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Der Israelit · 1907-03-07 · Heft 10 (7.3.1907) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 10 (7.3.1907)
Date
1907-03-07
Page
– (sequence 13)
Language
German
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7. März 1907 No. 10. Seite 18. Damm» und Phintta» fit der Iüde«s«sse. Bon Arthur Kahn. 571 Nachdruck verboten. Eines Morgens winkte Frau Korn ihren Mann zu sich und sprach lange in leisem Flüsterton mit ihm. Korn nichts zufrieden lächelnd und verließ bald darauf das Haus. Kurze Zeit darauf erschien er in Jechiels Werkstätte, was zuerst großes Erstaunen und dann noch größere Unruhe hervorrief, denn der Schneider glaubte, daß Korn wegen Emils täglichen Visiten und was damit zusammenhing, gekommen und deswegen Szenen machen wollte. Erst als Korn nach einigem Umschweifen den Wunsch aussprach, einen neuen Anzug bestellen zu wollen, trat an Stelle der Unruhe großes Erstaunen. Korn fand es in der Werkstätte, obgleich der Ofen eine unangenehme Wärme auswarf, recht kalt und frug, ob er nicht in der Wobnftube könnte Maß nehmen lassen. Jechiel und sein unverhoffter Kunde gingen nun dahin. Hier saß mit einer feinen Näharbeit beschäftigt Flora am Fenster. Kor« warf beim Eintritt in das Peinlich saubere Zimmer einen prüfenden Blick auf das junge, wie in Purpur erglühende Mädchen und ein befriedigendes Lächeln huschte über sein Gesicht. Inzwischen saß Emil an der Mutter Bett und Mutter und Sohn sprachen lebhaft, wenn auch ganz leise miteinander. Jechiel ging den ganzen Tag über verträumt herum, nachdem er Berez, der verwundert zuhörte, von KornS generöser Bestellung alle Details geschildert hatte. Er konnte kaum erwarten, bis Emil gegen Abend erschien. Gelaffen, wie es sich für einen Philosophen ziemt, war dieser, früher wie sonst, in die Werkstätte gekommen. Als er dann in die Wohnstube trat, flog sein Blick gewohnheitsgemäß zuerst zu Flora. Hier verließ ihn sein philosophischer Gleichmut, erging mit hastigem Schritt auf das junge Mädchen zu, faßte seine Hand, hielt sie länger wie sonst fest, sah ihr lange in die Augen und flüsterte leise: „Zugestimmt." Flora schloß, wie von einem Schwindel erfaßt, die Augen. Sie war bleich geworden, dann kehrte ihre Farbe zurück, ihre Brust hob sich, wie von einer Last befreit, mit einem im gewaltsam unterdrückten Jubel durchbrechenden Gottlob, dann eilte sie in die Küche, wo ihre Mutter am Herd beschäftigt war. So war denn Bellas Prophezeiung, daß die Schwester dieselbe Enttäuschung erleben würde wie sie, dennoch nicht in Erfüllung gegangen. Am darauffolgenden Sabbatnachmittag saß Maier Korn mit einem Buch in seinem Zimmer. Er hatte das Käppchen nach hinten, die Brille auf die Stirn geschoben und schien sich mit großem Eifee in seine Lektüre vertieft zu haben. Das Buch führte den Titel „blvnoras hamoar, Dtt JSraelit. die leuchtende Lampe", ein von moralisch-philosophischen Lehren und Sittengesetzen handelndes Werk. Er Pflegte jetzt nicht mehr sofort beim Oeffnen eines Buches einzuschlafen, wie sonst,-er ' dachte ernsthaft über alles nach, was er in den Werken der jüdischen Weisen las. Zuwellen blickte er verstohlen zum Fenster, wo Emil sichtlich ruhelos auf die stille Straße blickte. Da wurde die Haustüre geöffnet und Emil eilte hastig hinaus. Ein junges, einfach gekleidetes Mädchen ging zaghaft durch den Flur, bis Emil erschien und es freudestrahlend hereinführte. Im selben Augenblick öffnete sich eine Türe nebenan und Emma trat heraus und sah erstaunt der Näherkommenden entgegen. Ein hochmütiger Zug, den ein impertinentes Lächeln noch unangenehmer machte, überflog ihr Gesichtsekundenlang bettachtete sie das verschüchterte Mädchen, dem die Tränen in die Augen schossen. Dann wandte sie sich jäh um und schlug die Türe hinter sich zu. „Laß' mich lieber wieder nach Hause gehen," bat Flora erschreckt und wandte sich wieder der Haustüre zu. Emil hielt sie aber fest und zog das sich sträubende Mädchen in die Stube. Korn war aufgestanden und trat mit einem freundlichen Lächeln auf Flora zu, reichte ihr herzlich die Hand und war ihr behilflich den Mantel abzulegen. Erst wollte sie gar nicht ablegen, sie war von Emmas Erscheinen und unfreundlicher Art noch ganz bestürzt, doch Korns freundliche Berüßung wirkte beruhigend auf sie. Kurze Zeit arauf saß sie am Bette der Mutter Emils. Mit zärtlichen Blicken bettachtete die Kranke das bildschöne Mädchen, das bescheiden dasaß und in kindlicher Befangenheit die an sie gerichteten Fragen beantwortete. Dann ließen Vater und Sohn das junge Mädchen bei der Mutter allein. Als nach einer Weile Korn zurückkam, hielt seine