Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 6 (7.2.1907)
- Date
- 1907-02-07
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Nr. 6. Der JÖülÜll. konnte er Limbacher retten. In wildem Zorn hEe er sich gegen den Mann gewandt, mit dem er Jahrzehnte hindurch befreundet gewesen, dem er sich familiär einmal eng anzuschließen plante und dessen Notlage er brutal ausgebeutet hatte. Und heute Abend gebärdete er sich, als sei ihm mit Limbachers Tod der treueste, einzigste Freund gestorben. Emma war wieder leise in die Stube getreten. Sie sah forschend den still und in sich gesunkenen Vater an. Er sah bleich und verfallen aus, wie ein Mensch, den ein unerwartetes Unglück fassunglos gemacht hat. „Geht jetzt zur Ruhe", mahnte nach lange währendem Schweigen die Mutter. Zögernd verließen Simon und Emma, heute herzlicher wie sonst gute Nacht sagend, das Zimmer. Sie standen alle unter dem Eindruck der ernsten Botschaft und der mächtigen Wirkung, die sie beim Vater hervorgerufen hatte. Auch Korn verließ mit einem leisen gute Nacht das Zimmer. Aber er kleidete sich nicht aus, sondern ging vorgebeugten Hauptes, die Hände auf dem Rücken, im leisen Selbstgespräch auf und nieder. Emil, gewohnt, auch dann noch am Bette der Mut er sitzen zu bleiben, wenn nur noch das kleine auf dem Oel im Glase schwimmende Nachtlichtchen die Dunkelheit der Stube milderte, hörte den Vater ruhelos umhergehen. Er sah durch die nur leicht angelehnte Türe seinen Schatten kommen und gehen und hörte, wie er zuweilen laut die Hä de zusammenschlug. Er schlich lautlos an die Türe, die er leise öffnete, und eintretend, an derselben stehen blieb. Korn schien erschrocken, als er sich umdrehend, Emil stumm daftehen sah. „Was willst Du?" fruq er argwöhnisch. «In Deiner Nähe bleiben." Korn trat, erstaunt noch einen Schritt näher. „Störe ich Dich?" fuhr Emil fort. „Ja, und nein, doch meinetwegenaber es ist doch schon spät," fuhr er mit milder Stimme fort, „geh lieber schlafen." „Es ist noch früh", wich Emil dem Wunsche seines Vaters aus, und fuhr nach kurzer Pause fort: „Limbachers Tod scheint Dich sehr zu erschüttern. Ich begreife das, Vater." „Ich verstehe Dich nicht. Wieso begreifst Du?" Korn sah den Sohn mit mißtrauischen Blicken an. „W.is ist da viel zu begreifen? Wir waren doch ein halbes Leben lang miteinander be...." Er suchte nach einem Wort, das nicht befreundet sagen sollteer fand aber keines und schwieg. Und doch hätte er sich gerne bei dem Sohne gerechtfertigt, weil er herausfühlte, daß seine Kinder, ohne es in Worte zu kleiden, sein Verhalten gegen Limbacher nicht billigten. Schon Simons Bemerkungen hatten ihn argwöhnisch gemacht, und nur, wo Emil ähnlich wie der Bruder sprach, fühlte er, daß seine Kinder seine Richter geworden. Er war ein Verurteilter - verurteilt von den eigenen Kindern. Die Nähe Emils wurde ihm unerträglich, doch wagte er nicht, den Sohn zum Verlassen der Stube aufzufordern. In seinem Innern frug dröhnend eine Stimme: „Kain, wo ist Dein Bruder Abel?" In dem feinen Empfinden Emils löste sich ein Verstehen seines Vaters auser erriet, was in dem Innern des ruhelos gewordenen Mannes vorging, daß sich der alte Mann unglücklich fühlte. Als EmÜ eine Bewegung in die Stube hineinmachte, wehrte Korn fast bittend ab: „Geh zu Bett, Junge, — geh schlafen-" t schlafen," erwiderte fühle mich heute recht „Und Du?" „Ich kann heute ni Korn tief aufatmend, „i, unglücklich, Emil." „Und da soll ich schlafen können, wenn ich Dich unglücklich weiß?" Ein Ton von Mitleid und Liebe durchzitterte die klangvolle, sympathische Sttmme Emils. Korn sah mit großen Augen den vor chm stehenden jungen Menschen an. So hatte noch keines seiner Kinder zu ihm gesprochen. Ein warmer, beglückender Strom floß zu seinem Herzen, ein nie empfundenes Gefühl der Wonne überkam ihn. Und er suchte jetzt mit allen Fibern seines Hebens eine gleichgesinnte Seele, der er.sich anschließen und sein Weh Mitteilen konnte. Und wie nun Emil mit mitleidig teilnehmenden Blicken chm ins Gesicht blickte, da packte etwas Unwiderstehliches den gequälten Mann. Er öffnete weit die Arme und ging einen Schritt auf den Sohn zu, der mit ausgebreiteten Armen den Vater umschloß und ihn sanft auf Lippen und Augen küßte. In dieser warmen innigen Umarmung des Kindes öffnete sich eine neue bisher unerschlossene Pforte in Korns Herzen, aus der eine große, selische Liebe ausströmte, die einen befreienden Strom von Tränen auslöste. Lange, lange hielten fich die beiden Männer fest umschlungen, sie fühlten ihre Herzen aneinanderschlagen, Wange an Wange gepreßt. Da schlug die große Standuhr mit ihrem hellen Silberton die Mitternachtsstunde und langsam löste sich die feste Umarmung der beiden in einem letzten Kuß. (Fortsetzung'folgt.) Flr den Inseratenteil ist die Redaktion nicht verantwortlich; insbesondere Ist es anssehllessllehSache der Leser, die ira Inseratenteil enthaltenen Empfehlungen rltnellerWaren oder Sonstigeingaben rellglonsgesetzllchen Charakters anf Ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. Ein i£r. junger Mann, 27 Jahre alt, hübsche Erschemung, religiös, gebildet, tüchtiger Geschäftsmann, Inhaber einer größeren Fabrik auf dem Laude (in welcher über 100 Personen beschäftigt werden) nachweislich. Vermögen 50 Mill wünscht die Bekanntschaft eine- Israel, religiösen ge» bildeten Mädchens im Älter von 20—25. Jahren mit einer Mitgift von 30—40 Mille behufs (6992 Heirat. Strengste Diskretion: Off. erbitte unter P 8*1613 an Haasenstet» LcBogler A.-G., Fraukfurta.M. 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