Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 11 (14.3.1907)
- Date
- 1907-03-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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KtfrMef m ft’.Letiau ftBblaz 48. Jahrgang. Franhfurf a. Hl.. Ben -j|-g jggy' Der JSridM -erschemt jtteu Dvmrerstag. ASomremeirtSr Gewöhnliche Ausgabe Mk. ILO vierteljährlich. HestauSgabe auf SunMruckpapier Mk. S.— vierteliö Oesterreich 3 Lr.. Rußlaud X Ruby «ngtanb 2 sh,( «metila öO cta. 9Hebn<anbe läg.ft) 3öw^emeittfl 6n affen ^ftanftaltcn, |e>^ A-ba»^such!Eto" y ßgkkch H aasen! 7^ ' -Gmtt» Ät *w» Ä. rSlandSpreife stbe Hie sowie direkt b« Tin ». Kogler Unsere verechrl. Postabonuenten VMe» wir «m rechtzeitige Erneuerung des Abonuements zum 1. April er. „ OMWWNWMMMW Wie und Schwert. Bon Bar Menache m. Das Gottesheiligtum in Jerusalem war eine Beute der Feinde geworden. Babylons Macht hatte es zu Grunde gerichtet. Doch auch dieses stolze Weltenreich fiel in Trümmer durch die Meoer und Perser. Gütige Herrscher gestatteten nun den Wiederaufbau des Tempels, ja sie forderten und stützten das Werk, damit es baldmöglichst seinem Ziele entgegenreife. Doch siehe, welch sonderbare Wendung! Bon jüdischer Seite stellte man dem großen Gedanken Hindernisse aller Art entgegen. Spötter und Verleumder traten auf und fistierten zeitweise den Weiterbau. Jahrelang mußte man feiern, wo man so gerne, ach, so gerne gearbeitet hatte! Und war es wiederum gelungen, die persische Regierung günstig zu stimmen, hatte der nichtjüdische Staat die KmizeWon erteilt, Kelle und Hammer eifrig in Bewegung zu setzen zu Ehren des Herrn des und der Erde, so gefchgK^wieder das weg und riß nieder, was -erei^eiHöm-M'''iv«k.'' So handelten die Samaritaner und ihre jüdischen Helfershelfer! Oft versuchte man's auch mit List, schreckte durch Posaunenstoß die Arbeiter hinweg, als gälte es, äußere Feinde abzuwehren, damit die inneren Feinde umso ungestörter ihr Bernichtungswerk auszuführen vermochten. „Und so geschah es, von selbigem Tage an, daß die Hälfte meiner Jünglinge an dem Werke arbeitete, und die Hälfte hielt die Lanzen, die Schilde und die Bogen und . die Panzer. Die Bauleute an der Mauer bauten und die Lastträger luden aufmit einer >and arbeitete man an dem Werke, und die andere rkt die Waffe. Und die Bauleute hatten jeder sein Schwert um die Hüsten gegürtet und bauten. (Nehemia 4). Die Kämpfe beim Ausbau des zweiten Bolksheiligttuns sind typisch geworden für die weiteren Geschicke Israels während der Jahr- . tausende. Immer wurden wir vor die Doppelzu hRuen und dort die abzuweh rem Me Kelle gekehrt. Die Frage blieb und bleibt nur, beide richttg zu bewerten, weder Kelle noch Schwert m unterschätzen oder zu überschätzen. Wenden wir dieser Frage im Folgenden unser Augenmerk zu. Schwert und Kelle stehen zu einander in einem ähnlichen Wertverhältnis wie Mittel und Zweck. Demzufolge ist dem Schwerte eine untergeordnete Bedeutung zuzumefsen, und es muß immer als verhängnisvoll angesehen werden, will man das Schwergewicht verschieben oder gar vertauschen. Der Bau bleibt die Hauptsache, das Bauen die Haupttätigkeit, und die Kelle steht über der Waffe zur Abwehr. W o nichts gebaut wird, was soll da verteidigt werden? Für jeden ©fort ist der produzierende Bauer wichtiger als der glänzende Wehrstand. Jener schafft wirkliche Werte und ist unmittelbar nutzbringend. Dieser gewinnt erst seine Existenzberechtigung durch den Segen erringenden Nährstand, ist von ihm abhängig, verdankt ihm also auch seine eigentliche Existenzfähigkeit. Die Kelle ist das Primäre, das Schwert das Sekundäre. Die Arbeit der Kelle ist eine mehr stille, sich in friedlichen Bahnen bewegende. Die Kelle wendet ihre