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Der Israelit · 1901-11-14 · Heft 90 (14.11.1901) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 90 (14.11.1901)
Date
1901-11-14
Page
– (sequence 19)
Language
German
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1981 der Antisemitismus Muhl die groben Formen des BrodneideS annehmen, aber jeder Versuch, ihm eine theore tische Grundlage mit ideologischem Zierrath zu geben, ist auf die Dauer unhaltbar. Die Tiraden der antisemitischen „Gelehrten," von der Verworfenheit der Juden, finden am Ende wenig Glauben, da doch ein jeder Ebrist im Leben genug Juden kennen gelernt hat, um zu wissen, daß sie insgesammt nicht schlechter sind, als die anderen, und daß man unter ihnen wohl schlimme, aber auch genug gute findet. Und die Armuth und das Elend des Gros der jüdischen Bevölkerung ist zu offenkundig und zu handgreiflich, als daß das Jammern über den „maßlosen Reichthum" der Juden, die dem „Volke das Mark aus den Knochen saugen," im Ernste beim Volke Glauben finden könnte. — Von einem erfreulichen Ereigniß innerhalb unseres sozialen Lebens ist zu berichten. Einige reiche, für das Wohl ihrer ärmereren Glaubensbrüder besorgte Männer haben sich zusammengethan und eine Aktion eingeleitet, um für die Heranwachsende jüdische Jugend eine Aekerbauschule zu gründen. Es ist dies ein nothwcndiges und nützliches Institut, welches dem jiidischen Volke große Dienste würde leisten können, wenn die Letter darauf bedacht!vären, die Zöglinge nicht nur zu guten Ackerbauern, sondern auch zu guten Juden heranzubilden. — Vor Kurzein verstarb in Wiesbaden ein Warschauer Bürger, der wegen seiner großen Freigebigkeit im ganzen Lande bekannte Hippolit W a w e l b e r g. Der Verstorbene, der gemeinsam mit seinem getauften Schwager ein großes Bankhaus leitete, verausgabte große Summen, um volnische Schriftsteller zu unterstützen, polnische Klastiker herauszugeben, billige Wohnungen für christliche Arbeiter zu bauen, Denkmäler für berühmte polnische Dichter zu errichten. Hie und da fiel auch ein Brocken für einen jüdischen Zweck ab. Diesen letzteren ilmstand haben ihm die bosnischen Zeitungen großmllthig verziehen, und zum Lohne für seine Freigebigkeit in den Nekrologen mit keinem Worte erwähnt, daß er es unterlassen hatte, sich zu taufen, und als Jude von hinnen geschieden ist. Ein Fehler, den seine Kinder gut zu machen bestrebt sind. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 4. Nov. Von den acht Millioueu Mail, die der im Februar dieses Jahres in Nizza verstorbene Rentner Jakob Plaut testamentarisch für gemcinnülzige und wahlthätige Zwecke bestimmt hat, ist ein erheblicher Theil nach Berlin geflossen. So erhalten oder haben erhalten: die städtische Armenkasse 100 000 Mart, die Korporation der Kaufmannschaft 50 000 Mark, die jüdische Gemeinde 50 000 Mark, die Armenkasse der jüdischen Gemeinde 15 000 Marl, der Leüevercin 35 000 Mark, die jüdische Reformgemeiude Iss 000 Mark, der Verein für Unfallverletzte 20 000 Mark, das Feierabendhaus für Lehrerinuen Deutschlands lO 000 Mark, die Hilfsvereine für jüdische Stndirende und Akademiker 20000 Mark, der Vegetarische Verein 30 000 Mark, die Heilstätte für Nervenkranke „Hans Schöuow" und deren Unterstützungskasse 40 000 Mark, der Ashlvercin für Obdachlose 20 000 Mark, die Berliner Ferienkolonien 20 000 Mark, der Verein für Kiuderheilstätten an den deutschen Seelüften 20 000 Mark, das Erholnngsheiln für deutsche Lokomotivbeamte 20 000 Mark, die jüdische Altersversorguugsaustalt 12 000 Mark, der Verein für häusliche Gesundheitspflege lss 000 Mark. An arme Gouveruanteu und Dienstmädchen sind 20 000 Mark vertheilt worden. Mit je 10 000 Mark sind bedacht worden: die Reliktcntasse des Rabbinerverbandes, das Kurhospital Kolberg, die Anstalt zu Ahlem, das Krankenhaus in Memel, das Mädchcnheim Pankow, der Unterstützungsverein jüdischer Lehrer in Preußen, das Altenashl Friedrich Wilhelm- Viktoria-Stiftung der Berliner Kaufmannschaft, der Fröbelvercin, die Pensionskasse jüdischer Lehrervereinc, der Pestalozzi-Frauellverei'tt, das Schtvesternheim des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen, das Genesungsheim in Lehnitz, der Verein „Hauspflege", das Kinderheim in der Keibelstraße, die ttnterstützuiigskasse der Berliner Volksküchen, der Moonsche Blindenverein, die königliche Blindenanstalt, der Berliner Krippenverein, die Arbeitsstätte für arbeitslose Familienväter, eine Stiftung für kranke Angehörige von Berliner Schutzleuten und eine gleiche für die Eharlcttenburger Schutzmannschaft, die „Auskunft^ stelle" der Ethischen Gesellschaft. Je ein Freiheit von je 10 000 Mark, ist errichtet worden in einem städtischen Krankenhaus, im St. Joseph-Hospital der Granen Schwestern und in dem jüdischen Krankenheim Ehewra Kadischah. Im Uebrigen sind mit größeren und kleineren Summen hiesige und auswärtige Anstalten und Vereine hier, in Leipzig, Dresden, Nordhansen und Hamburg bedacht worden. Nach der eigenen Bestimmung des Verstorbenen sind ferner 300 000 Mark nach dem Königreich Sachsen gegangen, zur Halste für invalide Arbeiter, zur anderen Hälfte für durch Brandunglück Geschädigte. Insgesammt sind ans dem Nachlasse ca. WO 000 Mark seitens des Plantschen Familienraths an jüdische und uichtjüdische Vereine und Institute überwiesen worden, lieber nahezu zwei Millionen hatte der edle Philanthrop selbst testamentarisch verfügt. Der namhafte Nest des Nachlasses ist, wie verlautet, zur Errichtung zweier großer Wohlthäligkeits-Stiftnngen in Berlin und in Hamburg bestimint. _ vermischtes. Karlsruhe t. B., 11. Noo. Kürzlich ging durch eine Zeitung die Nachricht, daß der jüdische Studentenverein Heidelberg ein Verbot des Farbentragens erhalten hatte. Demgemäß theile Ihnen mit, daß diese Disziplinirung an dem Klub „Badenia", welcher absolut nicht national jüdisäi ist, vorgenommen wurde und zwar wegen thätlicher Erwiderung antisemitischer Beleidigungen, die von Mitglieder, Studenten anderer Korporationen, vorauszegangen war u Auch diese wurden disziplinarisch genraßregett. — Karlsruhe zählt 97,164 Einwohner^ und zwar 51,079 evang, 43,023 römisch und altkath., 2577 Israeliten und 485 andere Schattirungcn.

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