Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 97 (9.12.1901)
- Date
- 1901-12-09
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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- Liepāja 1× ep/1000744
- Minsk 1× ep/1000754
- Odesa 1× ep/1000834
- Vilnius 1× ep/1000947
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2168 wie das Gesetz eS verlangt, bei der BezirlSvertreiung überreicht worden war. Der sohin an der richtigen Stelle überreichte Rekurs an den Landesausschuß wurde, als verspätet eingebracht, neuerlich zurückgewiesen. Gegen die Entscheidung des Landesausschusses brachten nun die Juden die Beschwerde beim Verwaltungsgerichtshofe ein, der unter dem Vorsitze des Senatspräsidenten, Marquis Bacquehem, in dieser Angelegenheit zu entscheiden hatte. Der Beschwerdevertreter Dr. Kokesch suchte nachzuweisen, daß die Zurückweisung des Rekurses aus formalen Gründen unstatthaft war, weil bei rascher Erledigung des ersten Rekurses durch den galizischen Landesausschuß der zweite Rekurs nicht verspätet gewesen wäre. Der Verwaltungsgerichtshof wies die Beschwerde ab, da nach der Aktenlage die rein formale Entscheidung des Landesausschuffes begründet war. Man ist versucht, sich an den Kops zu greifen, wenn man diese Krähwinkeliade liest, mit welcher sich so hohe Behörden ganz ernsthaft zu beschäftigen hatten. Wir geben zu, daß die Juden von Kolaczyce schlecht berathen waren, als sie ihre Beschwerde nicht im Wege der Bezirksvertretung an den Landesausschuß leiteten. Allein mußte es denn überhaupt zu dieser Beschwerde kommen? In Artikel 16 des Reichsgesetzes vom 5. März 1862, womit die grundsätzlichen Bestimmungen zur Regelung des Gemeindewesens vorgezeichnet werden, heißt es: „Die Staatsverwaltung übt das Aufsichtsrecht über die Gemeinden dahin, daß dieselben ihren Wirkungskreis nicht überschreiten und nicht gegen die bestehenden Gesetze Vorgehen." Warum hat also nicht die Staatsbehörde die flagrante Gesetzesverletzung der Gemeindevertretung von Kolaczyce beseitigt und das Badeverbot aufgehoben? Rußland. Petersburg. (Von d en H a n d el s s ch u l e n.) Mit der wachsenden Ausschließung der Juden aus allen dem Kultusministerium unterstehenden Mittelschulen gewinnen die dem russischen Finanzminister unterstehenden Handelsschulen für die Juden Rußlands immermehr an Bedeutung. Der Prozentsatz der in denselben zuzulassenden jüdischen Schüler ist wesentlich höher als in den Gymnasien und Realschulen, und beträgt nirgends weniger als 40 pCt. (geg. 10 pCt. in den andern Schulen), während sie in Bezug auf die namentlich beim Militärdienst durch sie zu erlangenden Privilegien dieselben Vortheile wie alle übrigen Mittelschulen gewähren. Der schlaue Finanzminister Witte schickt sich nunmehr an, aus dem von seinem thörichten Kollegen in seinem blinden Judenhasse gemachten Fehler Vortheile zu ziehen und durch die weitere Erhöhung des Prozentsatzes der zu den Handelsschulen zuzulassenden Juden diese zu veranlassen, noch mehr Handelsschulen „auf ihre Kosten" zu gründen. Wie russische Blätter berichten, soll nämlich demnächst in Petersburg eine Konferenz der Direktoren und Vorstände sämmtlicher russischer Handelsschulen zusammentreten, um über eine gründliche Reform dieser Anstalten zu berathen. Das Programm enthält 25 Punkte, darunter auch den über den Prozentsatz der aufzunehmenden Juden. Den Vorsitz führt der Gehülfe des Ministers, der aufgeklärte und als Judenfreund bekannte B. W. Kowalewski. Mit der Erhöhung des Prozentsatzes der zu den Handelsschulen zuzulassenden jüdischen Schüler würde der sehr geriebene russische Finanzminister zwei Fliegen auf einen Schlag tobten: Er würde sein 1896 in Odessa offiziell gegebenes dahingehendes Versprechen einlösen und gleichzeitig zahlreiche Handelsschulen von den Juden errichtet sehen, ohne daß diese ihn viel mehr als einige „Prozentchen" kosten würden. Wie groß der Andrang der Juden zu den Handelsschulen geworden ist. haben die diesjährigen Aufnahmen in den drei Schulen zu Wilna, Minsk und Libau bewiesen. In letzterer Stadt, wo 40 pCt. Juden ausgenommen werden dürfen, konnte nur der fünfte Theil der sich meldenden jüdischen Schüler Ausnahme finden; in Minsk haben sich 232 Juden gegen 80 Christen gemeldet, von denen 150 draußen bleiben mußten; in Wilna endlich haben 557 Juden an den Pforten der eben eröffneten Handelsschulen angepocht, während von den Christen trotz aller von jüdischer Seite betriebenen Agitation sich nur ganze 63 Mann zur Aufnahme gemeldet haben. Die Christen wurden nun alle ausgenommen, während von den Juden 497 zurückgewiesen werden mußten. T. Dänemark. Kopenhagen, 24. Rov. Die Wittwe des s. Zt. sehr bekannten Herrn P e r l st e i n , aus Ettenheim gebürtig, eine Verwandte des Würzburger Rabbiner, ist dieser Tage im Alter von 80 Jahren verschieden. Zwei ihrer Söhne nehmen in hiesiger Gemeinde eine sehr ehrenvolle Stellung ein. —- Soeben erfahre ich, daß die hiesige Universität nunmehr mit Einwilligung der Regierung endlich Herrn Dr. G. Brandes die Anerkennung, die ihm schon lange gebührt, zollt, indem sie ihm eine jährliche Ehrengabe von 5000 Kr. gewährte und ihn wahrscheinlich zürn Ehrenprofessor ernennen wird. Neu erngegangene Bücher. (Besprechung Vorbehalten.) Jüd. Krankenpflegerinnen. Bon Dr. Gustav Feldmann, prall. Arzt in Stuttgart. Cassel 1901. Gebrüder Gotthelf, Königl. Hofbuchdruckerei. Zeitschrift für Hebräische Bibliographie herausgegeben ooii Dr. A. Friedmann und Dr. H. Brody. Heft Nr. 5. Frankfurt a. M. I. Kauffmann- 1901. Hazlochas Haodoin von David Leb 91 a s ch. Preßburg, Schloßstraße 70. Selbstverlag des Verfassers.