Tätigkeit nach innen. Das Schwert ist zum Streiten vorhanden, feinem ganzen Wesen nach grundverschieden von der bauenden Kelle; es richtet seine Spitze nach außen, will abwehren, verwunden, oder mit wohlgezieltem Streiche niederzwingen. Und dennoch , der Lorbeer des Krieges darf im Werte sich nicht ' ntf* rnymbermrschy' er blendet NM Was die stillen Kräfte des Frizens wirken, wird als wahre Kunst dauernd geliebt und bewundert werden. Vor dieser Kunst muß auch das schneidigste Schwert kapitulieren. In dem Sinne hat das Jahr 1866 das geflügelte Wort geprägt: „Der preußische Schulmeister hat die Schlacht bei Sadowa gewonnen." Die Bauleute in Jerusalem waren als Arbeiter größer denn als Streiter, dem Schwert wiesen sie die Linke zu, der Kelle jedoch die kraftvolle Rechte. Ihren Ruhm erblickten sie in dem eifrigen Gebrauch der rechten Hand. „Sie arbeiteten vom Tagesanbruch, bis zum.Hervortreten der Sterne," und wer in diesem friedlichen Wettstreit sich als Meister hervortat, dem reichte man die Krone des Verdienstes. „Den Tag — zur Arbeit, die Nacht zur Wache!" blieb die Losung. (Neh. 4, 16). Die Hauptzeit und die Hauptkraft der Kelle! T^s war auch für die folgenden Jahrtausende unser Losungswort. Wenn man den Riesenbau des jüdischen Schrifttums durchwandert und es unter diesem Gesichtspuntt ins Auge faßt, so bemerA man Tausende rüstig schaffender Meister, die nach den verschiedensten Richtungen mit ihren besten Kräften sich mühten im Dienste des Aus- und Aufbaüs des jüdischen Lehrgebäudes. Namen wie Rabbi Jehuda Hanasi, Raschi, Maimonides und — nennen wir aus neuerer Zeit Samson Raphael Hirsch, find glänzende Sterne am Ruhmeshimmel mfferär Nation. Ihnen gegenüber bleibt verschwinde«- klein die Zahl derer, welche das Schwert zur Abwehr schwangen, und im ganzen unbeachtet^- d. h. doch nicht gering geschätzt — dasjeni diese der Welt an geistigen Gütern ' Kämpfen und Streiten kann nicht . Lebenszweck sein, am allerwenigstenHW lehrers und ThorajüngerS. iök itjjSk -io«:» dVijd "iSfr b'iid D'osn nnsSn Kran Kipn Sk 'iStr 211 'n -nivS yn ^21 1'212 K7K* „Rabbi Elafar sagte im Namen R Chanina's - Die Jünger der Weisen mehren den Frieden in der Weltdenn so heißt es: „Und all deine Kinder find Gelehrte des Ewigen und groß, ist der Friede unter deinen Kindern. Lies nicht „Kindern", sondern „Bauleuten"." — Uftb diesen Ehrennamen wahrten sich unsere Geistesheroen jederzeit. Sie waren vor allem „Banleute" und wollten nichts anderes sein. Ihr Lieblingsgerät war die Kelle, nicht das Schwert. DoH nun die Frage : Kann unsere Mission wirklich nach ihrem ganzen Ausmaß erfüllt sei» mit der Hingabe an die Kelle? Ist nicht das Wer so ftagt, HH »WM rtte Mnen tdWmk Blick in unsere Geistesschatze gsckWen, odüe er mißversteht die Forderung, auch MStreiter aufzutreten mit der blanken Waffe. Die Bauleute in der Gottesstadt waren keine eigentlichen Kriegsleute, nur Verteidiger ihres Lebens und ihres Werkes. Nicht kriegerischer Tatendurst füllte ihre Brust, sondern friedlicher Schaffensdrang. „Der Not gehorchend, nicht dem eignen Triebe", griffen sie mitunter auch zum Schwerteaus dem Maurer warein Soldat, der sich baldmöglichst wieder zurückverwandelte in das, was er gewesen. Nur nebenbei und ausnahmsweise haben wir uns mit dem Schwerte versucht. Wie jedes organische Wesen die Kräfte und Fähigkeiten zu seiner Verteidigung und Forterhaltung in sich trägt, wie die Biene d«t Stachel zur rechten Zeit zu handhaben wrG, so hat das Gottesgesetz dem Juden mit der Kelle zugleich das Schwert in die Hand 'gedrückt. Und in der Tat! Unsere großen Meister haben in ihren Geistesprodukten auch Waffen zur Abwehr geliefert, allerdings nur nebenbei, aber deSts best owe Niger scharf «nd >