Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 82 (17.10.1901)
- Date
- 1901-10-17
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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WWWWW PP 1785 Berlin, 15. Ott. Crine Haussuchung ist am Freitag Mittag von fünf Polizeibeamten in den Redaktionsräumen der antisemitischen Staatsbürger- Zeitung nach einem Manuskript über „jüdische Blutmorde" vorgenommen worden. Das Manuskript luurde nicht gefunden. Jnowrazlaw, im Okt. Am 2. September wurde der Geburtstag des Stifters des hiesigen Wolssohnscheu Waisenhauses, Joseph Wolfsohn, in der Anstalt gefeiert. Anwesend waren die beiden Mitglieder des Kuratoriums, die Herren erster Bürgermeister K e i n i <• s und Rabbiner Dr. K o h n, ferner mehrere freunde und Freundinnen der Anstalt. Der Inspektor der Anstalt. Herr E. Ehaim, hielt eine längere Anrede an die Waisenkinder, und die Kinder trugen wieder unv Gedichte vor. Sämmtliche Gäste verließen mit voller Zufriedenheit über das Gehörte die Anstalt. — A in Ausgange des Sukkot- I c st e s erkrankte Herr B. Michel, unser Eorvorationsmitglied, an einem Fischgift sehr schwer und starb am 11. d. M. rum tiefsten Schmerze der Gemeinde. Der Verblichene hinterläßt eine Gattin in der Blüthe dee Lebensjahre und sieben Kinder. Herr B. Michel siedelte vor 2 t,. Jahren von seinem früheren Domicil, Pudewih b. Posen, nach seiner Hcimath hierher über. Am Tage dieser unheilvollen Katastrophe fungirte er noch als Baal-Kore in der Ehewra Gemilus Chasodim. Bon seiner allgemeinen Beliebtheit, deren er sich hier sowie in seinem früheren Wi'lungskreise erfreute, legte das große Leichenbegängnis'. beredtes Zeugniß ab. In seinem früheren Wohnorte Pudewitz bekleidete er zeitweise die Stelle eines Teinpel-Borstehers, auch war er dort Bal-Kore. W. S i l b e r st e i n. Niodonskt'itt, tm Ott. In der ersten Beilage zu Ar. 56 dieses Blattes vom 9. Mai d. Js. wurde von vier berichtet, daß Herr Lehrer Heiser wöchentlich 21 Stunden Unterricht an der evangelischen Schule zu eribcilen habe, iveil der Lehrer an derselben erkrankt sei. Im August war der Lehrer wieder diensttauglich und Heiser's Bertretung,- ivelche gut bezahlt wurde, überflüssig. In der Aachbargemeinde Wichdors aber, in der Jehudim überhaupt nicht wohnen, starb am 15. September d. I. der alleinstehende evangelische Lehrer. Dessen Schule wird bis zur Wiederbesetzung der Stelle — nach einem Vierteljahr — von Nachbarkollegen verwaltet, wozu auch unser Lehrer mit ein Drittel des Unterrichts betraut wurde. Ist das in unserer Zeit des Antisemitismus kein Lv'n tm,?? Obbach (Bayern). Eine Feier seltener Art beging am 2. Oktober der hiesige „Wohlthätigkeitsverein", und zwar die Feier seines hundertjährigen Bestehens. Dieselbe wurde am Borabend durch wohlgelungene theatralische Aufführungen seitens Schulkinder und Erwachsene unter der vortrefflichen Leitung unseres Herrn Lehrer Blatt eingeleitet. Herr Lehrer Blatt reihte noch an diese Vorstellungen eine geistvolle Rede an, in der er einen Rückblick auf die verflossenen hundert Jahre gab, dabei der Lage der Juden unter den verschiedenen bäuerischen Herrschern dieses Zeitraumes gedenkend. Seine Rede klang in einem begeistert aufgenommenen Hoch auf unseren geliebten Prinzregenten aus. — Morgens 9 Uhr begann der Festgottesdienst. Die Synagoge war zu diesem Zwecke durch die Munifizenz des hiesigen Frauenvereins reich dekorirt und fast in einen Blumengarten verwandelt. Der von Herrn Lehrer Blatt eigens hierzu eingeübte Chor intonirte herzerhebende Gesänge. Der Gottesdienst erhielt durch eine schwungvolle, der Feier und Zeit angemessene Predigt des Herrn Disttiktsrabbiner Dr. S t e i n aus Schweinfurt das Gepräge seiner Weihe. Die sich daran anschließende Festmahlzeit verlief sehr animirt und auch der eigentliche Zweck des Vereins: „Wohlthätigkeit gegen Arme," wurde dabei nicht außer Acht gelassen. Die Versteigerung des Tischgebetes erzielte eine ansehnliche Summe, die wvhlthätigen Zwecken zugeführt wurde. Hieran reihte sich noch ein gemiithliches Zusam men sein mit Musil, das die Festtheilnehmer bis in die frühe Morgenstunde in fröhlichster Stimmung beisammenhielt. Das an unseren Landesfürsten abgesandte Hnldigungstelegramm wurde dankend entgegengenomuken und erwiedert. Möge der Verein ferner bliihen und gedeihen! Das gebe Gott! Oesterreich. Ano Mähren, 14. Okt. Salomon WsllkN si e i n aus Voskowitz, der verflossenen Simchas Thora seine edle Seele aushauchte, ivar nicht reich, auch nicht gelehrt, und doch erfreute er sich einer Liebe, einer Hoch achtnng, inte sie selten demjenigen zu Theil wird, der beide Eigenschaften in sich vereinigt Hot. Der Name Solomon Molkenstein wird unvergeßlich bleiben, so lange noch einer im Lichte der Sonne wandeln Ivird, der Gelegenheit hatte, die trefflichen Charakterzüge dieses Mannes kennen zu lernen. Was Wollenstein, der mH ungeheuchelter Frömmigkeit ein überaus gutes Herz verband, bei Kranken geleistet hat, klingt fast unglaublich. Es war lein Patient, mochte er von einer noch so ekelhaften, noch so ansteckenden Krankheit befallen worden sein, der nicht in dem Verblichenen den aufopferndsten, uneigennützigsten Pfleger gefunden hätte. Mochte auch die Krankheit sich zahllose Tage hinziehen, immer war der Dahingeschiedene bereit, helfend einzugreifen, viele Nächte mit Hintansetzung seines eigenen Jchs unausgesetzt zu durchwachen, den Kranken zu tragen, zu heben und zu legen, und ihm in der liebenswürdigsten Weise Trost zuzusprechen. Die Augen der Kranken leuchteten vor Freude, wenn Wolkenstein in das Zimmer trat und hegten Hoffnung, unter der Pflege dieses edlen Mannes zu gesunden. Im Jahre 1866, als die Cholera so heftig wüthete, ging der Verblichene, seine eigene Person gar nicht