Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 83 (21.10.1901)
- Date
- 1901-10-21
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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1817 Oberrath S 1 ockheim: An die mäßige Erhöhung des Steuecfußcs sei der Großh. Oberrath erst nach genauer Prüfung herangetreten. Man habe während der letzten Synode geglaubt, daß sich vielleicht eine Herabsetzung des Stenerfnßes herbeiführen laste. Dies sei aber nicht möglich gewesen, denn die Ansprüche seien größere geworden. Der Redner dankte der Budgettommission für ihre Ivohlwottende Prüfung des Voranschlages und bat, demselben zuzustimmen. Abg. Marx - Bruchsal: Er lvundere sich, daß der Großh. Oberrath einer Neugestaltung der Bezirkssynagogen noch nicht näher getreten sei. Eine neue Verordnung über die Bildung und den Wirkungskreis der Bezirkssynagogen erscheine geboten und er hoffe deßhalb, daß der Oberrath der nächsten Synode eine diesbezügliche Vorlage machen werde. Geh. Rath Mayer: Der Großh. Oberrath habe sich mit dieser Frage schon beschäftigt, er halte aber auch hier eine Aenderung der Gesetzgebung nur bei vorhandenem dringenden Bedürfniß für geboten. Der Oberrath werde selbstverständlich der Sache näher treten, und es werde vielleicht möglich sein, sich mit derselben auf der nächsten Synode zu befassen. Im Verlaufe der weiteren Debatte wurden bezüglich der Anstellung jüdischer Lehrer und Lehrerinnen verschiedene Wünsche vorgebracht und der Genugthuung Ausdruck gegeben, daß der Voranschlag dieses Mal auch eine Anforderung für soziale Zwecke aufweise. In Bezug auf diese Position führte Abg. M a r x - Bruchsal aus, daß die jährliche Summe von 9000 Mk. für soziale Zwecke nicht an die Handwerkervereine in Mannheim, Karlsruhe und Freiluirg vertheilt, sondern das Geld zu einem Fonds gesammelt und dann e i n Lehrlingsheim errichtet werde. Die drei Handwerkervereinigungen und der israelitische Landeswaisenverein sollten dann beschließen, wann und wo das Lehrlingsheim erstellt werden solle. Er sei der Meinung, daß man es in Karlsruhe errichte, im Hinblick auf die vorzüglichen Schuleinrichtungen, die diese Stadt besitze. Oberrath R o s i n erklärte Namens des Oberrathes, daß eine Vertheilung der Summe nicht beabsichtigt werde. Die Anforderung wurde einstimmig genehmigt. Oberrath R o s i n dankte für die Bewilligung, die eine soziale That genannt werden dürfe. Die christlichen Bekenntnisse nennen die Einrichtungen, durch die sie den Nebenmenschen helfen wollen, durch die Unterstützung, die sie den wirthschaftlich Schwachen zu Thcil werden lassen, praktisches Christenthum. Den Schritt, den die Synode heute mit der Bewilligung der Position für soziale Zwecke gethan habe, dürfe man mit Recht praktisches Judenthum bezeichnen. Das Vorgehen der Synode werde gewiß allerorts anerkannt werden. Es wurde darauf der ganze Voranschlag angenommen. Auf eine Interpellation der Abgeordneten Friedberg und Genossen, dahingehend: „Welche Maßnahmen hat der Oberrath gegen den Edelsteinhändlec Landauer in Pforzheim ergriffen, der durch ein Gedicht in der „Staatsbürgerzeitnng" und ein Flugblatt die badischen Rabbiner schwer beleidigt habe," erklärt Geh. Oberregiernngsrath B e ch e r e r, daß der Oberrath ein Einschreiten der Staatsanwaltschaft herbeigesührt habe, daß aber das Verfahren gegen Landauer wegen dessen geistigen Zustandes eingestellt worden sei. Die Interpellanten erklärten sich mit dieser Auskunft zufrieden. Mit der nun folgenden Wahl des Synodalausschusses waren die Geschäfte der Synode beendet. Geh. Oberregierungsrath B e ch e r e r dankte für die rasche und wohlwollende Erledigung sämmtlicher Vorlagen und schloß darauf Namens des Großh. Oberrathes die Synode. Heiturrgsnachrichtc« und Tsrrefpoirdenzen E n g l a n d. London. lDi e Juden als Soldaten.) Wie die „Jewish Chronicle" aus guter Quelle erfährt, belief sich die Zahl der in den Reihen des russischen Heeres in China kämpfenden jüdischen Soldaten auf inebr als 5000. Eine einzige Brigade zählte 680 Juden, von den im Laufe der Campagne 18 gefallen und viele verwundet worden sind. Während des Passafestes gab General Stessel, welcher damals in der Nähe von Tientsin operirte, seinen jüdischen Soldaten, welch« in einer Stärke von 300 Mann unter seinem Kommando standen, die beiden ersten sowie die beiden letzten Feiertage frei. Auch ließ er für diese Zeit für seine jüdischen Soldaten zwei große Zelte errichten, von denen das eine als Synagoge, das andere als rituelles Vorrathshaus und Mazzothbäckerei diente. Am ersten Tage des Passahfestes besuchte General Stessel in Begleitung des Oberst Orodnikow und des Oberstlieutenant Rabinen diese improvisirte Synagoge und spendete für dieselbe 25 Rubel. Auch unter dem englischen Kontigent in China befanden sich sehr viele Juden, namentlich dienen zahlreiche Juden in der englischen Marine, wo es über 100 jüdische Matrosen geben soll. Sehr zahlreich waren die Juden in dem australischen Kontingent, das in Südafrika gekämpft hat, vertreten. Namentlich zählt die Abtheilung von Neu-Südwales so viele Juden in ihrer Mitte, daß man sie in Südafrika scherzweise das Nen-Südwales'sche K o h n tingent nannte. T.