Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 14 (9.4.1907)
- Date
- 1907-04-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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«eite 3, Rr. 14. Der Israelit. 9. April 1907. orrespondenzen und Mta^richten. Deutsches Reich. Frankfurt a. M. Wir erhalten folgende Hüschrift: „Heidelberg, 31. 3. 07 vl'v. Redaktion des Israelit ' Frankfurt a. M. Mit Bedauern sehen wir, daß sich in den Abdruck unserer Protesterklärung ein Druckfehler eingeschlichen hat, der zu falschen Deutungen unserer Ansichten und Absichten Anlaß geben könnte. Sie werden nachträglich vielleicht selbst gemerkt haben, daß es in Ihrem Abdruck „die inhaltslosen Synodaltagungen" heißt statt: „inhaltslose Synodaltagungen". Wir ersuchen Sie, diesen Druckfehler in -er nächsten Nummer Ihres gesch. Blattes zu berichtigen. Hochachtungsvoll! Verein zur Wahrung der Interessen des gesetzestreuen Judentums in Baden I. A. Dr. Jonas Simon." Köln, 29. März. Der VIII. Zionistenkongreß wird voraussichtlich Mitte August dieses Jahres stattfinden. England. London, 29. März. Eine höchst interessante Debatt^ brachte die jüngst abgehaltene Generalversammlung des Jewish Board of Guardia ns» Bekanntlich befaßt sich diese Hllfsinstitution auch mit der Vermittlung von Lehrlingsstell^e an jüdische junge Leute. Dabei schreibt dy-Mtatut als Bedingung vor, daß die Bewerber solchen Stellen untergebracht werden dürfen, Mnen sie von der Arbeit am Sabbath befreit In der Generalversammlung wandte sich eirr Mitglied, Herr C. Stettauer, gegen Bestimmung und tadelte es, daß der Board ^^lsolche junge Leute, die am Sabbath nicht Mdemn, berücksichtige. Er sprach die Ansicht aus, daß die erwähnte Bedingung beseitigt werden müsse, rmo stellte schließlich den Antrag, daß die Lehrlingsfürsorge mit Berücksichtigung des Sabbath, der sich das Industrial Comitee des Vereins bisher gewidmet hatte, einer anderen neuzugründenden Gesellschaft überlassen werde, während der Board die einschränkende Sabbathklausel fallen lasten solle. Um den Antrag Stettauer entspann sich eine lebhafte Diskussion. Nur einer der Redner jedoch, HerrJ.M. Myers, unterstützte den Antragdie übrigen traten ihm mit aller Schärfe entgegen. Herr I. M. Lissack bemerkte, daß, wenn der Antrag auf der Tagesordnung gestanden hätte, viele der nicht anwesenden Mitglieder erschienen wären, um dagegen zu protestieren. Herr HermannLandau wies darauf hin, daß der Board als eine jüdische Institution seine Existenzberechtigung verliere, wenn er seinen Schutzbefohlenen die Entweihung des Sabbath erlaube. Auch Herr S. .Karet widersprach dem Antrag. Herr M E. Joseph empfahl Herrn Stettauer, denselben rrÜckzuziehen. Er (Joseph) habe zwar im vorigen ^-?die Arbeitsmethode des Industrial Comitee für verbesserungsbedürftig erklärt und eine Reorganisation der Lehrlingsfürsorge verlangt. Wenn er aber damals gewußt hätte, daß die Sabbathklausel dabei in Frage gestellt werden könne, so hätte er lieber geschwiegen. Denn der Sabbath ist eine Sache, bei der ökonomische Rücksichten rz außer Betracht zu bleiben haben. Herr E. Sydney erklärte es für ein Unrecht und einen Widersinn, wenn der Board gegenüber der Beobachtung des Sabbath seitens der Lehrlinge gleichgültig wäre. Herr Arthur E. F r a n k l i n erinnerte an die Opfer, die die aus dem Ausland stammenden Schutzbefohlenen des Board für ihre Religion bringen, es wäre eine Feigheit, wenn man die Heilighaltung des Sabbath als eine unwichtige Sache betrachtete. Uebrigens werde man für keinen Lehrling mehr eine Stelle mitSabbattdisspens mehr bekommen, wenn man Herrn