Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 97 (9.12.1901)
- Date
- 1901-12-09
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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48» Jahrgangs WWWWMW Zweite Meikage zu M 97 des „Israekit". Leitender Artikel. Die Floilkii W Ztitilkl MakksbLn. Festrede im Verein „Achufath Mervim" gehalten, den 7. Dezember, von Rabbiner Dr. Kohn—Jno wrazlaw. Hochverehrte Festversammlung! Sie haben soeben in Wort und Bild vernommen, die Makkabäer, Mathatias, seine Söhne und die Männer in Israel haben sich im Kampfe mit den Syrern, mit ewigem, unvergänglichem Ruhm bedeckt. Und wie verhielten sich denn die Frauen und Jungfrauen Israels in jenen ernsten, wildbewegten Tagen? höre ich Sie, meine Hochverehrten, fragen. Waren etwa die Frauen und Jungfrauen Israels gleichgiltig, apathisch, kalt und regungslos in jener stürmischen Zeit, wo es sich um die höchsten Güter des Lebens, um die kostbarsten Edelsteine des Judenthums, um die erhabensten Ideale der Menschheit gehandelt? Waren sie kalt und gleichgiltig in einer Zeit, wo Alles, Alles, Religion, Glauben, die am Sinai geoffenbarten Lehren, die das Gepräge der von Gott gegebenen Tradition bedroht, gefährdet, wo wir aller unserer Schätze und Reichthümer beraubt, und in den Abgrund der Armuth, Dürftigkeit, der religiösen und moralischen Armuth und Dürftigkeit, gestürzt werden sollten! Waren sie nicht entflammt und entzündet, die Frauen Israels, für alles Hohe und Heilige, in einer Zeit, wo die Männer voll Gluth und Begeisterung in den Kampf auszogen? Hatten sie, die Frauen und Jungfrauen, etwa tiefen Frieden, während die Männer und Brüder sich draußen im blutigen Kriege befanden? Lebten sie sorglos und behaglich, in einer Zeit, wo ihre Männer und Brüder zu Hunderten und Tausenden hingeschlachtet und hingewürgt wurden? Haben sie sich etwa geschmückt, mit Flimmer und Flitter umgeben und Opfer aus den Altären der Eitelkeit dargebracht, während Antiochus auf den Altären des Judenthums die Bildsäulen des Zeus aufgestellt und das Blut Israels in Strömen fließen ließ? Wo waren sie, die Frauen und Jungfrauen Israels? Wo waren sie, die Nachkommen jener egyptischen Heldinnen, die die schützenden und rettenden Engel ihrer unglücklichen, mit dem Geschick so heiß und hart kämpfenden Männer und Brüder gewesen? Rabbi Akiba, der unsterbliche Lehrer und Märtyrer in Israel, hielt einst einen Vortrag (Sotah II b) und der gipfelte in dem Satze: „Die Frauen und Jungfrauen waren die eigentlichen Sieger über die Riesenmacht und das Riesenheer Egyptens! Ihre Liebe und Treue, ihre Hingebung und Aufopferung waren die Waffen, mit denen sie den egyptischen König besiegt und zu Boden geworfen, und das Meer von Thränen, das die Frauen in jenen verhängnißvollen Tagen vergossen, in den Fluthen dieses Meeres fanden Pharao und die Egypter ihren Tod, ihren Untergang! Wie hätte denn das arme, geknechtete Volk das Sklavenjoch, die Sklavenketten, Jahrhunderte lang ertragen, wie hätten sich diese unglücklichen, so hart gepeinigten, mißhandelten Arbeiter so lange erhalten können, wenn nicht die Frauen sie physisch und geistig gestärkt und gekräftigt, leiblich und seelisch aufgerichtet und erhoben, wenn sie nicht die ganze Sorgfalt, Liebe und Zärtlichkeit den so hart Bedrängten und Bedrückten zugewandt!" Ja, die Frauen Israels haben in Egvpten gekämpft und gesiegt! Den Frauen gebührt die Palme des Sieges und der Lorbeer des Ruhmes! Und in den Tagen der Makkabäer, wo es das Höchste und Heiligste galt, wo der Tempel entweiht, die Altäre besudelt, das Heiligthum verunreinigt, die Religion verhöhnt, das Judenthum geschmäht, Gott gelästert, die am Sinai geoffenbarte Lehre bei Todesstrafe verboten und Israel in seinem Leben tausendfach bedroht war, da sollten die Frauen Israels gleichgültig geschwiegen, und für ihre Söhne und Männer, die in den blutigen Kampf auszogen, kein Wort der Ermuthigung, der Begeisterung, der Erhebung, keine Thräne der Theilnahme gehabt haben, die heiß und brennend die Wärme und Gluth des Herzens verrathen? Denken Sie nur an die großen, heldenmütigen Frauen des Alterthums bei den verschiedensten Völkern, denken Sie an die edle Cornelie der Römer, an die Mutter der beiden Ecacchen, die ja eine Zeitgenossin von Mathatias und Juda Makabi gewesen, wie sie die Hand des Königs Ptolomäos von Egypten ausschlägt, weil sie sich ganz der Erziehung ihrer Kinder widmen will, und als sie ihre beiden Söhne, Tiberius und Cajus, in der Blüthe der Jugend in's Grab sinken sieht, sich damit tröstet, daß sie ja für die heilige Sache, für das Heil und Wohl des Vaterlandes ihr Leben hingegeben! Denken Sie an die Artemisia der Griechen, an die Herrscherin von Halikarnassos, die wieder eine Zeitgenosiin von Esra und Nehemia gewesen, und sich in jener berühmten Seeschlacht von Salamis durch Muth und Tapferkeit so sehr auszeichneten, daß der König Xerxes ob ihres bewundernswerthen Heldenmuthes ausrief: „Die Männer sind Weiber und die Weiber — Männer geworden." Denken Sie an die zahllosen Frauen und Jungfrauen, die in großen Zeiten, große Thaten vollbracht haben. Und nur Israel soll so armselig, so verkommen und verkümmert gewesen sein, daß es in einer so großen Zeit, wie die der Makkabäer, keine einzige Frau hervorgebracht, die in jener etwas Großes, Denkwürdiges, Hervorragendes, Unsterbliches geleistet?! Keine einzige Frau, die die Flamme der Begeisterung in der Brust