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Der Israelit · 1903-11-11 · Heft 89 (11.11.1903) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 89 (11.11.1903)
Date
1903-11-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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42« Jahrgang. M 8» Der Israelit. Ein Genlrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von Dr. ffeftnratm in tttainf. Montag, den 11« November 5662 (1901), Leitender Artikel. Lin Thränen-Trio. Im Midrasch findet sich eine Stelle, welche, unserer Auffassung gemäß, das Verhältniß der in der Geschichte um die Herrschaft streitenden Prinzipien des Rechtes und der Gewalt veranschaulicht. Es heißt dort: np^riCJ nnsi Vectra rnx: irc'a r-x T*nn n:yoi V'bw niyana '.apa'm nyen anb cnS’axn x’ni iry "prc. „Drei Thränen weinte Esau; eine entrang sich seinem rechten, eine seinem linken Auge, und eine unterdrückte er, und diese, die nichtgeweinte, hat uns das Brod mit Thränen gesalzen und uns die Thränen im Dreimaß zu kosten gegeben." Diese Thränen versetzen uns in den Moment der Enttäuschung Esaus über den ihm durch Jakob entrissenen Segen. Esau hatte sich denselben durch seinen dem väterlichen Prinzip entgegengesetzten Lebenswandel in tiefem Grunde selbst verscherzt und zwar dergestalt, daß die Resultate der Veranstaltungen Rebekas — wenngleich sich gegen die Veranstaltungen selbst im Midrasch eine richtende Stimme erhebt — der sittlichen Verschiedenheit Esau's und Jakob's vollends entsprochen. Ohnehin zielte Rebeka's Plan nicht auf eine materielle Bevorzugung Jakob's hin, sondern auf die väterliche Anerkennung seiner Berufung zum geistigen Führer im elterlichen Hause. In Jakob sollte sich das geistig-sittliche Erbe Abraham's und Jsak's zur Tradition an die Folgegeschlechter retten und Esau in allmählichem Anschluß an Jakob's Prinzip seine Bestimmungen finden. In diesem Zusammenhänge erscheinen die Prinzipien des Rechtes und der Gewalt in den Gängen der Geschichte. Der Vertreter des Rechts lebt still seiner Aufgabe dahin, während die Gewalt immer mehr schwindet und schließlich das Schwert zur ewigen Ruhe in die Scheide stecken wird. Freilich winkt diese völlige Ausgleichung der schroffsten geschichtlichen Gegensätze erst am Ende der Zeiten. Bis dahin wogt auf der Bühne der Geschichte der Kampf der Kontraste unaufhörlich. % Die lange Dauer desselben liegt nicht zum Mindesten"an der zeitweiligen Unzulänglichkeit Israels, Rechtsvertreter unter den Völkern zu sein. Wäre Israel seiner Aufgabe treu geblieben, so hätte es durch sein Beispiel das Gewissen der Völker zur Selbstbesinnung aufgerufen. Während diese trotz politischer Maßnahmen nicht im Stande gewesen wären, den Lorbeer des Völkerruhmes für immer um ihre, Schläfen zu winden, hätte Jsrael's nationales Gedeihen, das ohne Rücksicht auf die weltbewegenden Kämpfe der Nationen zur höchsten Blüthe sich entfalten sollte, die Thatsache leuchtend und mahnend in die Erscheinung treten lassen, daß nur gottgefälligem Leben wahres Glück auf Erden reift und der Ruhmeswagen, den die Selbstverherrlichung der Menschen baut, über diese selbst unerbittlich zermalmend dahinrollt. Jsrael's Beispiel, ohne besondere äußere Macht sich nur mit Gott im Bunde zu fühlen, hätte die Menschheit, langsam aber sicher, zu der Erkenntniß und Anerkenntniß Gottes geladen. Die Geschichte hat verhältnißmäßig wenige, von dem Lichte solchen Beispiels bestrahlte Perioden, aufzu- > weisen. Den größten Theil seines geschichtlichen Lebens hat Israel im Goluß, unter dem Eindruck der Zurückgezogenheit der göttlichen Schechina, verbracht. Dieses Fernsein der Gottesnähe hat Jsrael's Loos mit bitteren Kämpfen ausgestattet. Israel befindet sich auf fremdem Boden, nicht selten in einem Menschenkreise, der die Prinzipien des Raubes und des Mordes auf seine Fahne geschrieben. Wenn es eine Zeit gibt — sollte man vom menschlichen Gesichtspunkte aus denken — die eine günstige Gelegenheit zur völligen Vernichtung Jsrael's und des seinerseits durch die Geschichte getragenen Geistes bietet, so könnte es nur diese der um

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