StettauersBorschlag folge Auch derVorsitzende,Leonhard L. Cohen trat Stettauer mit scharfen Worten entgegen. Er erklärte, daß man lange werde warten müssen, bis der Board seine Hand dazu gebe, Lehrlinge in Stellen unterzubringen, in denen sie am Sabbath arbeiten müssen. . Herr Stettauer trat schließlich eine Art Rückzug an und sagte, er habe der Einweihung des Sabbath keinen Vorschub leisten wollen,- er wünsche nur, daß der Board sich nicht nur mit jungen Leuten, die den Sabbath beobachten, befasse. Darauf wurde der Antrag Stettauer nebst einem Amendement, das dazu eingebracht worden war, abgelehnt. Rumänien. Jassy, März 1907. In Jassy hat sich ein aus den Herren M Schnürer, Oberrabbiner Dr. Phil. I. Niemirower, M. Gelber, Dr. K. Lippe, M. Wachtel, Dr. H. Burstin, H. Nelken, Dr. Ph. Blumenfeld, Ed. Löbel, Josef D. Schnürer, Jsr. Blechmann, Dr. A. Steuerman bestehendes Hilfskomitee für die rumänischen Juden gebildet, das folgenden Aufruf erläßt: „Die ganze zivilisiette Menschheit steht unter dem Eindrücke der schauerlichen Ereignisse, welchen Tausende und Abertausende unschuldiger Juden der Moldau zum Opfer gefallen sind. In vielen Städten und Dörsern sind Existenzen vernichtet und Unglückliche, die ohnehin schwer den Kampf ums Dasein führten, ihrer letzten Habe beraubt worden. Kleine Kaufleute sind von ihren geplünderten Läden vertrieben, Handwerkern sind ihre Werkzeuge teils entwendet, teils vernichtet worden. Der Verzweiflungsrus der Obdachlosen, der Hungernden, Gemarterten und Geängstigten und nicht zuletzt der Deklassierten — der Vielen, die beim Gedanken erbeben, daß sie nicht mehr wie bisher ihre Familien werden ernähren können, sondern zum Bettelstäbe greisen müssen — dieser gellende Notschrei muß'ein Echo in jeder fühlenden Menschenbrust finden. Die Träne des Mitleids muß sich in eine kräftige Tat umsetzen, wenn sie erlösend, schmerzlindernd und befreiend wirken soll. Vom Schauplatze des entsetzlichen Unglückes aus ergeht daher an alle Edelgesinnten, deren Herzen für Humanität und Menschenliebe schlagen, die dringende Bitte, Samlungen zu veranstalten und so rasch als möglich die einlaufende Beträge an das gefertigte Hilfskomitee gelangen zu lasten, welches sich heute hierorts für den Kreis Jassy und die angrenzenden Bezirke konstituiert hat." Türkei. Prtoamiegramm des „Israelit“. Vom Großrabbiner der Türkei, Rabbi Moses Hallewy in Konstantinopel, erhielten wir folgendes Telegramm: Konftantinopel, 29. März. Der durch Kaiserliche Ordre zum Wakil Grand Rabbin von Jerusalem ernannte R. Elia Panigel bittet um schleunige Hilfe für die Armen in Jerusalem. Geldsendungen zur Linderung der traurigen Lage der Armen wolle man an Banquier Valero in Jerusalem senden. Zm Jabrzeitstage Dr. Cetotiaitns. rar ♦ 8v Am gestrigen Tage, dem 24. Nissan, waren es fiebzehn Jahre, daß der Begründer dieser Blätter von hinnen gerufen wurde. — Die Erinnerung an unsere Heimgegangenen Großen ist uns in vieler Hinsicht gewinnbringend. Die Vergegenwärtigung ihres Vorbildes, die das Streben es ihnen nachzutun anregt, ist ebenso nützlich wie das Aufschlagen einzelner Blätter der Geschichte, dte sich während ihres Eroenwal'ens abspielte. Zur Zeit der Lehmann, Hirsch, Hildesheimer, Bamberger konnte die „Reform" — so nannte sie sich ja wohl noch damals — oft mit großem Erfolge im Trüben fiichen. Die Untreue gegen das jüdische Gesetz ging nur allzu häufig mit einer gründlichen Erneuerung oes äußeren Menschen Hand in Hand. Die gesprengte staubig-dumpfe Ghettoschale streiften die Gesetzesverletzer schneller als die anderen ab. Kleidung, Sprache und noch manches andere nahmen sie von der Umgebung rascher an, als die auch in dieser Beziehung konservativeren Elemente der Judenheit, und deshalb konnte der Hohn und der Spott, der dem Jargon und dem unmodischen Rocke der Alten galt, bei den Unterscheidungsunfertigen als ein Hohn auf die Frömmigkeit selber gelten und sie in das andere Lager hinübertäuschen. Bald lernten aber die dem Gesetz treu Gebliebenen, wenn ihr Sinn auch stets auf Höheres gerichtet war, die unschönen Ueberreste des Ghetto beseitigen und so den Händen der Gegner die billigen Waffen entwinden. Die Lehmann und Genoffen waren bet all ihrem profunden jüdischen Wiffen, das ihren Gegnern abging, moderne Menschen. Mangel an Gefühl für die Umgangssprache, Ghetromanieren konnte ihnen niemand zum Vorwurf machen. Auch die Höhe ihrer weltlichen Bildung und ihres profanen Wiffens, chrer sozia en Stellung und ihrer Liebe zum Frieden vermochte keiner herabzuziehen, und so gelang es ihnen, die Gleichberechtigung der Hüter des Gesetzes mit den anderen zu erzwingen. Daß man aber ttotzdem im and ren Lager auch heute noch mit jenen abgebrauchten Mitteln kämpft und, wie es erst dieser Tage in einem Lande geschehen, das sich anderen Staaten gegenüber so gerne als Mutterland ausgiebt, angesehene Kaufleute, tüchtige Aerzte, Pädagogen, Bankbirektoren u.s.w. als Männer, bei denen genügende Bildung, soziale Stellung und verträgliche Gesinnung schwer zu finden sei, zu stigmatisieren sucht, das macht einen Rückblick auf das Leben jener Großen noch immer nicht überflüffig. Es zeigt uns, daß unsere Gegner doch im Grunde, nichts gelernt und nichts vergessen haben, und daß die „Rückständigkeit", die sie anderen so gerne vorwerfen, gerade bei ihnen ihre Orgien feiert. Wahrlich, die Jahrzeitstage unserer Großen sind für uns nicht r ur ein wehmutsvolles Erinnern, denn wie die Posaunen, die von der Bundeslade her erschallten, die Litauern, die unsere nichtjüdischen Feinde gegen uns aufrichteten, zu sprengen vermochten, so wird auch eine Zeit kommen, da unseren jüdischen Widersachern das Licht vom Sinai aufgehen und der Bruder den Bruder wieder erkennen wird. Bis dahin aber wollen wir uns an der Vergegenwärtigung des Lebens unserer großen Männer aufrtchten und uns von keinem Gegner den Mut rauben laffen, unentwegt für unsere heilige Sache einzutreten. p'Dt "DT- Für de» Reklameuteil ist die Redaktion nicht verantwortlich: insbesondere ist es ausschliestlich Sache der Leser, die im Reklameteil enthaltene» Empfehlungen ritueller Ware« oder sonstige Angabe« religionsgefetzlichen Charakters auf ihre Znverlüsfigkeit z« prüfe«. Kaiser Friedrich Quelle 6346) Offenbach a. M. „Gegen Gicht n. Rheumatismus bewährt.** Natürlicher X Biliier Saierkrin diätetisches Tafelwasser erfrischend - wohlschmeckend - SOUf reine ITafurfüllung in Vi u.1/, ¥1. überall erhältlich. Hauptniederlage in (6687) Frankfurt a.M.bei H. Kölsch Nfachf., Rebstock 1. Der April ist von Alters her schlecht berufen, da seine LaunenEaller Welt gefährlich werden und zahllose Erkältungen, aus denen ernstere Komplikationen entstehen können, Hervorrufen. Alle Einflüffe der Witterung aber schaden dem nicht, der sich vernünftig kleidet und vor allem nie ohne Lays ächte Lodener Mineral- Pastillen ansgehl. Segen Erkältungen immer ächte Sodener — das kann man fich nicht genug einprägen. „Lays ächte Sodener« kauft man für 85 pfg. die Schachtel in jeder Apotheke, Drogen- oder MineralwafferhandluNg. I« dem dieser Nummer beiliegende» Spendender' zeichnis des Herr« Dr. Salvendi wird auch daN Herr» Dr. SoewenÄein-MaSdach Ader die Gaden für eine a««^ «raut anmfeirt. , iS-tT •>iV * I üii