Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 84 (24.10.1901)
- Date
- 1901-10-24
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
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MMW WWWDWWWWMWMeMW! 1849 Majestät Gehör zu finden hoffen für meine Weltbeglückungs-Jdeale? Da blieb ich am Hofe der „Königin Armuth", um meinen Unglücklichen wenigstens nahe zu sein. Konnte ich ihnen mein Gück nicht bringen, so sollte ihnen wenigstens mein T r o st nicht fehlen." „Und sollen sie jetzt in Trostlosigkeit stürzen?" „Seit Euren glorreichen Siegen über „Königin Armuth" hat sie mir strengstens verboten, den Armen Trost zu bringen. „Wer Trost hat," so sagt sie, „ist nicht mehr arm, und er steht nicht mehr ganz unter meiner Herrschaft." — „Die Grausame!" ries „König Reichthum" empört und eine Thräne des Mitleids stahl sich in sein Auge. „Ja, Majestät, Eure ruhmvolle Ausgabe ist es, der „Königin Armuth" das Szepter zu entreißen," sagte „Irrlicht." „So heiße ich Euch herzlich willkommen," versetzte „König Reichthum," „und rechne auf Eure treuen Dienste. Ihr lommt gerade zur rechten Zeit. Wir berathen eben die Errichtung von Anstalten für verwaiste und sonst verwahrloste Kinder." „O, herrlich, herrlich Majestät! Wer die Jugend bat, der hat die Zukunft! Euer Sieg über Eure Erbfeindin wird ein ruhmvoller sein!" Jetzt traten die Minister des „Königs Reichthum", mit dem Kanzler „M ä ß i g u n g" an der Spitze, zum Bortrage ein. „Hier stelle ich Ihnen meinen neuen Sekretär „Weltbeglücker" vor, meine Herren. Er ist ein erbitterter Feind der „Königin Armuth!" „Majestät," sagte Kanzler „Mäßigung," „Weltbeglücker stehen im Dienste der „Königin Armuth", lvie alle Schwärmer." „Ja Du mit Deiner trockenen Nüchternheit und Deiner ewigen Berechnung! Du wirst die Menschen nie glücklich machen!" „Das will ich auch nicht, Majestät, ich bin zufrieden, sie der Armllth zu entreißen. „Weltbeglllcker" wird sie weder glücklich machen, noch der Armuth entreißen." „I ch aber will die Menschen glücklich machen," sagte etwas spitz „König Reichthum," „es kommt doch wohl nicht auf das an, was D u willst, sondern aus das, was i ch will." „Und Majestät glauben, die Menschen glücklich machen zu können?" „Vis jetzt bei Deiner ewigen, nüchternen Berechnung, glaubte ich es allerdings nicht. Jetzt, da ich den rechten Mann gefunden, der meine Ideen versteht, jetzt glaube ich es, jetzt will ich es!" „Majestät.*. . ." „Kein Wort mehr! Ich will es! Soll ich darum die langen Kämpfe führen gegen die „Königin Armuth", um in meinem eigenen Reiche die „Königin Armuth" herrschen zu lasten? Nein, die Anstalten, die ich errichte, sie sollen glückliche Menschen beherbergen, sie sollen des Königs Reichthum würdig sein, sie sollen meinen Ruhm der Mit- und Nachwelt verkünden. Ich will es! — Kanzler „Mäßigung" ist entlasten und „Weltbeglücker" tritt an besten Stelle." „Königin Armuth" triumphirte, als sie erfuhr, welchen Sieg ihr Liebling „Irrlicht" über den bewährten Kanzler des „Königs Reichthum" davongetragen. IV. Der verabschiedete Freund des „Königs Reichthum", Kanzler „Mäßigung," zog sich trauernd vom Hofe zurück. Er irrte in der Welt umher, um sich einen Wirkungskreis zu suchen. Es wollte ihm nicht gelingen. Die armen kurzsichtigen Menschen. Sie sind stark im Entbehren, aber schwach im freiwilligen Entsagen. Wo eine Anstalt für die Jugend errichtet wurde, klopfte Kanzler „Mäßigung" an, aber überall wurde er abgewiesen. „Die Jugend muß Freude haben," hieß es. „Gewiß," sprach Kanzler „Mäßigung," „aber die findet sie reichlich, wenn Ihr sie in die Lage versetzt, zur Höhe zu klettern, nicht wenn Ihr sie auf die Höhe stellt." „Wir stellen sie auf die Höhe, damit sie noch höher steigen." „O nein. Um leichter und tiefer zu stürzen!" „Wir sind aber den Kindern so gut!" sprachen die hochherzigen Stifter. „Eben darum müßt Ihr Euch im Guten mäßigen," sprach der verabschiedete Kanzler. Ganz besonders betrübt war er aber, als er auch in den Kreisen sich verhöhnt sah, wo man für seine Ermahnungen sonst ein williges Ohr hatte: bei den „Nachkommen der großen biblischen Propheten und der Rabbinen." „Das freie Entsagen ist doch der Kernpunkt Eurer ganzen Religion; warum wollt Ihr in Eurer Wohlthätigkeit, in Euren menschenfreundlichen Handlungen nicht mäßig sein?" rief er traurig. „Das verstehst Du nicht, alter Freund!" hieß es da, „Du stammst aus der guten alten Zeit; heute herrscht die Reklame. Unsere Wohlthätigkeitsanstalten gerade sind es, die unserer verkannten Religion zur Ehre gereichen müssen!" „Gewiß." sagte der edle Kanzler, „aber sie gereichen Euch um so mehr zur Ehre, je mehr sie durch Einfachheit und Zweckmäßigkeit mustergiltig sind." „Geh, Du verstehst das wirklich nicht! Die Anstalten müssen auch in ihrem Aeußern und in ihrer ganzen Einrichtung uns zur Ehre gereichen." „Aber was liegt Euch denn am Beifall der Unverständigen? Wer den Besten seiner Zeit." „Sie find wirklich unverbesserlich, Herr Kanzler, nrit Ihren ewigen Abkanzlungen! Adieu!" — Ganz unerwartet traf eines Tages von der neu errichteten Anstalt „Ahle m" eine Deputation bei dem Kanzler „Mäßigung" ein.