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Der Israelit · 1901-11-28 · Heft 94 (28.11.1901) · page 28

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 94 (28.11.1901)
Date
1901-11-28
Page
– (sequence 28)
Language
German
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2082 Zeiiurrgsnachrichtcrr «nd Korrespondenzen. Deutschland. Würzburg, im Rov. Wenn unsere Weisen sagen: i'?#:: jTP:p-ix c*tp; niST—: „durch das Verdienst frommer Frauen würden unsere Vorfahren erlöst/' so haben sie damit das Höchste für die „Würde der Frauen" ausgesprochen, und wir müsten schon daraus erkennen, welche Stellung die ihres Berufes bewußte Frau im Judenthum einnimmt; denn wie konnte die Verdienstlichkeit der Frau höher geschätzt werden, als durch die Erklärung, daß die Erlösung vom schweren Sklavenjoche und die Erlangung der nativ »alen Freiheit und Selbstständigkeit, der Frömmigkeit und Tugendhaftigkeit der damaligen Frauen zuzuschreiben ist. Aber nickt nur in jener schweren Zeit brachten solche Frauen Erlösung und Befreiung, sondern im ganzen Verlause der Geschichte unseres Volkes tritt häusig'die Erscheinung hervor, daß die Hilfe durch edle Frauen bewirkt worden. Wird die Frau ja schon bei der Schöpfung v;' „Hilfe" genannt, und isi ihr damit der schönste Beruf, die schönsteAufgabe gegeben; auch ist sie von Natur aus reicher an Gefühl und tiefer an Empfindung. Und wie sie selbst tiefer fühlt, so dringen auch ihre Worte tiefer in's Gemüth, sind selbst schon Erlösung von Leid und Kummer. Schmerz und Trauer. Aber nicht nur diese Seite kennzeichnet die r.’:p~z z'v:, sondern, und ganz besonders der fromme Sinn, die größere Empfänglichkeit für alles Religiöse und Erbauliche, die Freudigkeit in der Erfüllung der religiösen Pflichten in der Uebung des Guten und Schönen. Solcher Frauen, die sich ihrer wahren Aufgabe und Bürde bewußt, waren es in Israel stets nicht wenige; sie fanden. in der Religion die sichere Anleitung ^zur Erfüllung ihres Berufes, und die richtige Ertennmiß und ideale Auffassung desselben trug wesentlich zu einem innigeren, höheren Familienleben bei. Sb es sich auch in un- ' lerer Zeit noch so verhält, oder ob mit der Abnahme des religiösen Lebens und Sinnes im allgemeinen auch die r":p-z rtr; seltener geworden, dürfte unschwer zu beantworten sein, und sie sind es umsomehr, je mehr man das Wort in seiner vollen Bedeutung nimmt. , Umso schmerzlicher muß es daher berühren, lvenn wir von diesen seltenen Erscheinungen aus dem Dasein > schwinden und ihre Zahl sich vermindern sehen. Und ' ein solch schmerzliches Gefühl muß uns bei dem Ge- : danken überkommen, daß auch unsere Gemeinde in kurzer Aufeinanderfolge zwei solcher edlen Frauen, i solcher;r':p—» rr: einer unserer besten, hochachtbaren Familien angehörig, verloren hat; Frau Fanny! Oppenheimer, Wittwe des Herrn Simon Em.! Oppenheimer, und Frau Sophie O v p e n h e i m e r , t geb. Cramer, Wittwe des Herrn Lißmann Oppenheimer. | Wie die Männer crtrcn"' civ'-, hervorragend an Frömmigkeit und Wohlthun, sich des Vertrauens und der Achtung ihrer Mitbürger in hohem Grade erfreuten, so waren es auch diese ihre Frauen; auch sie zeichneten sich durch frommen Sinn, Wohlthun und Menschenfreundlichkeit aus, waren viele Jahre hindurch Vorsteherinnen des Frauen-Vereins, als welche sie das sie ehrende Vertrauen durch strenge Gewissenhaftigkeit und volle Hingebung rechtfertigten. Da war kein Gang zu viel, keine Stunde zu spät, um Liebesthaten zu üben, den Leidenden Trost, den Schmachtenden Hilfe zu bringen, llno wie im öffentlichen, so im häuslichen Wohlthun; Arme und Dürftige fanden freundliche Aufnahme im Hause und am Tische, Thorabeflisiene Würdigung und wohlwollendes Entgegenkommen. Und diese edlen Züge, dieses menschenfreundliche Schaffen und Wirken machte ihr Haus zu einem echt jüdischen, patriarchalischen uno übertrug sich auf Kinder und Enkel, die in solchen Eltern die herrlichste!. Vorbilder verehrt. So bildeten diese Frauen eine Zierde der Familie und der Gemeinde, und ihr Heimgang bedeutete für engere und weitere .st reise einen schweren Verlust, ern--y p—j rs"S' „Das Scheiden des Frommen macht tiefen Eindruck." Als die Mutter Erde sich anschickte, neues Leben ihren Kindern zu spenden, da endete ein langes, frommes Leben und die Erde össnete ihren Schoß, um Frau Fanny .Oppenheimer auszunehmen, und als sie sich wiederum anschickic, sich selbst der Ruhe zu überlassen, da bettete man in ihr Frau Sophie Oppenheimer zur letzten Ruhe, nach schweren Leiden. So schlummern sie süß den Schlaf des Arbeiters, wäbrend ihre reinen Seelen in lichten Höhen weilen und im Abglanze göttlicher Majestät den reichen Lohn ihres Erdenwirtens genießen. Fhr Ge däcktnist loird stets ein gesegnetes sein' Oesterreich. Lemberg, Au Ae Spitze der autonomen Verwaltung Galiziens ist ein neuer Mann getreten. Die hierläudifche Judenschafl wird dem abtretenden Grafen Stanislaus Badeni, der aus seiner Verachtung und Abneigung gegen die Juden nie ein Hehl gemacht, keine Thräne nachweinen. Die Zukunft wird lehren, ob sich sein Rachfolger, Graf Potocki, von gerechteren Anschauungen wird leiten tasten. Dem neuen Landmarschall haben sich letzthin auch der Vorstand der hiesigen KnE tusgemeinde unter Führung des Vizepräsidenten Dr. Simon Schass und das Rabbinat beider Richtungen porgestellt. Auf die Begrüßungsansprache des Vicepräses erwiederte Graf Potocki, daß er in seinem Wirkungskreise bestrebt sein werde, die Jnteresten der siidischen Kultusgemeinden zu fördern. Hoffen wir das Veste! Verantwortliche Redactton: OScar itehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", ischotlstratze Nr. 2, Mainz. Druck und Verlaa der Job. Wir'hschen Hofbuchdrmkerei Actien-GeseMckaft in Mainz

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