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Der Israelit · 1901-12-30 · Heft 103 (30.12.1901) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 103 (30.12.1901)
Date
1901-12-30
Page
– (sequence 9)
Language
German
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42» Jahrgang. HM Wikage zu M103 des „Israelit." Leitende Artikel. „leuchtende Sterne". In der jüngsten Nummer Ihres geschätzten Blattes wendet sich Herr Rabbiner Dr. Cohn aus Jnowrazlaw gegen einen Leitartikel in der „Allgem. Ztg. d. Judenthums," betitelt „Ein Wort über die jüd. Wissenschaft." Herr Dr. Eohn spricht mir ganz aus der Seele, trotzdem sehe ich mich genöthigt, Widerspruch gegen eine Stelle seiner Ausführungen zu erheben. Er nennt Frankel, Krochmal, Gratz „leuchtende Sterne am Himmel des Judenthum," er sagt von ihnen, daß sie „die dunkelsten Wege und Pfade der Wissenschaft erleuchtet haben und zu den Höhen der Wahrheit und Weisheit emporgcstiegen sind." Der geehrte Herr Verfasser scheint die neuesten Erscheinungen auf dem Gebiete der jüdischen Wissenschaft nicht zu kennen, ihm scheint das Doroth. Harischonim, jenes Riesenwerk, das so gründlich mit den Geschichtsverdrehungen jener „leuchtenden Sterne am Himmel des Judenthums" aufgeräumt und ihre ganze Oberflächlichkeit, mit der sie die wichtigsten Fragen der Wissenschaft behandelt haben, uns vor die Augen geführt hat, völlig unbekannt zu sein. Es wäre wirklich an der Feit, daß die Männer, weiche an die Oeffentlichkeit treten, sich voll und ganz mit dem Stoffe vertraut machen, den sie behandeln, damit nicht nur die Integrität der Wisienschaft gewahrt, sondern auch unermeßlicher Schaden von Israel ferngehalten werde. „Das hinkende, sich nur mühsam dahinschleppende Judenthum, das sich nur noch einigermaßen aufrecht zu halten vermag," haben „jene leuchtenden Sterne" durch ihre auf Hypothesen und Verdrehungen beruhende Wissenschaft hervorgebracht, die wahre Wissenschaft, so lehrt uns das Doroth. Harischonim. bringt das rüstig und kräftig fortschreitende Judcnthum, das Licht und Wärme den eigenen Reihen lind Achtling der Andersgläubigen einflößt. X. X. Noch k einmal „Gut Neuhof." Mainz, 22. Dezember. Wir erhalten von Herrn Mühlenbesitzer Rosent h a l aus Johannismühle bei Posen die folgende Zuschrift: Hochgeehrter Herr Chefredakteur! Soeben lese ich in Ihrer Zeitung „Der Israelit" Nr. 98 den leitenden Artikel „Gut Neuhof" und kann ich nicht umhin, dazu einige Ausführungen zu machen. Dem „Vereine zur Förderung der Bodenkultur unter den Juden Deutschlands" bezw. der Bodenkulturgesellschaft m. b. H. stehe ich sehr nahe, denn ich bin nicht nur im Ehrenamte der Geschäftsführer der letzteren, sondern stehe schon seit Jahren im Dienste meines Ideals, junge Leute jüdischer Konseffion dem Ackerbau zuzuführen, bezw. einen Stamm von jüdischen Bauern zu gründen. Die Verwirklichung dieses Ideals ist für mich nur unter der Bedingung erstrebenswerth, daß den jüdischen jungen Leuten ihre Religion und ihre besseren Stammeseigenschaften ungeschmälert erhalten bleiben. Wenn in den von Ihnen angegriffenen Cirkularen und Gutachten diese Gedanken nicht korrekt zum Ausdruck gebracht worden sind, so ist das eine unbeabsichtigte Unterlassungssünde weniger Einzelner und es wäre unschön, wenn aus diesem Einzelfalle das ganze Werk diskreditirt werden sollte. Es ist fraglos und ganz selbstverständlich, daß auf dem Gute „Neuhof" streng-ritueller Lebens- und Haushalt geführt und die Weihe des Sabbats und der Feiertage beobachtet werden. Der Vorstand des Bodenkulturvereins ist deßwegen auch mit sich einig, daß später zu schaffende Besiedelungen nur geschlossene sein dürfen, in welchen für eine jüdische Kultusgemeinde analog den jüdischen Gemeinden in kleineren Städten gesorgt wird. Bezüglich der Schweinehaltung bildet diese ein grundlegendes Einnahmebedürfniß bei der Betreibung von Ackerbau, und ich kann Ihnen nicht zustimmen, daß das Halten und Füttern von Schweinen und die Einnahmen hieraus mit unseren Religionsgesetzen unvereinbar sind. Ich habe selbst strenggläubige Nachbarn, Leser Ihres Blattes, gehabt, die um der Jnnehaltung religiöser Vorschriften willen sich den äußersten Entbehrungen ausgesetzt haben, dennoch aber haben sie Schweine gehalten, gefüttert und gezogen und zum großen Theile damit ihre Existenz gefristet. Unbeschadet alles dessen sind sie gesetzestreue Juden geblieben. Ich glaube also, dieser letzte Einwand gegen unsere Bestrebungen, ist weder in unserer Religionsgesetzgebung, noch in deren Zwecken und Zielen begründet. Da Sie nun im Großen und Ganzen unseren Bestrebungen sympathisch gegenüberftehen, so liegt aus religiösen Bedenken wirklich kein Grund vor, unsere Ziele und Zwecke zu hemmen, und nach dem Grundsätze Audiatur et altera pars“ werden Sie wohl auch die Freundlichkeit haben, von diesen meinen Ausführungen öffentlich Kenntniß zu nehmen und zu geben. Ich verharre, hochgeehrter Herr, mit vorzüglicher Hochachtung Isidor Rosenthal. Wir haben die Zuschrift des verehrten Herrn Einsenders, um nach unserem Prinzipe auch der anderen Seite unparteiisches Gehör zu schenken, vollinhaltlich

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