Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 88 (7.11.1901)
- Date
- 1901-11-07
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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pRiu£ mmijiJL.i 1925 Aufgeboten sprechen, olle, alle werden Freiheitskämpfer heißen. Noch sind wir nicht so weit. Wir sind erst beim zweiten Aufgebot. Ehrwürdige Vaterlandsfreunde müssen im Lande umherziehen und die kraftstrotzende Jugend zum Freiheitskampfe anspornen. Wer anders sind es aber, als Männer von Ansehen und Einfluß, die ihr Judenthum Hochhalten? An Sie, meine Herren, die Sie mit unseren Bestrebungen, wie Ihr zahlreiches Erscheinen beweist, sympathisiren, an Sie, meine Herren, appelliren wir nun, unterstützen Sie uns freundlichst in unserer Arbeit, werben Sie draußen für den „V. I. St." und seine Tendenzen'. lind hoffen wir, daß es dann zu einem dritten Aufgebot nicht kommt! Aeitirngsnachrichte« und Korrespondenzen. Deutschland. München, 4. Nov. „Der Verbreitung der Juden in Asien und Afrika" widmet Albrecht W i r t h in seinem Buche „Volksthum und Weltmacht in der Geschichte" (München. F. Bruckmann A.-G.) ein eigenes Kapitel. Die Saffanidenzeit war vermuthlich die Epoche, in der die Wanderung der Juden weiter nach Osten begann. Es sei darauf hingewiesen, daß im 9. und 10. Jahrhundert jüdische Kaufleute Turtestan und Hochasien durchstreiften, daß Vasco da Gama Juden in Kalkutta antraf, und daß in Siam und Südchina heute noch Glaubensgenosien derselben wohnen, die gleich nach der babylonischen Gefangenschaft eingewandert sein sollen. Eine andere Tradition sagt, daß die Einwanderung unter der Dynastie der Han geschehen sein soll. Merkwürdig ist nur, daß die chinesischen Juden Stücke einer Thora haben, die von der gangbaren ziemlich abweicht. Die Kenntniß des Hebräischen ist bei ihnen fast völlig entschwunden, auch sind sie in Sprache und Tracht ganz im Chinesenthum ausgegangen. Entweder von dem Saffanidenreiche, das unter Anoschirwan eine Art Oberhoheit über Jemen ausübte, oder von Aegypten sind jüdische Auswanderer nach Arabien gekommen und hoben das Volk der Himjariten für den Mosaismus gewonnen. Das scheint bald nach dem Jahre 600 geschehen zu sein. Trotzdem aber dann von Byzanz aus die Himjariten dem Mosaismus wieder entrisien wurden, blieben Vertreter und Lehrer der Juden im Lande, auch fernerhin die Kultur der Außenwelt vermittelnd. Ob die heutigen Juden von Aden von jenen Pioniren des sechsten Jahrhunderts abstammen, weiß man nicht. Die Sprache dieser Leute ist Arabisch, doch ist ihnen auch Hebräisch geläufig; das erstere würde auf einen ziemlich langen Aufenthalt im Lande deuten. Das gleiche Argument ist für die heutigen Juden in Persien geltend zu machen. Das Idiom der Israeliten von Jufa (bei Jspahan), Schiras und Hamadan ist nämlich eine ganz merkwürdige Mischung, die zeigt, daß jene Zersprengten geraume Zeit außerhalb einer größeren Zivilisation standen. Die Mischung ist aus Lurisch, Farsi, Hebräisch und einer dem Mazenderan ähnlichen Mundart zusammengesetzt. Die eigentliche Eroberung des Mosaismus war die Bekehrung der Falascha an den Westabhänger Abessyniens. Die Falascha gehören zu der ausgedehnten hamitischen Raffe, die von Marokko bis Somaliland und Uganda reicht. Die Bekehrung war vermuthlich von Aegypten aus erfolgt. Als sicher kann wohl angenommen werden, daß die Bekehrer griechisch sprachen und hebräisch verstanden; die jetzigen Falascha aber sprechen und verstehen nur äthiopisch, und zwar eine Mundart, die dem Agau verwandt ist, während der Mosaisnrus und seine Gebräuche sich erhielten. Auch ist noch die Thora vorhanden, freilich in äthiopischer Sprache. Oe st erreich. Prag. Vor dem hiesigen Landesgericht als Verufsgericht fand jüngst eine bemerkenswerthe Verhandlung statt, welche zeigt, wie „Ritualmordgerüchte" entstehen. Die Gemeinde Rjevener bei Prag wurde durch die Erzählungen eines siebzehnjährigen Mädchens, Marie Obermann, in große Aufregung versetzt, da dasselbe behauptete, nur durch ein Wunder einem „Ritualmord" entgangen zu sein. Sie sei in den Geschäftsladen des Philipp Winter getreten, um dort ein paar Strümpfe zu kaufen. Plötzlich sei sie durch Frau Winter in den Hintergrund des Ladens gedrängt worden, die Ladenthür sei zugemacht worden, nachdem der Kaufmann Winter eingetreten war. und sie habe in ihrer Angst nur gesehen, daß Winter in den langen Schäften feiner Stiefel ein großes Meffer trug. Dann sei an der Thür gepocht worden, eine fremde Frau sei eingetreten, und nur diesem glücklichen Umstande habe sie es zu danken, daß sie freigelassen wurde. Das Ehepaar ward in Landesgerichtlichc Untersuchung gezogen, die jedoch mangels jeden Thatbestandes eingestellt wurde. Es stellte sich dabei heraus, daß die Frau, welche angeblich in den Laden gekommen sein soll, überhaupt nicht dort war, daß Kaufmann Winter damals krank darniederlag und daß die Obermann selbst ihrem Onkel, der Sicherheitswachmann ist, nichts von dem Abenteuer bei Winter erzählte. Das Ehepaar Winter strengte die Ehrenbeleidigungsklage gegen die Obermann an,, welche jedoch freigesprochen wurde, weil der Sachverhalt nicht Erwiesen sei. Während des Berufungsverfahrens wurde der Geisteszustand des Mädchens untersucht. Der Vertreter der Ankläger, Dr. Bendiener aus Prag, stellte durch das Gutachten fest, daß die Obermann an Hysterie leide,