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Der Israelit · 1901-10-28 · Heft 85 (28.10.1901) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 85 (28.10.1901)
Date
1901-10-28
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1866 Q e st e r r e i ch. Wien. In dem lebhaftem Zeitungslampf, der jetzt in Böhmen zwischen den verschiedenen deutschen Fraktionen geführt wird, taucht eine interessante Reminiszenz aus, die Zeugniß davon gibt, wie Schlagworte je nach Bedarf gemodelt und geknetet werden. Ein Leitmeritzer Blatt hält dem Abgeordneten Dr. Bareutber, der sozusagen eine Respektsperson unter den Alldeutschen, ihr parlamentarischer Senior ist, seine früheren Aeußerungen über Schönerer und über Schönerer'schen Antisemitismus vor. Bekanntlich hat sich jetzt sogar die Prade'sche Volkspartei in ihrer Angstmeierei dazu verleiten lassen, in ihrem Wahlaufruf den „Judenpunkt" ganz besonders scharf zu markiren. Da ist es nun doppelt zutreffend, die Aeußerung des Schönerianers Bareuther aus dem Jahre 1886 wieder aufzufrischen. Damals sagte Dr. Bareuther in Eger: „Auf einen Weg werden wir uns allerdings nicht begeben, auf den Weg der Rassenhetze, speziell der Hetze gegen die Juden. Als Prügelknabe, als Sündenbock für alles Unheil, das auf der Welt geschieht, wer eignet sich besser dazu, als immer und immer wieder der ewige Jude? Die Minorität ist so klein, die Majorität so groß, das Agitationsmittel so gemeinverständlich. Auch unter uns, die wir hier versammelt sind, ob Christ oder Jude, wird es kaum Jemanden geben, der nicht schon einmal in seinem Leben in mehr oder minder kräftiger Weise seinem Unmuth Luft gemacht hätte gegen die oder gegen diesen oder jenen Juden. Es ist wahr, im Judenthum tritt die Gier und Sucht nach Geld und Einfluß, der Wechsel der Gesinnung, je nach dem Domizil, dem Land, der Ziffer der Bevölkerung verhältnißmäßig viel häufiger zu Tage, als bei den anderen Stämmen, die unseren Staat bewohnen; es schickt so manches schmutzige Gesindel in Börsensäle zu Gründertischen, in Zeitungsstuben, das aus dem Verluste Anderer Gewinn erzielt. Aber sollen wir, weil die Einen verwerflich und schlecht, die Anderen von uns abstoßen, wenn sie auch noch treu und ehrlich zu uns stehen wollen? Sind wir Deutschen in Oesterreich, in den sprachlich gemischten Ländern zumal denn gar so sicher gebettet, daß wir uns den Luxus erlauben dürfen. Ahnenproben darüber anzustellen, wer mit uns gehen darf, wer nicht? Sollten wir der Juden halber uns zanken, vielleicht gar Ausnahmegesetze schaffen, wir, die stets als eine der werthvollsten Errungenschaften in unseren Staatsgrundgesetzen den Grundsatz angesehen: „Bor dem Gesetze sind alle Staatsbürger gleich?" Rein. Im privaten Verkehr mag Jeder nach seinem Geschmack umgehen, mit wem er will; für Denjenigen aber, der berufen ist zur Mitwirkung an der Gesetzgebung und an dem Gesetzvollzug, dürfen Anti- und Sympathien nicht ausschlaggebend sein." Auch Dr. Steinwender war Anno 1886 noch bekanntlich anderer Ansicht über die Antisemiten. Inzwischen ist er, da diese ihn jetzt mit ihrem grimmigsten Haß verfolgen, wohl auch zu seiner ursprünglichen Ansicht zurückgekehrt. Damals, im Jahre 1886, sagte Dr. Steinwender, der sich nachmals mit Stolz den ersten Antisemiten nannte: „Die Antisemiten verderben den guten Kern, der ihren Anschauungen zu Grunde liegt, sowohl dadurch, daß sie den Antisemitismus zum parteibildenden Prinzip machen, wie auch dadurch, daß sie sich in dem unfruchtbaren Trubel konfuser Agitationen erschöpfen." Die hübsche Reminiscenz mögen sich die Herren Bareuther und Steinwender nun hinter den Spiegel stecken. Und auch Herr Prade, der Führer des so auffällig antisemitisch übertünchten Flügels der Volkspartei. Nagh Tapolcsany. Unter ungewöhnlicher Theilnahme wurde am 16. d. M. Frau Fanny Felsenb e r g zur letzten Ruhestätte gebettet. Die Armen und Dürftigen aller Schichten beklagen in ihrem Heimgang einen unersetzlichen Verlust. Mit seltener Klugheit verstand sie, ihre tiefinnige, jüdische Frömmigkeit in den Dienst der drei Säulen des Judenthums min, nusi rvrss zu stellen, indem sie mit besonderer Vorliebe dort Wohlthaten streute, wo es galt, die Thora bei der Jugend zu erhalten. Die Leiter der drei Thoraanstalten, mit Herrn Rabbiner Ph. S ch l e ß i n g e r an der Spitze, und sämmtlichen Thorajiingern, gaben ihr das letzte Geleite. Die Verstorbene war langjährige Präsidentin des Frauenvereins, den sie liebe- und segensvoll leitete ■ Heinrich Fürst. Berichtigungen. In dem Artikel «Rabbi Ascher Lemel Löwh soll anstatt Rabbi Jakob Ben Ascher, Rabbi Joel Ben Samuel SirkiS heißen, welcher der Verfasser des n'm raitffn zu den DH’ö 'I des Rabbi Jakob Ben Ascher gewesen. — Die Berichtigung in Nummer 81, E'fte Beilage. Sekte 1762 unten, hat Herr I. Sturmann, Osterode, einoesandt._ Lebensversicherungs-Gesellschaft zu Leipzig, auf Gegenseitigkeit errichtet 1830 (alte Leipziger). Vom 1. Januar bis 1. Oktober 1901 sind 5252 Anträge über Mark 40 245 000 Versicherungssumme (M. 2 750 800 mehr als in der gleichen Zeit des Vorjahres) eingegangen und 4600 Versicherungen über M. 34 323 600 (M. 2 698 700 mehr als in der gleichen Zeit des Vorjahres) abgeschlossen worden. ES hat sich damit der Versicherungöbestand auf 617 Millionen Mark gehoben, wahrend das Vermögen auf 207 Millionen Mark angewachsen ist. Bei der alten Leipziger Gesellschaft, die eine reine GegeneitigkeitSanstalt ist, fließen alle Ueberfchüsse in Gestalt von Dividenden den Versicherten wieder zu, die auf diese Weise bis jetzt 72 Millionen Mark erhalten haben. Im lausenden Jahre beträgt die Dividende für die länger als fünf Jahre bestehenden Versicherungen beim Dividendenplan A, wie seit mehr als einem Jahrzehnt, 42°/0 der ordentlichen Jahresbeiträge bei abgekürzten Versicherungen außerdeni noch l,5°/0 der Summe der gezahlten Zusatzprämien; beim Dividendenplan 6 gelten steigende, nach der Dauer der Versicherung abgestufte Dividendensätze, die die Leipziger Gesellfchast in der von Anfang an in Aussicht gestellten Höhe fortgewährt, wahrend viele andere Gesellschaften sich gezwungen gesehen haben, ihre steigende Dividende herabzusetzen.

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