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Der Israelit · 1901-12-12 · Heft 98 (12.12.1901) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 98 (12.12.1901)
Date
1901-12-12
Page
– (sequence 9)
Language
German
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4L. Jahrgang. Hrste Aeikage zu 98 des „Israelit." Seit««»« Arttk« . An jliüislhks KlMiilstitllt für Mitilfinii. Wir erhalten folgende Zuschrift: „Es wird wohl kaum Jemand wagen, es in Abrede zu stellen, daß das jüdische Solidaritätsgefühl durch die Emanzipationserfolge des abgelaufenen Jahrhunderts sehr stark abgeschwächt worden ist und erst durch die Anfeindungen der Neuzeit wieder mehr hervortritt. In Oesterreich, wo der Antisemitismus, wenn nicht am heftigsten, so doch am lautesten hervortritt, ist denn auch die genannte Regung am ersten wieder zur Geltung gelangt. So wurde daselbst ein Kreditinstitut für jüdische Gewerbetreibende und Beamte mit großem Erfolge begründet. Wie die österreichischen Blätter berichten, beruht die Gründung dieses Instituts auf solider und sicherer Basis. Sowohl unsere reichen österreichischen Glaubensgenossen, wie der wohlhabende Mittelstand und die kleinen Leute wetteifern, dem Institute als Förderer, Einleger und Mitglieder beizutreten. Wurden zu Anfang noch hie und da Zweifel laut, ob ein jüdisches Kreditinstitut gedeihen könne, so jetzt schon nahezu alle Welt überzeugt, daß es gedeiht und selbst die Nörgler gestehen ein, daß sich die Idee dieser Gründung als ebenso gesund wie lebensfähig erwiesen hat. In immer weitere Kreise dringt die Erkenntniß, daß jede Erleichterung im wirtschaftlichen Leben des Einzelnen ein moralischer und materieller Gewinn für die Gesammtheit ist, daß die soziale von der politischen Thätigkeit streng zu sondern ist und daß sich auf wirtschaftlichem Gebiete alle Juden, die es mit dem Wöhle ihres Volkes ernst meinen, zu gemeinsamem Thun vereinigen müssen. Ich bitte Sie nun, geehrter Herr Redakteur, eine Enquete in Ihrem geschätzten Blatte darüber zu veranstalten, ob ein derartiges Institut in Deutschland für die deutschen Juden von ebensolchem Vortheile sein würde, wie es sich in unserem Nachbarstaate für die dortigen Glaubensgenossen erwiesen hat. Wohl ist es mir bekannt, daß die jüdischen Verhältnisse in Deutschland ganz anders liegen, wie jenseits der Grenze. Wenn wir auch vielfach unter dem Antisemitismus zu leiden haben, wenn wir auch gesellschaftlich boykottirt sind, und der Offiziers- und Richterstand uns immermehr verschlossen wird, so hat man doch nicht gehört, daß einem Juden seines Glaubens oder seiner Rasse halber der nachgesuchte Kredit bei einem Bankinstitut nicht bewilligt worden wäre, auch haben wir in Deutschland nicht so viele jüdische Handwerker, für die doch hauptsächlich derartige Institute berechnet sind, immerhin wäre es gut. wenn Finanzfachmänner sich zu der angeregten Idee äußern würden. Ich weiß, daß Ihr geschätztes Blatt hervorragende Finanziers zu seinen Abonnenten zählt und es ist sehr leicht möglich, daß. wenn wir dieselben erst gehört haben, sich durch Dinge, die seither nicht an die Oeffentlichkeit gelangt sind, doch ein Bedürfniß geltend macht. Ueber die Ansicht, daß solche Einrichtungen Rischus machen, denke ich, sind wir wohl heute hinaus. Vor zehn Jahren noch glaubte man, nicht um Alles durch derartige Dinge die Andersgläubigen verletzen zu dürfen, heute weiß man, daß das Zartgefühl auf der anderen Seite nicht so groß ist und wenn die „Staatsbürger-Zeitung" einen derartigen Vorschlag vielleicht mit Freude begrüßt, so braucht er deßhalb noch nicht schlecht zu sein. Sie schwärmt ja auch für jüdische Schulen, die unsere höchste Sehnsucht bilden. Mit Wohlthätigkeit irgend welcher Art soll die Sache nichts zu thun haben, es soll vielmehr ein Akt der Selbsthilfe, ein auf Leistung und Gegenleistung gegründetes Unternehmen werden. Sie haben, geehrter Herr Redakteur, z. Z. die Anregung zu dem so segensreich wirkenden „Verein zur Versicherung gegen Stellenlosigkeit" gegeben, der ein bis dahin unlösbar scheinendes Problem gelöst hat, gehen Sie noch einen Schritt weiter und bringen Sie auch diese Angelegneheit in Fluß. Ich wiederhole, daß mit Politik oder religiöser Richtung die Sache nichts zu thun haben darf, jeder Stammesgenosse muß hierbei willkommen sein. Mit ausgezeichneter Hochachtung Dr. R. W. lAnmerkung der Redaktion. Mit religiöser Richtung hat die Sache doch wohl insofern zu thun, als daß die religionsgesetzlicken Vorschriften über Zinsnehmen und -geben eingehalten werden müßten, ebenso müßten Sabbat und jüdische Feiertaae streng beobachtet werden. Wenn diese Bedingungen erfüllt sind, kann jeder Jude jeder Richtung mit dem Institute arbeiten. Im Uebrigen schließen wir uns der Bitte des Herrn Dr. W. an und ersuchen unsere Freunde aus der Finanzwelt, sich zu der Sache freundlichst zu äußern.) Berliner Brief. Berlin, 8. Dezember. Die Wahlschlacht ist geschlagen. Die „Repräfentanten-Wahlen" in der hiesigen Synagogengemeinde sind entschieden. Die „Orthodoxie" hat auf der ganzen Linie gesiegt. Schmerzvoll beklagen Herr Levinstein und seine Freunde die zu Grabe getragenen Hoffnungen des Sonntagsgottesdienstes, und nur e i n Trost ist ihnen geblieben: der eingelegte Protest gegen

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