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Der Israelit · 1907-03-14 · Heft 11 (14.3.1907) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 11 (14.3.1907)
Date
1907-03-14
Page
– (sequence 13)
Language
German
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m WWWHWW 14. März 1907 Der Israelit. Ro. 11. Seite 18 lange nicht zu alt vor, um das Mtwenleben weiterzuführen. Korn erschrack heftig und hörte nur noch wie betäubt, daß Frau Wächter ihre zweite noch immer ledige Tochter gerne einem soliden Mann wie Simon zum Weibe geben möchte. Sie wisse, es fehle Leben in Korns Haus und sie könne es ihm nachfühlen, doch dem könne doppelt abgeholftn werden, Beide, Korn und sie, hätten noch Anrecht ans Leben und die paar Daseinstage einsam zu vertrauern, wo man doch zusammen lustig und vergnügt sein konnte, wäre doch reine Narrheit. Endlich hatte sich Korn aufgerafft, um Frau Wächter beizustimmen und wünschte ihr aufrichtig, daß sie und ihre Tochter noch den rechten Mann finden möchten. Flüchtig grüßend eilte er davon. Im Winter starb Jomtof Schiff und einige Wochen darauf legte sich Svrinz eines Tages zu Bett, Um nicht wieder aufzustehen. Still und geräuschlos, wie sie gelebt und wie sich's für ein schlichtes Weib aus dem Volke schickt, das nie in Karossen gefahren, nie glänzende Gesellschaften gegeben oder zu solchen geladen worden war, und den größten Teil seines Lebens nur für grobe Schuster gekocht, geflickt und gewaschen hatte, war sie aus dem Leben geschieden. Von dem zahlreichen Gefolge, das sie auf dem letzten Weg begleitete, blieb nur noch ein kleines Restchen, als der Leichenwagen an den Weinbergen, die offen und öde dastanden, ange'angt war. Unter den vielen christlichen Nachbarn, die mitgegangen waren, befand sich auch Hahnemann in seiner Uniform als Telegraphenbeamter und sein Sohn Franz. Unter den wenigen Frauen, die auf dem „guten Ort" den kleinen, fast ganz zusammengeschmolzenen Zug erwarteten, befand sich Frau Feigel Finster, aschfahl im Gesicht, sah Berez den Sarg seiner treuen Lebensgefährtin unter den hartgefrorenen Schollen verschwinden. Dann wandte er sich an die beiden Eheleute Kahn und an Jechiel und sagte: „Erinnert Ihr Euch an Goldchens Lewaje?*) Da haben wir von Olam habbo gesprochen. Die da," er deutete auf das erst halb ausgefüllte Grab, „die weiß jetzt davon." „Und sie weiß es sicher/ denn hier ist kein Aufhören," bestätigte Frau Feigel fromm überzeugt, „sondern ein Ausgehen in Gott, von dem wir ein Hauch sind." Hahnemann faßte Koppel, der weinend am Grabe stehen geblieben war, unterm Arm und sprach in herzlichem Ton: „Komm, Koppel, tröst Dich und flenn Dich daheim aus/ hier ist's zugig zum Krankwerden." Nur langsam, wie aus ttefer Betäubung, fand sich Berez wieder nach diesem harten Schicksalsschlag, im Leben zurecht. Nun war der Haushalt aufgelöst und ihm blieb nichts übrig, als von nun an am Tische der Schwiegertochter und des Sohnes zu sitzen. Als er daran dachte, würgte ihn etwas im Halse, daß er mit offenem Munde nach Luft ringen mußte. Dann stöhnte er laut auf. Jechiel aber trug sich mit großen Plänen, wie er Berez ganz zu sich ins Haus nehmen könnte, und sie beide, bei reduzierter Arbeit noch mehr beisammen sein könnten wie jetzt. Aber armer Leute Pläne haben breite Gräben zu überschreiten. Jechiels Vorschlag fand bei Berez noch kein Entgegenkommen und es blieb nach wie vor beim Schustern und Schneidern. Der lange Jsak, dem es sett Sprinz' Tod ganz und gar nicht mehr