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Der Israelit · 1901-10-31 · Heft 86 (31.10.1901) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 86 (31.10.1901)
Date
1901-10-31
Page
– (sequence 19)
Language
German
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1889 fürchtuug eines freifprechenden Verdiktes der Geschworenen, Abstand nimmt, so müßte sie von dem Rechte der objektiven Verfolgung umsomehr Gebrauch machen, als die stillschweigende Duldung derartiger Aufreizungen bei der gesetzesunkundigen Menge die Meinung erwecken muß, als ob die Beschimpfung, Boptottirung und Verleumdung jüdischer Staatsbürger und insbesondere jüdischer Geschäftsleute der Sanktion des Strafgesetzes nichl unterliege. Geruhen daher Eure Excellenz, die k. k. Staatsanwaltschaft Linz anzuiveisen, in künftigen, gleichartigen Fällen das Gesetz zur Anwendung zu bringen, die schädlichen Wirkungen des Artikels aber auch durch dessen nachträgliche Beschlagnahme nach Möglichkeit zu paralusiren und damit zu bekunden, daß nicht jeder Schimpf und Unglimpf gegen uns Juden, die ihre staatsbürgerlichen Pflichten mit aller patriotischen Hingebung erfüllen, straflos gestattet sei." Die Beschwerde wurde vom Leiter des Rechtsschutz- Bureau der österr.-ungar. Union dem Justizminister überreicht. Seine Ercellenz sagte die Erfüllung der darin ausgesprochenen Bitte zu. Pcraun (Böhmen). Welch' eigenthümliche Zustände in manchen Kultusgemeinden Böhmens herrschen, möge folgendes Beispiel beweisen: Die Kultusgemeinde H. an der Böhmischen Westbahn, welche einige Fabrikanten, Großgrundbesitzer u. dgl. zu ihren Mitgliedern zählt, zahlt ibrem Rabbiner, der zugleich die Funktionen eines Kantors, Koreh, Lehrers, Schächters. GeureindesekretärS und MatrikenführerS versehen muß, einen Gehalt von 1100 Kronen. Mir die hohen Feste ivurde früher ein zweiter Vorbeter bestellt. Dieses Jahr trat jedoch der Vorstand auS Ersparungsrücksichten an den Rabbiner mit der Forderung heran, er möge an den hoben Festen gegen eine Remuneration das Amt eines Vorbeters allein versehen. Der arme Rabbiner sagte uiit Hinblick auf die Remuneration zu. Doch sollte ihm diese Kraftleistung theuer zu stehen kommen. Rach dem Mussafgebete am Versöhnungstage wurde er von einer Ohnmacht befallen, aus der er sich nur schwer erholte. Und nun kommt das Schönste'.! Während dieses Ohnmachtsanfalles ging das Vorstandsmitglied Herr Bohuinil Robitschel mit einem Teller in der Svnagoge herum und veranstaltete eine Kollekte für den Rabbiner. Als dieser sich nun erholt hatte, wurde ihm der gesammelte Betrag von einigen Kronen eingehändigt und der so entlohnte Mann mußte nun die Funktion bis zum Ausgange des Aersöhnungstages versehen. Unglaublich, aber doch wahr.'- Amerika. tkicwnort, 24. Okt. Ein Dr. von B l o w i tz bat soeben, einer Meldung aus Mexiko zufolge, Vorbereitungen zur Kolonisirung von 63,000 Israeliten im Staate Sonora getroffen. (?) Er hat eine Million Acres Land getauft. Näheres über die Sache weiß man hier noch nicht. Palästina. Jerusalem. Die Jeschiba „Ohek Moscheh" hatte im Jahre 1900—1901 eine Einnahme von 64,528 Piastern und eine Ausgabe von 80,180 Piastern; also ein Defizit von 15,651 Piast. Die Institution verdient das Wohlwollen aller Zionsfreunde. Adresse: Rabbiner CH. Jakob Schapira für Jeschiba „Ohel Moscheh." Literarische Notiz. .Homburg v. d. 29. Okt. Soeben ist der neue „Jüdisch-litterarische Abreißkalender pro 1902," von Rabb. Dr. H e p p n e r . erschienen. Der Kalender hat in der kurzen Zeit seines Bestehens sich derart den Weg in die jüdischen Familien gebahnt, daß es nicht nöthig ist, ein Wort zu seiner Empfehlung zu sagen. Hervorbeben wollen wir nur. daß der Verfasser bestrebt war, durch manche Neuerungen den Werth seines Kalenders zu erhöhen. So sind die wichtigeren Tage des Jahres durch Rothdruck kenntlich gemacht und der Sabbat-Ausgang ist nach mitteleuropäischer Zeit von fünf verschiedenen Städten Deutschlands angegeben. Manche Personen, deren Leben von keiner Bedeutung für das Judenthum war, sind fortgelassen und wiederum andere, deren Erwähnung wünschenswert!) ist, neu ausgenommen worden. Wir hoffen, daß in dieser Beziehung der geehrte Herr Verfasser noch weiter fortschreiten und den Kreis der aufzunehmenden bedeutenden Männer Israels immer enger ziehen wird. Trotz aller Verbesserungen ist der Preis des Kalenders herabgesetzt worden und ist es zu wünschen, daß der Kalender, der durch die mit bedeutender Sachkenntniß abgefoßten historischen Daten ganz besonders geeignet ist, die Kenntniß der jüdischen Geschichte und Litteratur unter das Volk zu bringen, in keinem jüdischen Hause fehle. > Vermischtes. «talantha (Ungarns. 22. Oktober. Die hiesige Jeschibah unter Leitung des Herrn Rabbiners RischinSky veranstaltete am 2". Oktober eine üi/unrfter. Nack dreijährigem Lernen wurde Masechet Schabbos beendet. DaS Fest verlief prachtvoll, eS wurde sehr viel ,_u“i gesprochen. Das „Vereinsliederbuch für Jung-Juda" und das dazu gehörige Notenhest (letzteres erscheint in kurzer Zeit) ist nur vom Jüdischen Turnverein „Bar Kochba", Berlin, Schönhauser Allee 182 h und zwar nur gegen Voreinsendung des betrejsenden Betrage-, Bestellgelds und Porti zu beziehen. (Deutsche und österreichische Briefmarken gelten als Zahlungsmittel). Versandt per Nachnahme erfolgt nur bei größeren Aufträgen und auch dann nur für Deutschland u n b O e st e r r e i ch - U n g a r n. Der Preis des Lieder« buchs stellt sich auf 40 Pfennige. Bei Bestellungen von 50 Liederbüchern gewähren wir 25 Prozent Aabatt. — Probeexemplare werden nicht gratis verschickt Reklamationen werden nur innerhalb acht Tagen nach Absendung berücksichtigt.

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