Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 98 (12.12.1901)
- Date
- 1901-12-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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42. Jahrgang. M »8. Der Israelit. Ein Kentrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von Df. in Utainf. y Donnerstag, de« 12. Dezember 5662 11901)* Da mit dem 1. Januar 1903 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die ge- IHlP^r ehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. In der Postzeitungsliste pro 1902 eingetragen unter Nr. 3792. Neu eintretende Abonnenten (Postabonnenten gegen Vorlage der Postquittung) erhalten das Blatt bis Ende dieses Monats gratis. nirgends Ackerbau mehr treibt, zur Pslugarbeit wieder heranzubilden, und daß es im kleinsten Maßstabe gelingen könnte, beweisen ja die jüdischen Kolonien in Palästina, in Rußland, beweist Ahlem, und zeigen noch manche andere Stätten landwirthschaftlicher Wirksamkeit. Dem Judenhaß wird man es allerdings nie recht machen können, und wenn der weitausschauende schwierige Plan gelingen sollte, dann wird der Judenfeind plötzlich über die neue Konkurrenz selbst in der Landwirthschaft klagen. Es ist ja auch ein schweres Problem, ob nun so zahlreiche jüdische Väter, die in ganz anderen Erwerbsgewohnheiten aufgewachsen, plötzlich ihre Söhne dem ihnen bisher in Deutschland so ganz fremden Berufe eines jüdischen Bauern werden zuführen wollen, dann woher die kolossalen Mittel, die vielen Millionen kommen sollen, um später in größerem Maßstabe Guter aufzukaufen, den Plan auszuführen und schließlich, ob es möglich sein wird, auf der Grundlage des jüdischen Religionsgesetzes diese Landwirthschast zu treiben, ob es vor allem möglich sein wird, Sabbat und Festtage überhaupt und besonders in der Erntezeit auf diesen Gütern streng zu beobachten. Der Verein hat nun nach mehrfacher Prüfung durch Fachleute als besonders geeignet und preiswerth das Landgut „Neuhos" bei Posen erworben, um daselbst, wie es in einer Zuschrift des Vorstandes heißt, jüdische junge Leute unter Leitung eines tüchtigen Fachmannes auszubilden; nach ihrer Ausbildung sollen diese als selbstständige Bauern angesiedelt werden. Zum Zwecke der Ausführung dieses Planes ist eine „B o d e n k u l t u r - Ge s e l l s ch a f t m. b. H." mit einem Kapital von 20,000 Mk. begründet worden; weitere 60,000 Mk. wurden ihr für kurze Zeit von einem Vorstandsmitgliede des Bodenkulturvereins vorgestreckt, um den sofortigen Ankauf des Gutes zu er- Leitender Artikel. Gut Neuhos! Berlin, 5. Dezember. Unseren Lesern find wohl die Ausdrücke: Gut Woch und gut Jahr, gut Schabbes und gut Jomtof, gut Chanuka und gut Purim geläufig, von gut Neuhof werden sie aber noch wenig gehört haben; nun, so will ich ihnen verrathen, was es mit Gut Neuhof für eine Bewandniß hat. Der „Verein zur F ö r d e r u n g der Bodenkultur unter den Juden Deutschlands", der seit wenigen Jahren besieht und durch leinen Generalsekretär Dr. Ernst Tuch, einen jungen, gewandten und von seiner Sache überzeugten Redner durch Vorträge eitrige Propaganda in den verschiedensten Synagogengenwinden treiben ließ, ist nunmehr zum ersien Schritte der Verwirklichung seiner Pläne berangetreten: er hat das „Gut N e u h o f" als Versuchsfeld für seine praktische Arbeit e r >o o r b e n. Der Verein verfolgt bekanntlich den Zweck, gewisse Schichten der deutschen Juden in der Landwirthschaft auszubilden und mit ihnen einen jüdischen Bauernstand zu begründen. Gleichzeitig sollte damit ein neues Erwerbsgebiet den unter der Noth der Zeit, unter der Konkurrenz und dem Judenhaß besonders leidenden Juden erschlossen und dem Antisemitismus eine seiner Waffen entwunden werden, als ob der Jude die schwere Arbeit der Landwirthschaft scheute. Der Gedanke ist ja blendend: Israel, das seit zwei Jahrtausenden fast