauls Wort: „Heiterkeit ist der Himmel, unter welchem alles gedeiht — Gift ausgenommen", war auch seine Devise. Gar oft erdröhnten die Wände des Lehrsaales von den Lachsalven, wenn der Humor seinen Einzug hielt. In solch vorbildlicher Weise hat Schwarzschild Dezennien lang seines hehren Amtes gewaltet, seinen vielen Schülern ein musterhaftes Vorbild, seinen Kollegen ein treuer Freund und Berater, seinen Vorgesetzten eine sichere zuverlässige Stütze, der Wissenschaft begeisterter Verehrer, der Tauro sr.udig gehorchender Sohn. Max Schwarzschild wurde im Jahre 1818 zu Schlüchtern (Kurhessen) als Sohn des dortigen Rabbiners geboren. Nachdem er die Stadtschule absolviert hatte, bereitete er sich zum Eintritt in das Institut von Dr. Plato in Weinheim (Baden vor und bestand im Jahre 1862 die Aufnahmeprüfung. Im Herbste 1863 siedelte Dr. Plato mit seiner Anstalt nach Karlsruhe über. Nach dem Abgänge von diesem Institute besuchte Schwarzschild das Polytechnikum in Karlsruhe, um Mathemathik und Naturwissenschaft zu studieren. In Hanau bestand er dann die Elementarlehrerprüfung, nahnr zunächst eine Hauslehrerstelle in Amöneburg an und wurde im Jahre 1868 an die Schule von Dr. Lehmann b'Xl nach Mainz berufen. Dr. Plato hatte im Jahre 1867 die Leitang des neugeründeten Lehrerseminars in Düsseldorf übernommen und berief im Jahr 1870 seinen ehemaligen Schüler Schwarzschild zum ersten Seminarlehrer. Mit dem Seminar kam Schwarzschild im Jahre 1874 nach Cöln und nahm im Jahre 1905 nach 25jähriger Amtstätigkeit seinen Abschied, um sich endlich Ruhe zu gönnen, bis ihn am ersten Peßachmorgen dieses Jahres der Tod im sechzigsten Jahre seines Lebens von qualvollem Leiden befreite. Schwarzschild war auch in den ersten Familien Cölns ein gesuchter Mathematiklehrer; Primaner, Studenten, Techniker, Hörer der Maschinen- und Gewerbeschulen suchten seine klaren Belehrungen. Trotz dieser gewaltigen Arbeitslast fand er Zeit, sich seinen fünf Kindern so zu widmen, daß ne gewöhnlich in den Schulen die ersten Preise erhielten und tüchtige Menschen und treue Jehudim wurden, fand er Zeit, die kritischen Schriften KantS gründlich zu studieren und sich an den geistvollen Erklärungen Malbims zu ergötzen. In früheren Jahren, als sein Gehörleiden ihn nicht so sehr störte, hielt er begeisternde Vorträge über Hirschs Pentateuch- und Psalterkommentar. Dem Verein der jüdischen Lehrer Rheinlands gehörte er nur kurze Zeit an; als sich der Verein dem vom D. I. G. B. in die Wege geleiteten Verbände anschloß, erklärte er seinen Austritt. Seine vielen Schüler verehrten ihren bescheidenen Lehrer und Meister in seltener Weise. Dankbar konnte man sich ihm nicht wohl erweisen, da er von Dank nichts wissen und hören wollte. W:r rufen ihm deshalb das jeremianische Hoffnungswort nach: EDI 156jt2^ 12V ED -jmin8^ 511,151. „Es gibt einen Lohn für Dein Wirken und Hoffnung für Deine Zukunft."

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