Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 103 (30.12.1901)
- Date
- 1901-12-30
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
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2301 markt, statt selbst zu reisen. Wenn er in der Heimath daS Geld verdient, das er in London erarbeitet, so kann er leben, und der Arbeiter ist nicht aus seiner Familie, seinem Kreise, seinen Ueberlicfenmgen und Gewohnheiten herausgerissen. Das Reisegeld, das er erspart oder sich zu verschaffen weiß, reicht aus, um den Grundstock von Genoffenschafren zu b ldcn Au Ort und Stelle Gemeinsinn und Manneszucht aus dem Absatzmärkte eine tüchtige kaufmännische Vertretung, dann werden die Luftmenschen zu Produzenten, die ein menschenwürdiges Leben führen können. Organisation, das ist das erste und letzte Wort auch aus wirthschaftlichem Gebiete. Wer ist mehr dazu berufen als der Zionismus? Er nehme ihre Bildung entschloffen in die Hand, er laffe sie sich gewerblich und kaufmännisch einrichten, so gibt er den Hungrigeil Brod, so erzieht er die Verwahrlosten zu Drsziplinirteu, so macht er aus ohnmächtigen Bettlern und weichlichen, verschwommenen Sehnsuchtsmensch n thatfähige Zukunflsm nschen des Zwnismus (Beifall). Sind erst die Schneider und Schuster einigermaßen kapitalkräftig, bann können wir auch daran denken, andere Handwerker ulid Kunsthandwerker einzuführen; denn man wird das Geld dazu haben. So gelangen wir dazu, an den heutigen Siätlen des Elends wnthfchaftliche Unabhängigkeit, vielleicht Wohlstand und jedenfalls Würde und Selbstvertrauen zu schaffen nnb ein Volk heranzubilden, das, wenn die Stunde schlägt, den Boden der Väter festen Fußes betritt (B.ifall). Auf die geistige Hebung will ich mich nicht einlassen; was hierüber gesagt werden kann, ist leere Rederei (Beifall), so lange die Voraussetzung einer gründlichen, aüseitigen Volksbildung fehlt, nüml'.ch das Geld. Wenn man über die nöthigen Stiftungskapitalien, die heute vergeudet werden, verfügen lvürde, so könnten wir heute schon glänzende Schuleinrichtungen schaffen. Mil Phantasiren über „Wenn und Aber" will ich keine Zeit vergeuden. Toynbee-Hallen und populäre Vorträge sind sehr nützlich, aber sie sind doch immer nur eine Form der Wohltbätigkeit, ein geistiges Almosen. Gute Volksschriften, inhaltreiche, in gutem Geiste redigirte Zeitungen haben zweifellos ihren Werth, aber auch davon zu sprechen ist blvs Rhetorik' solange wir kein Mittel haben, eine solche Litteratur zu erzeugen, und das Volk, diese zu kaufen. Das tägliche Brod, Möglichkeit, Ersparnisse zu inachen, die Erziehung zum Zionismus, die Eroberung der Gemeinden, das ist, was noth thut. Ist erst dieser Programmpunkt erfüllt, so ist es ein Leichtes, das jüdische Volk zum gebildetsten zu machen, denn seine geistigen Fähigkeiten anerkennen selbst die Feinde. Unser Bildungsdrang ist beinahe krankhaft zu nennen und unsere Bildnngstradition geht aus Jahrtausende zurück. Sind!r>ir erst reif genug, um ein eigenes Schulwesen zu schaffen, so werden wir der Welt zeigen können, dass es unmöglich ist, uns geistig zu proletarisiren, wie man uns materiell proletarisirt hat. Doch ehe wir unsere Schule rühmen, müssen wir sie erst haben, und um sie zu haben, müssen wir wirthschaftlich kräftig werden. Meine Rede hat den Gegenstand nicht erschöpft. Ein einzelner Kopf kann nicht den Plan einer vollkommenen Wiedergeburt eiues alten Volkes in allen Details ersinnen; ich musste mich darauf beschränken, Gedankenleiine anszustreuen. Mögen sie im jüdischen Volke spriesseu, An der Ausgestaltung und Verwirklichung der Gedanken müssen Sie alle Mitarbeiten. Die Wiedergeburt des jüdischen Volkes soll und wird das gemeinsame Wert des jüdischen Volkes sein! (Allgemeiner begeisterter Beifall. Die Versammlung erhebt sich. Redner wird von allen Seiten beglückwünscht.) M u f e i ö t w* Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. Dt« Dedartivn unternimmt ulemal» eine Prüfung in Kep»g auf dir riturNr Duverläsfigkrtt der angevrlefeue« Maaren. Die Geriester stade«. wenn ste in dieser Hinsicht gestchert fein wollen, die Anpreisungen, Referenten eie. felbli einer Controle ttt unterwerfen Kchlust der Inseratenanuahmeist stets: für dir Wontagsnummer. Sonntag Früh » Uhr. für dt» Donnerftagsnnmmer, Mittwoch Mittag 12 Uhr. Küfer Ktatt getaugt regelmäßig Montag und Donnerstag in den Abendstunden rum Versandt. Deklamationen wegen tu späten Eintreffen» beliebe man bei bet betreffenden Postanstalt;u mache». Offerten auf Chifferanuoncen werden täglich, mit Ausnahme von Kamstag wettervefSrderl. K Mr's Wlatmulk. 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