Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 103 (30.12.1901)
- Date
- 1901-12-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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4L. Jahrgang. M 103, Der Israelit. Ein KenLrat-Hrgan für das orthodoLe ZudentHurn. Begründet von #». in Mains* Montag, ven 3 0. Dezember 500L (1001). Leitend er Artikel. Die Mmh in «rnnffurt m Main. L. Frankfurt a. M., im Teweth. Am 5. Teweth feierte die Jeschiwoh zu Frankfurt nach zehnjährigem Studium von pb'n Dv im Hörsaale unserer Gemeinde ihr S i j u m f e st. Die israelitische Religionsgesellschaft war durch eine überaus große Anzahl ihrer Mitglieder vertreten. Nachdem der eigentliche Sijum vollzogen war, entwickelte der Leiter der Anstalt, Herr Rabbiner Dr. Breuer, während des Festmahles in längerer Rede die Prinzipien seiner Jeschiwoh und dankte ihren Freunden und Anhängern mit Worten des Segens und der Anerkennung. Der Eindruck der Rede war ein überwältigender. Es roasteten ferner die Herren Rabbinats- Afsefsor Gersvn Posen -auf r'2 U’na u’JHk Direktor Dr. Lange auf die Hörer der Jeschiwoh, Oberlehrer Dr. Caro auf die Klaus - Stiftung, die treue Freundin der Jeschiwoh seit dem Tage ihrer Gründung. Von den Bachurim dankten die Herren Raphael Breuer dem Vorstand der israelitischen Religionsgesellschaft, Julius Lorsch dem Leiter der Anstalt, Joseph Breuer Herrn Rabbinats-Assessor Gerson Posen für den Unterricht im Schulchan Aruch, Max Cohn Herrn Rabbiner Dr. Bondi aus Mainz für den Unterricht in Thnach und jüdischer Geschichte, Simon I a e o b o w i tz Herrn Oberlehrer Dr. Caro für den Unterricht in den profanen Fächern. Die übrigen vorgemerkten Festredner und andere konnten bei der vorgerückten Stunde nicht mehr zu Wort kommen. Herr Kantor Peßacho witsch erfreute mit seiner prachtvollen Stimme die Anwesenden durch Recitation von Psalm 133. Das Benschen wurde auf amerikanische Weise versteigert. Die Summe belief sich auf 1360 Mark. Das imposante Fest wird allen Teilnehmern unvergeßlich bleiben. Wer kennt nicht die modernen Bestrebungen auf dem Gebiete der Schulreform? Es handelt sich dabei um nichts Geringeres, als um die Frage der Existenzberechtigung der humanistischen Gymnasien in ihrer bisherigen Form. Daß das Studium der alten Sprachen, des Lateinischen und Griechischen, seit dem Untergange Hellas und Roms niemals die Glückseligkeit der Heranwachsenden Jugend bedingte, ist allgemein bekannt, und nur der zöpfigste Schulpedant, der den Untergang der Welt befürchtet, wenn ba§moniinu ntum at-re perennius das sich Horaz durch seine Trinklieder errichtet zu haben glaubte, in Vergeffenheit gerathen sollte, nur der beschränkteste Kopf kann es in Abrede stellen. Daß es für den künftigen Mediziner, Chemiker, Ingenieur re. keine schlechtere Vorbildung geben kann, als wenn man ihn vom neunten bis zum achtzehnten Lebensjahre lateinisch und griechisch büffeln läßt — erst die Erkenntniß dieser Wahrheit hat die Eristenzberechtigung der humanistischen Gymnasien in unserer Zeit in Frage gestellt. Wenn diese neuerungssüchtigen Schulmänner wüßten, daß es hier bei uns in Frankfurt Leute giebt, die es zu ihren heiligsten Obliegenheiten zählen, eine Jeschiwoh in altjüdischem Sinne des Wortes zu erhalten und zu fördern, eine Anstalt, an der jahraus, jahrein mit der größten Regelmäßigkeit der alte verstaubte Talmud gelehrt und gelernt wird, so ähnlich, wie zur Zeit der großen Frankfurter Rabbinen, des yrirp ’jd und des nx^cn, der alte Talmud, dessen Studium nicht einmal zum Besuch einer höheren Klasse einer ganz gewöhnlichen Volksschule berechtigt, wenn diese Herren das wüßten, dann würden sie wohl einsehen, daß der Idealismus, den sie auf ihren Schulen durch Unterricht in jenen brotlosen Fächern zu vertreten glauben, noch einer ganz gehörigen Steigerung fähig ist, daß der jüdische Idealismus, wie unsere Väter ihn gelehrt und verwirklicht, ganz andere Opfer zu bringen weiß. Dieser jüdische Idealismus war es auch, der vor einem Dezenium die Frankfurter Jeschiwoh aus ihren Trümmern zu neuem Leben erstehen ließ.