Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1901-10-31 · Heft 86 (31.10.1901) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 86 (31.10.1901)
Date
1901-10-31
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2449146-2449227--54561-2505272
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

I i ISS1 in .Vlrant()cisfäüen, und endlich dringende Beihilfe an besonders würdige, durchreisende Arme in Ausnahmefällen, so bald sie sich nicht zu oft wiederholen. Im 2aufe des Jahres fanden zehn Vorstandssitzungcn statt. Das Geschäftsjahr zählte beim Beginn ‘>3 Mitglieder. Hiervon schieden im Jahre neun aus und sechs traten neu hinzu, so daß die gegenwärtige Mitgtiederzahl F>0 beträgt. In Gemeinschaft mit dem Irauenvercin veranstaltete der Jungfrauenverein ein Wintervergnügen, ebenso fand am 30. Juni ein Sommervcrgnügen statt, wodurch die lieberschiiffe der Vereinssonds sich bedeutend verstärkten. Auch der Stadtarmen wurde durch Verabreichung von Baarunterstützi/ngen und Verabfolgung von Brennmaterialien fiir den Winter gedacht. Inhaltlich des Statuts er dielten vier Bräute die bestimmten Gebetbücher. Hierauf berichtete die Kasftrerin, Frl. Paula (3 aus, über den Stand der Vereinslassc. An Einnahmen sind 410.06 Btt. zu verzeichnen, denen 308.70 Marl Ausgaben gegenüberstehen. Infolge Antrages wurde zum geschäftlichen Theile veschlossen, dast regelmäßige Zusammenkünfte von Mitgliedern stattfinden sollen, um die Geselligkeit zu vslcgen. Es sollen hierbei Vorträge. Vorlesungen et.', abwechseln und Handarbeiten vorgenvmmen werden. Die gefertigten Gegenstände sollen dann die Armen bei besonderen Anlässen erhalten. Rußland. Potnui,st, 28. Skt. Eine Nacht der Noth und der Kümmerniß war die Nacht des Ausgangs Sabbat Lech Lecho. An einem der Häuser des Marktplatzes züngelten die Flammen empor und in Folge des starken Windes breitete sich das Feuer bald in der ganzen Stadt nach allen Seiten aus. Mehr wie hundert Häuser mit ihrem gesummten Inventar, ein Drittel aller Kaufläden, drei Botei Medroschim, zwei jüdische Apotheken und die hebräische Buchhandlung von Jakob Günzburg wurden ein Raub der Flammen. Auch ein Menschenopfer ist leider zu beklagen, eine junge Frau, Mutter von fünf Kindern, verbrannte, nachdem sie ihre Kinder gerettet hatte; ihr Gatte fand ihre Asche am anderen Sage unter den Trümmern. Das Herz blutet mir. wenn ich an die hunderte von Menschen denke, die von Allem entblößt, unter freiem Himmel kamviren. E n g l a n d. London. (Erschwerung der Auswanderung nach Amerika.) Wir haben s. Z. über das sonderbare Ansinnen berichtet, welches die Newyorker „United Hebrew Ehcirities" an den Londoner „Board of Guardians" gestellt haben, letzterer möge fortan keine Juden mehr nach den Bereinigten Staaten oder nach Canada senden. Die Kommission des Auswanderungskomitees, dem die Angelegenheit zur weiteren Bearbeitung überwiesen wurde, hat nun am 16. September in der Sitzung des Boards Bericht erstattet. Danach hat das Komitee im verflossenen Jahre 1038 jüdische Emigranten befördert, von denen 784 nach Newport geschickt wurden. Die Auswanderer mußten im Alter von unter 40 Jahren stehen, gesund und im Besitz von einigen Mitteln sein und in Newyork Verwandte oder doch Freunde haben, welche bereit wären, sich in der neuen Heimath ihrer anzunehmen. Lehrer oder Kausleute wurden von der Beförderung nach Newyork prinzipiell ausgeschlossen. Das Komitee glaubt nicht, daß von allen von ihm nach Newyork beförderten Juden auch nur ein Einziger die Hilfe der vereinigten jüdischen Wohlthätigkeitsvereine Newyorks in Anspruch genommen hat. Von den 1038 Auswanderern hatten 20 vCt. ihre Familien bei sich, weitere 20 pEt. waren alleinstehende Männer und Frauen, 8 pEt. hatten Verwandte in Amerika, die ihnen Schiffstarten geschickt hatten, während der Rest von 56 pCt. ganze Familien lvaren, die ihrem ihnen nach Amerika vorausgegangenen Ernährer nachgereist sind. Bei dieser vom Board getroffenen vorsichtigen Auswahl der Emigranten und angesichts der Thatsache, daß die 754 vom Board nach Newyork beförderten Personen kaum 1 pEt. aller im Jahre 1900 nach Amerika ausgewanderten Juden ansmachen, schlägt das Komitee dem Board vor, den Wunsch der United Hebrew Charities abzulehnen. Alles, was der Board noch allenfalls versprechen könnte, wäre 1) keine Juden mehr nach Newyork zu senden,- 2) keine Familien, deren Oberhaupt bereits in Amerika weilt, ohne Genehmigung der vereinigten Ncwyorker Wohlthätigkeitsvereine nach den Vereinigten Staaten zu befördern. Dagegen kann der Board nicht versprechen, die Auswanderung nach außerhalb Newyork liegenden Plätzen der Vereinigten Staaten oder gar nach Eanada zu unterbrechen. Diesem Anträge des Auswanderungskomitees trat Mr. Joseph entgegen, welcher überhaupt jede bindende Zusage an die United Hebrw Charities abgelehnt sehen will. Seit dem 15. Juli hat der Board überhaupt nur 68 Personen nach Newyork befördert. Angesichts dieser Thatsache schlägt er folgende Resolution vor: Der Board erblickt in dem riesigen Anwachsen des Ncwyorker Ghetto eine große Gefahr für das amerikanische Judenthum und spricht den unter großen Schwierigkeiten arbeitenden vereinigten jüdischen Wohlthätigkeitsvereinen Newyorks seine volle Sympathie aus. Gleichzeitig erklärt er, ohne sich irgendwie binden zu wollen, auf dem seit zwei Monaten befolgten Wege, Auswanderer nach Amerika nur in Ausnahmefällen zu befördern, bis auf weiteres verharren zu wollen. Dieser Beschluß, welches ein sehr weitgehendes Entgegenkommen den Wünschen der Ncwyorker Vereine gegen über und eine faktische Restriktion der Auswanderung nach Amerika bedeutet, soll in allen Auswanderung^ rentren Rußlands, Galiziens und anderer Länder b-:

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.