Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 14 (9.4.1907)
- Date
- 1907-04-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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. 13, S. 17 — 20 folgen erst hinter Nr. 14, S. 2. Der Israeli 48. lahrgang. Ein Centralorgas Nr das artfcodaxe Jidndin lifrtaief m Br. Lekim b IDaiaz mmöbnlitje Ausgabe Mk. 1.50 vierteljährlich, HestmrSgabe auf SmMp^gMOWL H.- Ausgabe: Oeßttreich S QB^Mkt0^^ JbatsiSA 50 ctjau, RW«S4»de l>8ft fl) -ttawmmUfrJkei a» t ..HestMSsübe imr dirxkt. J«fera«: M PfnmlSeW"bie fe^SgespalteNe Tolonel-Zeile; Rabatt »ach Tarif. Jnseratenannahme imr dmch H a< bet 8er §t. K. VoMarkasfe Wie« No. 78808. Frankfurt a. M. und deren Filialen. «*»t» bei de« «. Poftfp, . 8Oj Bhrbapeft! Der Ewriig des Ldacvambascdi. (Bon unserem Correspondenten.) Jerusalem, 9. Nissan 5667. Während der ganzen vorigen Woche herrschte in den jüdischen Gemeinden Jerusalems große Aufregung. Wie ich in meinem letzten Ber chte mitteilte, hatte ein Telegramm aus Konstantinopel uns gemeldet, daß mit der endgiltigen Ernennung des R. Ekiahu Panigel zum Oberhaupt der palästinischen Juden die leidige Chacham-Baschi- Frage zur glücklichen Lösung gekommen ist. Ein zweites Telegramm, das von der Regierung an oen Gouverneur von Jerusalem gerichtet war, beauftragte diesen R. Jacob Meir abzusetzen und terrn Bankier Chaim Valero, der in dieser ache so energisch gewirkt und so viel Ungemach hatte ütes sich ergehen lassen müssen, bis zum Eintreten des R. Panigel als Bakil (stellvertretenden) Kaimakam-Chacham-Baschi einzusetzen. R. Panigel war sofort nach seiner Ernennung von Konstantinopel hierher abgereist.. Valero weigerte sich das interimistische Ehrenamt anzunehmen, weil er kein Chacham ist, und so blieb R. Jacob Meir noch einige Tage im Besitze der AintssieaM Da aber die Gegenpartei seine Amtsführung nicht dulden wollte, so kam es noch kurz vor der Ankunft des Kaimakam zu sehr unmbsaWW. Szenen, uyd es gelang bei der Er- Ntterung^ die.zwischeu^den streitenden Parteien herWte^Wir die Ordnuna aufrecht W erhalten. R. Jacob Javic, Dajan^ und Av- Bet-Din, der auf Seite des R. Jacob M^ir steht, ließ gegen R. Panigel "uiyn;pbpd nwx „ ausrufen, welcher Schritt erst recht Zweifel hervorrief, ob der neuernannte Chacham-Baschi nun in Frieden in Jerusalem einziehen werde. Der Donnerstag verging in banger Erwartung — Tausende von Menschen drängten sich zum Bahnhofe — aber in letzter Stunde traf eine telef raphische Meldung aus Jaffa ein, daß R. Panigel ie Fahrt hierher per Wagen machen werde und Häher erst am Freitag früh um 10 Uhr erwartet werden könne. Schon bald nach Tagesanbruch bemerkte man in Jerusalem, daß etwas Außergewöhnliches vorgehe. Häuser wurden beflaggt. Berittene Polizisten jagten die Jaffastraße auf und ab, wo eine bunte Menge hin und her Tvogte. Fellachen, die von den Dörfern kamen, jodelten vergnügt und erstaunt auf ihren Kameelen. Wagen auf Wagen, von Staatsbeamten, Rabbinern und den Spitzen der Gemeinden besetzt, fuhren nach Mozza — der letzten Station für die Fahrt von Jaffa her — dem Erwarteten entgegen. Die grauen Uniformen der Zöglinge des deutschjüdischen Waisenhauses wirkten beruhigend neben im. ^bMfaMge» Gewändern der Menge. Kurz —. ruf aus tausenden von Kehlen. So * wurde Eliahu Panigel, der als bescheidener, pflichttreuer Talmid-Chacham vor einigen Monaten in Angelegenheiten seiner Gemeinde nach Bocharra ' reiste, von seinen Stadtgenossen — denn er ist Jerusalemer — begrüßt. Die begleitenden Reiter sprengten heran und die Wagen bogen in die großen Tore des Schaare-Zedek Hospitals ein, in dessen hübscher Synagoge auf Ansuchen der sephardischeu Gemeind^ die erste Begrüßung des Rischon-lezion stattfinden sollte. Die Kinder des jüdischen Blindenheims, die hier aufgestellt waren, spielten die türkische Nationalhymne. R. Panigel, dessen schönes nnd ausdrucksvolles Antlitz tiefer Ernst erfüllte, wurde förmlich vom Wagen gehoben und die Menge drängte sich heran ihm die Hände und das Gewand zu küffen. Nach allen Seiten würdevoll grüßend, trat der Kaimakam-Chacham-Baschi in die Synagoge des Hospitals ein, die von Vertretern der Gemeinden dicht gefüllt war. Es wurde eine kurze Begrüßungsansprache gehalten, in die ein herzliches Amen der Anwesenden einstimmte, darauf folgte Gebet und Segen für Seine Majestät den Sultan, den Kaimakan-Chacham-Baschi und den deutschen Kaiser. R. Panigel sagte, er sei tiefgerührt von der Liebe, die ihm entgegengebracht werde, und mit der Bescheidenheit, die den würdigen Mann von jeher auszeichnete, fügte er hinzu, er wisse wohl, daß diese Ehre nicht seiner Person zukomme, sondern ihm als Träger eines Amtes, besten Aufgabe cs sei, die Thora aufrecht zu hätten. Von Militärmusik begleitet fuhren die Wagen dann der Stadt zu, wo der erste Gang des Rischon-le-Zion der zur Klagemauer war. Später empfing er in seinerWohnung die Vertreter der verschiedenen Anstalten. Stundenlang patrouillirte das Militär auf den Straßen, und erst gegen Abend legte sich die allgemeine Aufregung. Morgen Montag findet die Einkleidung in die vom Sultan geschenkte Amtsrobe des Kaimakam- Chacham-Baschi in der sephardischen Hauptsynagoge statt. * * * Jerusalem, 11. Nissan 5667. Die amtliche Einsetzung des Rabbiners Eliahu Mosche Panigel als Kaimakam-Chacham-Baschi Palästinas fand heute statt. Die Vertreter der verschiedenen Gemeinden sowie die Leiter der eerusalemer jüdischen Anstalten trafen sich nach erabredung in der Mittagsstunde im Zentral- Hotel. Jeder der Anwesenden schien den Ernst der Sache zu fühlen. Es herrschte eine feierliche Stille im Saale, als Rabbi Panigel in der mit ^lber bedeckten Amtsrobe — einem Geschenk des Sultans —t geleitet von 6 uniformierten Kawaffen, eintrat. Direkt voxan schritt der Regierungs- I bote, der mit dem Chachanp von Konstantinoprl gekommen war, auf. eiNerDtztte den in eine., goldgestickte, seidene Decke gehüllten Firman des Sultans .tragend. Rabbi Panigel begrüßte gleich darauf die Anwesenden und dann formierte sich der Zug nach dem Serail (dem staatlichem Gerichtsgebäude), wo die offizielle Einfetzmrg durch den Gouverneur stattfinden sollte. Zug, der aus mehr als 10000 Menschen stand, wandte sich durch die engen steilen Ga der Altstadt bis "zum Serail, welches an dH Stätte unseres heiligen Tempels grenzt. Als Rabbi Panigel in die "Rahe des Tores kam, präsentierten die dort ausgestellten Soldaten das Gewehr. Die Zeremonie im Serail im Beisein des Pascha verlief würdevoll. ' Der Regierungsbote enthüllte den Firmanlegte denselben au - Lippen und Kopf und überreichte ihn dem Pascha, der ihn stehend empfing And dem schriftlichen Befehl des Sultans die gleiche Ehrerbie^"^ brachte. Der Firman wurde dann M tär des Paschas, nachdem, dieser ihn ebel küßt, vorgelesen. Der Inhalt war, Sultans Wille sei, daß Rabbi Eliahu Panigel Kaimakam Chacham-Bafchi Pa: werde und daß der erwählte Führer der in der heiligen Stadt zum Segen seiner jü! Untertanen sein Amt verwalte. Rabbi- P sprach arabisch die. vom Gesetz vorgefch Erwiderung, Treue dMr Landesherrn ber ^^enHalästinas versprechen dann ruft klangvoller Stimme -Ä und 'v„ für den Sultan. Mt lierte dem Kaimakam-Chacham-Baschi, und Moccakaffee wurde gereichtdie offizielle ) Zeremonie war zu Ende. Vorn Serail aus wallte die Menschenmaffe zur Jochanan-ben-Sakai« Synagoge, wo Rabbi Panigel seine Antrittsrede in hebräischer Sprache hielt. Auf seinen eigenen Namen „Moscht anspielend, führteeran, wie verzagt Mosche Rabbenu gewesen sei, als ihm die Ausgabe wurde, Führer Israels zu sein — um wie viel mehr müsse er, der unbedeutende und unerfahrene Mann, verzagen. Er hoffe auf den Beistand des Allmächtigen in der Erfüllung seiner schweren und verantwortungsvollen Aufgabe. Am Ende seiner Rede rief er Aaron Chaim Valero vor und sagte ihm, daß er ihn berufe, seine Tätigkeit dem Wohle der Gemeinde zu opfern, — wie Mosche Rabbenu Aaron Hakohen berufen habe, das Korban zu * opfern. Er ernannte ihn sodann zum twn„ "ijnn unter freudiger Bewegung der Zuhörer/ die dankbar das Streben Baleros in der Chacham- Baschi-Frage anerkennen. Gegen 7 Uhr abends sah man oie Massen zufrieden und ruhig noT Hause gehen. Mm