gefiel, kaufte eines Tages einen buntbemalten Holzkoffer, wie ihn nur noch wenige Bauersleute heutzutage haben, Packte seine Habseligkeiten hinein, reichte den Gesellen Jechiels und seinen beiden Meistern Koppel und Berez nochmals die Hand — (Peter und Herzchen kamen bei diesem biederen Druck vor Schmerz die Tränen in die Augen) — und fuhr mit dem Dampfer rheinabwärts, nach Amerika. Koppels Gattin atmete erleichtert auf, als die Männer ohne den Gesellen zurückkamen, denn sie war überzeugt, nur ein schwer reicher Mann könne Jsak satt füttern. Im Stäbchen ging alles seinen gewohnten Gang. Die Leute, die durch dieselben Gaffen gingen, sich grüßten oder einander achtlos übersahen, lebten ruhig weiter, bis auch sie in den langen Reihen dicht zusammengelegt wurden/ reich, arm, alt und jung, gleichviel ob sie sich zuvor gegrüßt oder übersehen, einander geehrt oder verachtet, gehaßt oder geliebt hatten. Im ewigen Wechsel aller Dinge ist Geborenwerden und Sterben das einzig Beständige. Andere kamen und die Toten wurden früher oder später vergessen — und nur die Lebenden haben Rechte bei den Lebenden / den Toten gehört nur das Grab. (Fortsetzung folgt?, « o-a inderecke. „Das war ja gar kein IMrdien“. Glühend versank der Sonnenball im Meere. Ich saß mit meiner Schaar, ungefähr 60 Kindern auf der Düne des Kolberger Strandes. Unverwandt waren unsere Augen auf das herrliche Schauspiel gerichtet. Dann und wann schob sich ein liebes Kinderhändchen in meine Hand und blickten ein par Strahlenaugen noch schöner als die Sonne zu mir auf. ra drängte es mir so heiß zum Herzen, daß ich dankbar zum Allvater aufschauen mußte. — Der Krankenschwesternberuf hatte mich, trotz der zwei Jahre, die ich ihm erst angehörte, schon so viel Trauriges sehen lassen, — so daß ich mit diesem Sommerdienst an der See überglücklich war. Und war mir nicht hier auch eine hohe Aufgabe gestellt? So viele Mütter vertrauten mir ihre Lieblinge an, — und sie sollten sie auch genießen, diese vier Wochen Ferien, an der schönen Ostsee. Die Kinder der Armen, die das ganze Jahr hindurch wenig Freude hatten, die vom Glück Enterbten. Wie -ein heiliges Gelöbnis stand es in mir fest, den Kinderchen so viel Liebe zu widmen, daß sie noch lange an die schönen Kolberger Tage denken sollten. Keine Mühe ließ ich mich verdrießen, und wenn ich noch so müde war. Ein Blick in solch unschuldiges, süßes Kindergesichr, und vergessen war jedwede Abspannung. — Die Sonne war nun ganz untergegangen. Ein kühler Hauch wehte vom Meere herüber. Ich mahnte zum Aufbruch. Da erhob sich ein wahrer Sturm unter den Kleinen. „Schwester, liebe, gute Schwester, erst erzählen Sie uns noch ein Märchen. Bitte, bitte!" Auch meine zwei Backfische, wovon die eine noch nicht ganz 15 Jahre, die andere aber schon 16 Lenze zählte, mit) die angaben, ohne die Schwester nicht mehr leben zu können, verlegten sich auf's Bitten. Es half nichts/ wenn es nicht zu spät, und meine Lieblinge der kühlen Nachtluft ausgesetzt sein sollten, so mußte ich schnell erzählen. Na, denn zu, ihr Tyrannen! Also, es war einmal ein kleines Mädchen, das war lieb undaut zu Jedermann. Ganz besonders liebte die kleine Sara ihre Eltern und Geschwister. Aber sie hatte auch einen großen Fehler. Sie konnte sehr hefttg werden und wollte keinen Tadel leiden. Eines Tages nun, es war im Winter, sollte Sara einen Mantel anziehen. Sie wollte nicht. Gestern hätten alle kleinen Mädchen keinen Mantel angehabt, und sie wolle auch keinen anziehen. Da