Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 83 (21.10.1901)
- Date
- 1901-10-21
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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WWW 4L. Jahrgang. "Zweite Anlage zu M 83 des „Israelit". Leitender Artikel. Israelitische Lmidessynode. Cii u ü f ü h rlicher V e r i ch i.) Karlsruhe, 14. Oktober. Ofvftc Sitzung. Heute Vormittag tl Uhr trat die israelitische Landessynode zu einer ordentlichen Tagung im Sitznngssaale der Zlveiten Kammer zusammen. Geheimer Ober Rcgierungsrath Bechert erösfnete die Sitzung mit folgender Ansprache: „Im Namen nnd im Aufträge des Großherzoglichen Oberrathes heiße ich Sie, hochgeehrte Herren, herzlich willkommen. Ist auch die Zahl der Vorlagen, die Ihrer Berathung und Beschlußfassung unterliegen, eine verhältnißmäßig kleine, so werden Sie doch Gelegenheit haben, in den Kommissionen wie im Plenum Ihren Wünschen und Vorschlägen Ausdruck zu geben. Der Voranschlag weist dieses Mal gegenüber dem letzten Voranschlag eine mäßige Erhöhung des Steuerfußes auf. Sie dürfen versichert sein, daß die Behörde erst nach reiflicher Ueberlegung und nach genauer Prüfung aller Verhältnisse zu dem Vorschläge einer Erhöhung gekommen ist. Wir sind davon überzeugt, daß wir damit im Interesse der Landessynode und ihrer Angehörigen gehandelt haben. Ich bitte Sie, unfern Vorschlägen, besonders auch den neuen Anforderungen für soziale Zwecke, Ihre Zustimmung zu geben. Auch bitte ich Sie, den Voranschlag mit dem gleichen Wohlwollen, wie früher, zu prüfen. Indem ich wünsche, Gottes Segen möge auf Ihrer Arbeit ruhen, erkläre ich die Sitzung für eröffnet." Alterspräsident Oberrath Kahn- Mannheim übernahm darnach das Präsidium und ernannte die Synodalmitglieder Dr. Hannes u. Dr. Dietrich zu Jugendsekretären. Er führte sodann aus: Meine Herren! Ehe wir in unsere Thätigkeit ekntreten, wollen ivir in gewohnter Weise unseren Gefühlen der Dankbarkeit und Verehrung für unseren Landesfürsten Ausdruck geben. Ich fordere Sie auf, dies zu thun, indem Sie mit mir in den Ruf einstimme», S. K. H. der Großherzog lebe hoch! Die Versammlung stimmte dreimal in diesen Ruf ein. Zwecks der Wahlprüfung wurde dann die Sitzung für kurze Zeit unterbrochen. Rach Wiederaufnahme der Sitzung erstattete Rechtsanwalt Dr. Friedberg - Karlsruhe Bericht über die Wahlprüfungen. Er beantragte sämmtliche Wahlen für unbeanstandet zu erklären. Der Antrag wurde ohne Debatte angenommen. Es folgten darnach die Wahlen der Präsidenten und Schriftführer. Gewählt wurden: Dr. Hachenburg- Mannheim zum ersten Präsidenten, Dr. F r i e d b e r g - Karlsruhe zum zweiten Präsidenten, Dr. Hannes- Konstanz u. Wertheimer - Bühl zu Sekretären. Sämmtliche nahmen mit Worten des Dankes die Wahl an. Weiter wurden die Kommissionen gewählt und zwar: die Budgetkommission, die Verfassungskommission, die Kultus- und Unterrichtskommission und die Petitionskommission. Hierauf erfolgte die Zuweisung der Vorlagen an die einzelnen Kommissionen. Unter Anderem war aus der Mitte der Synode ein Antrag eingelaufen, an den von seinem Amte zurückgetretenen Staatsminister Dr. Rokt eine Adresse zu richten, die der Ausdruck des Dankes sein soll für die Förderung, die der frühere Staatsminister auch den israelit. Kultusangelegenheiten seit einer Reihe von Jahren hat zu Theil werden lassen. Die Petitionskommission wurde mit der Festsetzung des Wortlautes der Adresse betraut und darauf die Sitzung geschlossen. Zweite Sitzung. Präsident Hachenburg er'öffnete nach 9 Uhr die Sitzung. Als Vertreter des Großh. Oberrathes war Geh. Oberregierungsrath V e ch e r e r anwesend. Die Synode beschloß zunächst, die gestern beam fragte Adresse an den Staatsminister a. D. Dr. Nokk in der von der Petitionskommission festgesetzten Fassung an den früheren Staatsminister abgehen zu lassen. Es erstattet hierauf für die Verfassungskommission Dr. V i e l e f e l d - Karlsruhe Bericht über den Entwurf einer Verordnung, die Synodakordnung für die israelitische Religionsgemeinschaft des Großherzogthums Baden betreffend. Diese Verordnung bestimmt, daß die israelitische Gemeinde Pforzheim von dem achten Wahlbezirk getrennt und als besonderer Wahlbezirk mit einem Abgeordneten konstituirt werde. Der Berichterstatter stellte den Antrag, der Verordnung zuzustimmen. Der Antrag wurde nach Empfehlung durch Oberrath Hamburger angenommen. Weiter berichtete Dr. Bielefeld über einen Antrag, der sich auf das Ortskirchensteuergesetz vom 26. Juli 1888 bezog. Die Verfaffungskommission hat dem Anträge folgende Fassung gegeben: