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Der Israelit · 1907-01-10 · Heft 2 (10.1.1907) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 2 (10.1.1907)
Date
1907-01-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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i#^e» ls»(',M,.«O ch.W-G m*ikiämMrn**m •<• iik tUk«y > rt < MttaltMMUa WUMHiUHl' uyrMctNiBr 10. Januar 1907. srarmfurf a. HL 24. Ceocth 5667. xcfit erscheint jeden Donnerstag- AbomremerrtS: Gewöhnliche Ausgabe Mk. ILO vierteljährlich, HeftaNSgabe auf 5kunstdrmkp aprer Mk. 3.— viSMMrlich. gewi^rliche AuZgabe: Oerreich 8 fö„ Rußland 1 B»b., England 2 sh.r Amerika 50 cts., Niederlande 1,20 fl.) Abonnements bei allen Postanstakten, BüchharülKmsmfawie direktbxi »Nc Expedition, HeftauSgabe rürr direkt. Jußernter M Pfennige für die sechsgespaltene Colonel-Zeile; Rabatt nach Tarif. Jnseratenannahme mtt durch Haafettstein ü. Ävgler A^Ufti «imt- Hei der «. «. Postsparkasse «ieu M». 7S S08. Frankfurt a. M. und derm Filialen. ««rto »et dem y. PosksParraMnaart «nvaprst MW. 1S«U MM» Bernays. Kt» Ia-rzeiLstage S. M. Kirsches (27. Teweth). (Schluß.) 1791 in Mainz geboren, hat Bernays eine Jugend verlebt, die ausschließlich dem Thorastudium geweiht war. R. Herz Scheuer war der Wächter und Lehrer dieser Jugend. Aber schon begannen die westeuropäischen Schiurstuben zu wanken und zu zittern. Die Wellen der französischen Revolution ergossen sich in den Rhein und schlugen mit brandendem Geräusch an die deutschen Grenzen. Das Rauschen dieser Wogen, die aus Deutschland die Thora wegschwemmen sollten, traf auch das Ohr des jungen Bernays: in Würzburg und München lernte der unter Scheuers Leitung zum Talmudgelehrten erwachsene Jüngling, was wettvoll war an den Bildungsgütern der außerjüdischen Welt, kennen und schätzen. Doch nicht versank er, wie tausend andere seines Schlages, in kritiklose Bewunderung des fremden Geistes. So wenig versank er darin, daß ihn R. Abraham Bing in Würzburg zu seinem Rabbinatsassessor ernannte, ihn, der, wie die Sage meldet, einmal, als der Würzburger Philosophieprofessor während der Vorlesung erkrankte und sie unterbrach, seine Commilitonen bat, ihnen den unterbrochenen Gedankengang des Akademikers fertig vortragen zu dürfen. Er tat's, zu maßlosem Erstaunen des Kollegs. Hatte ich nicht Recht, als ich ihn oben den Wunderrabbi von Hamburg nannte? Sv ist Bernays mit der ihm eigenen Gründlichkeit auch durch die Hallen der deutschen Wissenschaft gewandelt. Gewandelt, ohne sich von ihr überwältigen zu lassen. Denn es ist ein historischer Unfug der gefährlichsten Att, wenn Grätz die Schelling'sche Philosophie, die damals die Universitäten beherrschte, in einen tieferen Zusammenhang mit dem Bernays'schen Gedankensystem setzt, als es der Aufbau und der innere Einklang einer solch lebendigen, auf strikteste Erfüllung der nixo hindrängenden Weltanschauung, wie sie der Chacham in Hamburg vertrat, zu rechtfettigen vermag.*) Die ganze Natur als ein Stufenreich von Bildungen erkannt, das sein Ziel in der Entwicklung einer bewußten Intelligenz habe, Naturleben als großer Organismus gefaßt, dessen Produkt das Bewußtsein sei, *) Auf Grund einer Mitteilung des Herrn S. Hausdorff in Rotterdam sei ats Nachtrag zum vorigen Artikel konstatiert, daß schon Zunz in seiner „Zeitschrift für die Wissenschaft des Judentums" die Hypothese betr. der Autorschaft des biblischen Orients ausgestellt hat. Während jedoch Zunz sich darauf beschränkte, einfach zu sagen, daß der biblische Orient angeblich von Bernays nomine, hat Grätz diese Vermutung dick unterstrichen, um oarzutun, daß der Chacham „mit einem Füße aus dem rabotntschen Judentum herausgetreten war." Lösung des Welträtsels durch die Kunst als die höchste und vollkommenste aller Gestalten — und was Deutschlands damalige Modephilosophie an geistreichen Wunderlichkeiten sonst noch erdacht und erträumt hat — das alles hat der junge Bernays mit offenem Sinn auf sich wirken lassen, aber doch nicht mit jener Empfänglichkeit, die mit intellektueller Selbstvernichtung beinahe gleichbedeutend ist. Nein, unterkttegen hat sich der junge Bernays nicht lassen. Dazu war sein Verstand zu tief und seine jüdische Gelehrsamkeit zu