gute Worte nichts nützten, erhielt die Kleine eine Züchttgung. Nun schrie sie und stampfte mit den Füßen. Abends verweigerte sie der lieben, guten Mutter den Gutnachtkuß, und wollte ihr „Hamalach Hagauel" nicht beten. — In derselben Nacht wurde die Mutter der kleinen Sara schwer krank. Wochenlang durfte diese das Krankenzimmer nicht betreten. Und Wochenlang schwebte die geliebte Mutter zwischen Leben und Tod. Da ging denn die kleine Sara hinaus unter den fteien Himmel, und betete zum lieben Gott, „Er möchte doch ihr einziges liebes Mütterchen wieder gesund machen, sie wolle auch nie wieder versäumen das „Hamalach Hagauel" zu beten. Und auch nie wolle sie wieder so trotzig zu ihrem geliebten Mütterlein sein." Und der liebe Gott erhörte das reuige Kind. — Die Mutter genaß. Es war an einem Freitag abend, als sie zum erstenmale aufstehen durfte. Und als nun Mütterchen in die hellerleuchtete Sabbatstube trat, da sprang die Kleine ihrer Mutter entgegen, nahm unter heißen Tränen ihre Hände, küßte sie, und sagte: „Liebe Mutter, bensch' mich." Als das geschehen war, schlang sie beide Arme um der Mutter Hals und sagte: „Ich will dich nie wieder betrüben, lieb' Mütterchen." Und sie hielt Wort, und ist ein tüchttges braves Menschenkind geworden. Ihren Eltern und Allen, die sie kannten, zur großen Freude. Als ich geendet, lautlose Sttlle. Leise plätscherten die Meereswogen. — „Schwester", sagte ein neunjähriger Knabe, „das war ja gar kein Märchen, aber schön war's, was Sie erzählt haben." Und er reichte mir seine Knabenpatschhand, die ich herzlich drückte. Wie im Chorus riefen jetzt Alle durcheinander, Schwester, wir werden immer zu stacht beten. Und nie hastig zu Mutter sein. — Nicht wahr? „Ja, wohl meine lieben Kinder",sagte ich," ihr habt Schwester gut verstanden." Und dann traten wir den Heimweg an und sangen ein frohes Lied zu unserem Marsche." Und wieder ging's wie Beten durch mein Gemüt. — Es gibt nichts Besseres als unter Kindern weilen dürfen. Treirag'Jtotnd. (Zu dem gleichnamigen Oppenheimschen Bilde.) Mir ist, als zögen Engletn licht, Durch diesen Raum voll Duft und Licht. — Wie ist so reich gedeckt der Tisch! Es fehlt nicht Tatscher, Wein noch Fisch. Die Löffel, Gabeln, Gläser, Teller Erglänzen in dem Licht noch Heller, Das von der Sabbatlampe scheint. Die mit den Kerzen all' vereint Festlich der Stube Raum bestrahlt, Im Spiegel auch gar traut sich malt. — Da öffnet sich die Tür — herein Der Vater kommt, und hinterdrein Ein „Orach" mit bescheidnem Tritt, Den bracht' .aus Schul" der Vater mit. Ihn lud er zu sich ein ins Haus, Daß er sich lab' am Sabbatschmaus. Die lieben Kinder mittlerweile, Sie laufen nun, in stoher Eile, Dem Vater bis zur Tür entgegen. Um zu empfangen seinen Segen. Den spendet, frohbeglückt, er ihnen, Und selig strahlen seine Mienen. Er dankt dem Vater aller Menschen, Daß gute Kinder er darf „benschen". Die Mutter schauet lächend zu, Sie fühlt das Glück der Sabbatruh'. Sie hatte heut' so viel zu tun; Nicht konnten Händ' und Füße ruh'n. Der Säugling auch, auf ihrem L choß, Er will ja seine Nahrung bloß, Um drauf — denn lieb ist er und brav - Zu finken in den Sabbatschlaf. — O Bild des Friedens, Sabbatruh', Wie tilgst so manchen Kummer du! Wie hast du, heil'ge Segensmacht, So viele Freude schon gebracht! Drum wollen wir uns stets bekennen Zum Schabbos, ..unsere Lust" ihn nennen. Dem Herrn sei Dank dafür geweiht Bon nun an bis in Ewigkeit.

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