Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 96 (5.12.1901)
- Date
- 1901-12-05
- Page
- – (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2449146-2449237--54850-2505571- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Schulen und Lehrlingswerke der Alliance Israelite Universelle im Jahre 1900. I. Elementarschulen. Mit jedem Jahre entwickelt sich das Schulwesen der Alliance immer mehr. Sechs Schalen sind im Laufe des verflossenen Jahres gegründet worden: 2 in Persien, 1 in Palästina nnd 3 in Marokko. Im Jahre 1900 hat das Central- Comitö, ausser den Vorbereitungsschulen von Paris, dem gewerblichen Lehrwerk, den landwirtschaftlichen Anstalten und der Rabbinerschule zu Konstantinopel, 100 Elementarschulen, nnd zwar 61 Knaben- und 39 Mädchenschulen unterhalten oder unterstützt. Die Zahl der Schüler beträgt ungefähr 2 6,000 Die Gbsammtausgabe für das ganze Erziehungswerk hat sich im Jahre 1900 bis zu 720,000 Fr cs. gesteigert, wovon 155,000 Fr cs. auf die Vorbereitungs- und Hilfsschulen, nnd 565,000 Fr cs. auf die Elementarschulen kommen. Zn dieser Summe füge man noch 500,000 Fr cs. hinzu, welche die Gemeinden zu den Schulkosten beitragen. Diese Opfer legen Zeugniss ab von der Anhänglichkeit an die Einrichtungen der Alliance, wie von der klaren Einsicht für ihre wahren Vortheile, sowie für die Dienste, welche der Unterricht der morgenländischen and afrikanischen Jugend leisten kann und soll. Wenn man den fortschreitenden Gang des Schulwerkes der Alliance studirt, so ist es nicht ohne Interesse, sich zu erinnern, dass die Alliance die erste Schule vor fast vierzig Jahren zu Tetuan er öffnete. Zu dieser Zeit waren die Hilfsquellen der Gesellschaft gleich Null; aber von der Ueberzengnng durchdrungen, dass nur der Unterricht das morgenländische nnd afrikanische Judenthnm heben kann, setzte das Central-Comitö seine Hoffnung auf die Zukunft, and die intelligente Grossmuth seiner Freunde und Wohlthäter hat ihm bewiesen, dass es nicht zu viel von dem Wohlthätigkeitssinne der abendländischen Jadenheit erwartet hat. Was ist seitdem erreicht worden! Die Aufzählung der Lehrand gewerblichen Anstalten der Alliance im Jahresberichte pro 1900 thut dies in beredtester Weise kund. Nach Tetuan kam Tanger, drei Jahre später wurde Bagdad mit einer Schule bedacht; im Verhältnisse des Anwachsens der Hilfsquellen entstanden anch neue Schalen. Mit der Schule in Bagdad war das Werk der Alliance in die asiatische Türkei gedrungen, mit der Sehule von Adrianopel im Jahre 1867 in die europäische Türkei; die erste Schule Tunisiens datirt vom Jahre 1878 Die Stadt Konstantinopel, wo die gewaltige Ausdehnung der Altstadt, das zerstreute Wohnen der jüdischen Bevölkerung in den verschiedenen Vierteln und bis in die entferntesten Vorstädte hinein, der Mangel irgend einer Organisation in der jüdischen Gemeinde der Errichtung von Schulen besondere Schwierigkeiten bereiteten, gelangte erst im Jahre 1874, besonders infolge eines zu diesem speziellen Zwecke grossartigen Geschenkes des seligen Baron Hirsch, z dieser Wohlthat. Nach dem russisch*türkischen Kriege von 1877 —1878 wurden mehrere Schulen in Bulgarien eröffnet. Aach das Jahr 1882 verzeichnet ein wichtiges Datum in den Schulannalen der Alliance; es war nämlich im Jahre 1882, als das Central- Comitö in Jerusalem eine Schule eröffnen konnte. Dank dem Beistände des ComitGs Mont agn in London, dank der Thätigkeit, der Weisheit und dem Takte des Direktors wurde die Schule allem Widerstande zum Trotz eröffnet; heute ist sie eine unserer bedeutendsten Schulen. Die Schule zu Fez, mit welcher die Alliance bis in das Centrum von Marokko gedrungen ist, datirt vom Jahre 1883. Seit dieser Zeit ist schnelle Aufeinanderfolge. Endlich wird man begreifen, dass in den zurückgebliebensten Ländern die Alliance keinen anderen Zweck als die Hebung der jüdischen Jugend durch den Unterricht und die Arbeit verfolgt; auch die am meisten im Rückstände verbliebenen Gemeinden wissen jetzt, dass der in den Allianceschulen ertheilte Unterricht die gebührende Ehrfurcht gegen die hundertjährigen Ueberlief er iingen mit den Erfordernissen der modernen Zeiten verbindet. In Egypten ist die Lage der Israeliten durchaus nicht schlecht. Seit vielen Jahren leben die jüdischen Gemeinden dieses Landes unter einer liberalen und duldsamen Regierung in einer völligen Sicherheit. Die Gemeinden von Alexandrien und