Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 85 (28.10.1901)
- Date
- 1901-10-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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42. Jahrgang. ^ZZ88. Der Israelit. Ein Kenlrak-Hrgan für das orthodoxe ZudenIHum. Begründet von Dr. Stfyuwnn in UtKini. WlontaQ, den 2 8. Oktober 5662 (1661). m 3met Metvlr abonnirt man bei allen Postanstalten für die Monate November & Dezember auf den „Israelit". Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-AeitungSfchatter des Wohnsitzes des Bestellers oder bei dem betreffenden LandbrteftrSger aufgegeben werden. W09~ Die Briefträger sind berechtigt, den Abonnements-Betrag in den ersten 25 Tagen deS Monats gegen Quittung in Empfang zu nehmen. Ausland entsprechend höher. Die ErpedMon -es «Israelit." Leitender Artikel Das orthodoxe 2udenthum. Von Will). Lötvy in Sarbogard, Ungarn.*) ix. Der Rabbiner. Bemerkenswerth ist und bleibt es, daß gerade in den neologen Gemeinden der Rabbiner eine so untergeordnete Stellung einnimmt; in den neologen Gemeinden, wo Niemand geboren werden und Niemand sterben kann, ohne den Rabbiner; wo kein Knabe und kein Mädchen in den Verband des Judenthums treten kann, ohne den Rabbiner; wo keine Trauung und kein Begräbniß stattfinden kann, ohne den Rabbiner; wo kein Gottesdienst denkbar ist, ohne den Rabbiner; wo, mit einem Worte, bei jeder religiösen oder irreligiösen Zeremonie der Rabbiner einmal anwesend sein und Mitwirken muß; in neologen Gemeinden, wo der Rabbiner, apropos! der Rabbiner und Prediger das ganze Judenthum, die Gesammtreligion repräsentirt, daß gerade hier der Rabbiner und Prediger nicht mehr und nicht weniger geachtet wird, als sonst irgend ein — Luxus- *) Forschung aus Nummer 81. Artikel! Der Rabbiner ist nur ein Luxus-Artikel! so verkündet in die Öffentlichkeit eine intelligente und „glaubensstarke" Gemeinde unserer Neologen. Der Rabbiner ist ein Luxusartikel, so sagen es die Statuten unserer Neologen, wenn auch nicht wörtlich, so doch sinngemäß. Der Rabbiner ist ein Luxusartikel!, also wird es de facto in den neologen Gemeinden gehalten. Woher mag dies kommen? Warum ist der neologe Rabbiner, der nicht nur der Vertreter der Religion, sondern auch die leibhafte Personifikation der ganzen Religion ist, nicht mehr, als ein Luxusartikel? Wir müssen annehmen, daß dies in der neologen Theologie seine Begründung haben wird. Wir erheben gewiß keinen Anspruch darauf, „neologe Autorität" zu sein, umsoweniger, da dort, wo kein Grund bewußt vorhanden ist, eine Begründung naturgemäß sehr schwer fallen muß; allein in diesem Falle glauben wir dennoch eine rationelle Ursache vermuthen zu dürfen. Wenn das ganze Judenthum unserer neologen Brüder nur eine Parade, ein Luxus ist, was Wunder dann, wenn der Hauptrepräsentant dieses Luxus, der „Rabbiner und Prediger," auch nur ein Luxusartikel ist? Daß jedoch das neologe Judenthum, d. h. das sog. Judenthum unserer Neologen, thatsächlich jeder ernsten Grundlage entbehrt und nur zum Luxus, zur Parade dient, das erhellt aus allen seinen Aeußerungen zur Genüge.*) Derjenige, welcher einmal einen Reformtempel, sagen wir am Jom-Kippur, wo doch gewiß die ernsteste, weihevollste, andächtigste Stimmung beim Juden herrschen sollte, in der ergreifenden Stunde des „Kol-Nidre," besucht, wird zuerst rauschende Musik vernehmen, er wird also das — Orchester nicht vermissen. Dann wird der gemischte Chor, unter Mitwirkung von Theatersängern, ein Liedchen singen, nun hat er schon — die Oper. Er erhebt seine Augen zu den Sängern und Sängerinnen und siehe! Fast findet er das Ballet auch vor! Wenn nun auch der Prediger seinen Vortrag salbungsvoll zum *) Siehe Nummer 51.