Frau Floras Hand in der ihrigenbeide schienen in dem Zeitraum einer knappen Stunde sich aufrichtig liebgewonnen zu haben. In derselben Woche geschah etwas merkwürdiges auf Kahalsstube (Gemeindestube). Der Verein Hachnasath Kallo, zur Ausstattung armer Bräute, feierte sein hundertjähriges Stiftungsfest, und bei dem Abends stattfindenden Festmahl spendete, unter den zahlreichen Spendern, Maier- Korn die höchste Summe, nämlich fünfhundert Gulden. „Die Welt geht unter!" schrie vor Staunen Kalme Hirschnickel. „Maier Korn wird kindisch," behauptete Eberstein. „Es geht nach.Niele*) zu," meinte ein andrer. „Er dreht sich wirklich, er denkt an Aulom habbo (Jenseits)," behauptete Mayerthal, der mir Korn recht respektlos umging. Korn kümmerte sich nicht um die Reden der Leute und brachte am nächsten Morgen die *) Soviel als es geht gegen Abend, dem Ende zu. Neila ist das Echlußgebet des Versöhnungstages. Summe dem Gemeindeverwalter. Am anef» kennendsten sprach sich die Schwiegertochter übst Korn aus. Endlich eine Tat, zu der doch reiche Leute selbstverständlich verpflichtet find und zumal Korn, als Schwiegervater einer Frankfurterin, schon längst verpflichtet gewesen war. Abends, beim Nachhausegehen, drückte die „Frankfurter n" dem Schwiegervater die Hand/ was sie nie zuvor getan hatte. Bon den Folgen des Besuches, den Flora hei j den Eltern Emils gemacht hatte, verlautbarte vorläufig nichts in Korns Familie. Emil war jetzt viel um den Vater, der den Sohn, wenn derselbe einmal zu ungewohnter Zeit ausging,, j dann fast ungämldig zurückerwartete. Die ) Mutter verließ er nur in dringenden Fällen-. 4 Es ging sichtlich mit der Kranken zu Endebte5 -..f vieljährige Zehrkrankheit hatte den Körper völlig 1 ausgemergelt. Obwohl schon seit Jahren aufs i Schlimmste gefaßt, sah Korn dennoch mit Entsetzen, } wie jetzt die letzen Kräfte rasch verfielen. Gerade in . j seiner jetzigen Stimmung und fast in dem Augeni blick, als er sich tatsächlich zur Ruhe und allem Erwerb zurückgezogen, war ihm der Gedanke an den Tod der Gattin furchtbar. Er fühlte, daß mit diesem bis zum Gerippe abgezehrten Körpet eine ganze Welt für ihn begraben wurde. Allen Verdruß, an dem es fast nie in seinem Leben gefehlt hatte, allen Zank und Hader hatte diese schwächliche und willenlos gewordene Frau in ihrer ruhigen, milden Art zu schlichten verstanden. Sie war, ttotz eignen Leidens, das starke einigende Band zwischen Geschwistern und Vater und Kindern gewesen. Und wenn schon etwas Gutes in diesem Hause geschah, war es von ihr ausgegangen. Wie wird sich alles gestalten? frug sich Korn besorgt. Mit Emma hatte er seit der „Auseinandersetzung", wie sie es nannte, nur wenig Worte gewechselt. Er betrachtete sie als fein Hauskreuz, das ihm niemals' ein Mann -bnehmen werde. Er rechnete damit, daß sie wahrscheinlich nicht mehr heiraten werde, da sie sich sett Gustavs Tod einbildete, dieser sei ihre einzige Liebe gewesen. Und man wußte bei ihrem merkwürdig geartetsten Wesen nicht, ob sie nicht doch die Wahrheit sprach, obgleich Emil und Simon nur den eigenartigen Tod Gustavs als Grund chrer vermeintlichen oder wirklichen, in jedem Falle aber unglücklichen Neigung bettachteten. An einem Freitagmorgen winkte Frau Korn ihren Mann zu sich. Sie sprach kräftiger wie seither. „Maier, versprich mir, daß du Emlls Glück nicht in den Weg ttittst und am Ende dein Einverständnis bereust." „Wie sollte ich!" beteuerte Korn, „du weißt doch, wie lieb ich das Mädchen gewonnen habe. Emil ist doch ein Tachschet/) mein bestes Kind, dem ich wirklich schuldig bin alles gutzumachen -" (Fortsetzung folgt.) J •'d *) Ein mit vielen guten Eigenschaften begabter Mensch. Ftr den Inseratenteil ist dieRedahlon nicht verantwortlich; Insbesondere Ist es anssehllessIlehSache der Leser, die tm Inseratenteil TTHntnT HFL für Pesäch unter der Aufsicht des Rabbiners Herrn Vk L0SSLRvLe Bremen, hergestellt zum Braten, Backen, Bocken. § irrmit bringt ich fitr KrrmtrriK, daß «nch irr diesem Jahre die ros - Maare« der hiesigen Firma Mit meinem Kaddinacta-Kiegei versehe« werden. FSr die mit meinem Kiegel versehene« Maare« übernehme ich die Verantwort««- für nös Vp nntso jfvanHfttvi a. M., AVap 5607. Dr. Salonvon Brennen*. irr der OhNa-0-.-Alem. AvraetMsche Kelj-iono-efellfchaft. In einer Industrieu. fmtftott Badens ist eine alte, gut eingeführte (7087) -T Metzgerei in der besten Lage der Stadt pachtweise oder auch «astich zu übernehmen. Einheirat nicht ausgeschlossen. Tüchtige Bewerber bmen ihre Offerte unter I. Z. 2635 an Haasenstei» & Bögler. stk-B. Frankfurt a. 2R. eiuzuseuden. 14 Friedbe

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