groß. Aehnlich wie die Reformideen des jüdischen Kreises weniger an seiner pietätvollen Anhänglichkeit an Ueberkommenem als an der echten Wissenschaftlichkeit abgeprallt sind, mit welcher Bernays im Judentum nicht ein religiöses Belieben und eine ephemere Geschmacksüberzeugung, sondern ein göttliches Erziehungsmittel sah, größtes und kleinstes, erkanntes und unerkanntes einem absolut guten Ende entgegenzuführen. Für solch kleinliche Leute, die der Kultur in die Hände zu arbeiten wähnten, wenn sie eine rrren oder einen jniD abstellten, hatte Bernays nur das Kacheln einer unsäglichen Verachtung. Dieses Lächeln hat sich dann später bei seinem größten Jünger in den stammenden Aufruf eines ebenso kampfesfähigen wie stets kampfbereiten Feldherrn verwandelt. Die Wissenschaft der Universitäten trat bei Bernays sicherlich weniger als ein wesentliches Element seiner Anschauungen als eine allgemein propädeutische Griurdlaae in die Erscheinung, die sein Gedankensystem hsfenb mitzutragen berufen war. In formaler Hinsicht mag z. B. eine litterarische Spürnase ein sonderbares Element Schelling'scher Naturphilosophie auch in folgendem Dokumente entdecken, das seiner Urwüchsigkeit halber hier seinen Platz finden soll. aäV. 175 No. 7. Daß Herr Samson R. Hirsch von hier, welcher sich, nach frühzeitig erlangter avivvr-vller Bildung, eifttgst dem stndio der jüdischen Theologie gewidmet, den Vorlesungen des Unterzeichneten in dem Talmud und sonstigen in praxi sanctionirten wissenschaftlich religiösen Schriften, eine geraume Zeit beygewohnt und daselbst sich durch sein schönes sittliches Betragen sowohl, als durch seine vorzügliche Geistes- Anlage und Fähigkeit namentlich, Fleiß und psrspieaeitLt, des prSciieats „ausgezeichnet" in dem Grade würdig gemacht hatte, daß man schon damals, in ihm, den trefflich aufblühenden rabloaiseaaäiäaiva nicht verkennen konnte; Solches wird demselben hiemit amtlich beurkundet. Hamburg den 8ten Juni 1830. Der Geistliche Beamte der hochdeutschen Israelischen Gemeinde Iß. Berna-tzs. (Mächtiges Siegel) Jedoch schwerlich läßt sich die Annahme rechtfertigen, daß Menschen mit der Ursprünglichküt Bernays'schen Eigenlebens so rückhaltlos den Wirkungen eines fremden Milieus sich hmgeben sollten, daß von einem wesentlichen, übet das Formale hinausreichenden Zusammenhang ihrer Grundüberzeugungen mit diesem Milieu auch nur in entferntem Sinne geredet werden, konnte. Wie dem aber auch sei, so ist es doch sehr zu bedauern, daß wir über den geistigen Habitus dieses außergewöhnlichen Menschen mehr durch vage UeberlieferuNgen, als durch feste Richtlinien, schriftlicher Dokumente, die seiner eigenen oder eindr ihm nahestehenden Hand entstammtenunterrichtet sind. Wäre über die intimsten Vorgänge des hereditären Uebergangs väterlicher Eigenschaften' auf die Nachkommen nicht ein Schleier gerettet, den man nach dem gegenwärtigen Stande unserer wissenschaftlichen Einsichten nur mit zitternder Scheu lüften darf, so ließe sich aus dewSchristen der Söhne des Chacham manches ^schließ^^M^ M^egangen ist Beide waren große Schrmbtt vor dem Herrn. Jacob ein tiesMÜndiger lologe, Michael ein geistvoller x mit spezieller Hinneigung zum Altmeister Goethe deffen Schriften ihm ein Evangelium dünkten. Aber wie sollte ein Rückschluß von diesen Akademikern auf den Chacham mtthodologisch gerechtfertigt und praktisch ausgeführt werden können. Zudem kommt noch ein zweites: Nämlich der Unterschied zwischen Vater und Söhnen. Jacob war ein gelehrter Sonderling, Michael ein getaufter Weltmenfch. Jakob stand als Jüngling ganz unter den Einwirkungen seines großen Vaters. Der Chacham hat ihn schon früh auf philologisches Quellenstudium verwiesen, ihn auf das Unzweckmäßige der Handbuchlektüre aufmerksam gemacht und ihm den Joseph Justus Scali'ger in die Hand gedrückt. Die geistige Anregung, die er im Elternhaus genoß, war bestimmend für die Zukunft des später so berühmt gewordenen altklassischen Philologen. Und wenn später politische Debatten ihn erregten,ffgriff er zu Demosthenes oder Mirabeau. Aehnlich wie der Vater aus den Mederungen seiner Tage zu David und Jesaiab stob. Dabei war Jacob ein ernstfrommer J

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