Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1901-12-05 · Heft 96 (5.12.1901) · page 40

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 96 (5.12.1901)
Date
1901-12-05
Page
– (sequence 40)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2446951-2449146-2449237--54852-2505573
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

jüdischen Schülern ausgebrochen ist. Die Direktoren bemühen sich, Bande der Freundschaft und der guten Kameradschaft, welche viele Vorurtheile beseitigen werden, zu schaffen. Auch wenden die Lehrer der Allianceschulen die strengste Vorsicht an, dass sie nie die religiösen Gefühle der ihnen zum Unterrichte und zur Erziehung anvertrauten nicht jüdischen Kinder verletzen. Man hat aus dem Berichte von 1899 erfahren, dass die Alliance die nicht leichte Mission übernommen hat, die moralische nnd religiöse Erziehung der israelitischen Jugend in Algier zu leiten. Eine besonders schwere Unternehmung; denn es ist manchmal leichter, von vornherein ein Erziehungswerk zu schaffen, als vorhandene Gewohnheiten verändern zu müssen. Es liegt nicht im Plane der Alliance, in Algier Elementarschulen nach dem Muster derjenigen Marokkos oder Tnnesiens zu schaffen. Die israelitischen Kinder besuchen jetzt und auch weiterhin die im Lande gegründeten öffentlichen Schulen zu Hunderten; da aber kein Religionsunterricht in diesen Schulen ertheilt wird, so kennen sie weder die hebräische Sprache, noch die jüdische Geschichte. Was noch schlimmer ist: ihre moralische und religiöse Erziehung, sowie ihr geistiger Zustand lässt die Nachlässigkeit, welche ihrer Bildung beigebracht wird, hervortreten; statt den besonderen Bedürfnissen eines Stammvolkes von speziellen Sitten angepasst zu sein, wenden die öffentlichen Schulen mit Strenge die im inländischen Frankreich eingeführten Programme an, und bilden eine Jagend, welche in vielen Beziehungen derjenigen Frankreichs selbst untergeordnet ist. Unter diesen Umständen hat sich die Alliance vorgenommen, Besserung zu schaffen, indem sie zunächst in der Stadt Algier, später in Konstantin und anderswo den religiösen und moralischen Unterricht auf soliden Grundlagen organisirt. In einem grossen, zu diesem Zwecke gemietheten Gebäude sind Kurse eingerichtet, wo die israelitischen Kinder jeden Tag, nachdem sie aus der Schale gekommen, von 4 bis 6 Uhr einen geeigneten Unterricht im Lesen und Uebersetzen des Hebräischen, in der jüdischen Geschichte und in anderen Fächern erhalten. Dieses Werk ist der Leitung des Herrn Nahon, früherem Direktor der Allianceschule zu Casablanca in Marokko, einem der ausgezeichnetsten Lehrer der Gesellschaft, übergeben. Er wird seit mehreren Monaten durch Herrn Justin Schuhl, einem jungen, kürzlich aus dem Seminar von Paria hervorgegangenen Rabbiner unterstützt. Herr Oberrabbiner Bloch, dessen Beihilfe für die Organisation des Werkes der Alliance so geschätzt war, definirte trefflich in seiner Ansprache bei Gelegenheit der Eröffnung der Kurse die Gefühle, welche das Central-Comite empfindet. „Wir Israeliten, sagte er, besitzen eine schöne und edle Religion, und haben eine Geschichte voll heroischer Beispiele; ist es nicht unsere Pflicht, jene beizubehalten und die Erinnerung dieser zu pflegen? Um nun diesen Zweck zu erreichen, wollen wir dem Religionsunterrichte unsere ganze Sorgfalt widmen. Wir müssen daraus eine Quelle des inneren Lebens und eine Bürgschaft für die moralische Zucht machen. Unsere Kinder sollen Männer werden, die voll und ganz ihre Menschen pflichten mit ihren Pflichten als Israeliten zugleich erfüllen. In diesem Werke wollen wir die Mädchen nicht vergessen; denn wir müssen die künftige Mutter heranbilden. Wir müssen ihr die Sendung anvertrauen, die Kinder in unsere schönen Traditionen einzuführen, in ihre Herzen die Gefühle der physischen und moralischen Reinheit, der Anhänglichkeit an die Familie, der Ehrfurcht für die geistigen Angelegenheiten, welche immer und überall unsere Stärke ausmachten, einzupflanzen. K Neben den für die Knaben eingeführten Kursen hat die Alliance eine Reihe Ateliers geschaffen, wo an fünfzig junge Mädchen eine gewerbliche Erziehung erhalten, welche ihnen einen Brodeiwerb zu verschaffen verspricht; das Bügeln, Waschen, Nähen, Feinsticken und die Anfertigung von Korsetten werden hauptsächlich gelehrt. Selbstverständlich werden eine Stunde oder deren zwei täglich in besonderen Kursen auf die Vervollständigung des Elementar- und Religionsunterrichtes der jungen Lehrmädchen verwendet. Das Knaben - Lehrlingswerk von Algier hat, dank einer von der Alliance bewilligten bedeutenden Subvention, eine beträchtliche Ausdehnung erlangt. Alles war von dieser Seite nicht zu schaffen; die Initiative war durch einige Notablen der Gemeinde Algiers schon ergriffen worden; unter diesen verdienen angegeben zu werden: Herr Moise Stora, Präsident des Vereins zur Beförderung des Kinderlehrwerkes, und Herr Ziza, Präsident des ausgezeichneten Vereins „Le Travail“. (Fortsetzung folgt.) Druck dar Joh. Wirt h’gchen Hofbuchdruckerei Actien-Gesellschaft, Mainz.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.